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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 05.04.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 05.04.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Fehlinterpretationen

Die Märkte erlebten einen fulminanten Start ins Jahr 2012, und wenn sich Ihr Einkommen nach Jahresperformance richten würde, dann würden auch Sie zu diesem Zeitpunkt Gewinne sichern und sich auf einen ruhigen Sommer mit weniger „Leverage“, also weniger riskanten Positionen vorbereiten.

 

Noch vor zwei Wochen war das Portfolio des Heibel-Tickers mit

14% im Plus während der DAX schon bei 21% stand. Heute steht

unser Portfolio bei plus 15,2%, der DAX hat nur noch 15% seit

Jahresbeginn zugelegt. Wäre es also auch für Ihren Autor nun

der richtige Zeitpunkt, alles zu liquidieren und sich nach den

anstrengenden vergangenen Jahren einmal einen schönen Sommer zu

leisten?

 

Ganz ehrlich? Nein. Das ist die Denke von Tradern, von

Hedgefonds und von Spekulanten. Mit unserem diversifizierten

Portfolio sind wir überdurchschnittlich gut durch die Krisen

der vergangenen Jahre gesegelt. Das hat unsere Nerven geschont,

und so werden wir auch weiterhin mit kleinen Schritten unser

Portfolio stets an die aktuellen Gegebenheiten anpassen.

 

Doch dieses besonnene Vorgehen ist an der Börse eher selten zu

sehen. Und so ist in dieser Woche die Skepsis gegenüber einer

Fortsetzung der Rallye aufgekommen. Mehrere Ereignisse haben

für Verunsicherung gesorgt.

 

So sprach US-Notenbankchef Ben Bernanke davon, die lockere

Geldpolitik nicht weiter zu lockern. Er wolle zunächst

abwarten, ob die bislang eingeführten Maßnahmen ausreichen, um

nicht nur die Wirtschaft zu stabilisieren sondern nun auch den

Arbeitsmarkt anzukurbeln.

 

Wenn Sie einen Grill anfachen und Brennspiritus auf die Kohle

geschüttet haben, dann warten Sie doch auch zunächst einmal ab,

ob die Kohle nun selbst auch Feuer fängt, bevor Sie in die

angefachte Flamme einen weiteren Becher Spiritus schütten,

oder? Nichts anderes tut Bernanke.

 

Doch Spekulanten sind enttäuscht darüber, dass kein QE3

(quantitativ easing III. – dritte Runde der Geldlockerung)

verkündet wurde und verkaufen ihre Aktienpositionen...

 

...oder haben etwa nur die Medien diesen vermeintlichen Grund

aufgetan, nachdem die Kurse im Minus waren? In meinen Augen

braucht es kaum einen Anstoß um Spekulanten zum Realisieren

ihrer Gewinne zu veranlassen. Bernanke zumindest hat in meinen

Augen keinen ausreichenden Grund geliefert, zumal wir uns

sicher sein können, dass er zur Stelle sein wird, wenn die

Wirtschaft wider Erwarten erneut zu straucheln beginnen sollte.

 

Dann war schon eher die Umsatz- und Gewinnwarnung von Sandisk

ein Grund für einen Ausverkauf: Der Hersteller der SSD

Festplatten (Flash-Drives) hat seine Prognose für das laufende

erste Quartal deutlich gesenkt. Eine heftige Überraschung, hat

man doch gedacht, dass Sandisk als größter Anbieter der SSDs

automatisch am Erfolg von Apples iPads und iPhones

partizipieren würde.

 

Doch weit gefehlt: Apple ist ein Kunde, der seine Zulieferer

nicht gerade mit Samthandschuhen anfasst. Wir alle haben doch

schon davon gehört, dass Unternehmen von der Zuliefererliste

Apples flogen allein aus dem Grund, weil sie öffentlich Details

über den Vertrag bekanntgegeben haben. Da ist es nicht schwer

vorstellbar, dass Sandisk zwar große Volumina an Apple liefert,

aber zu Preisen, mit denen sich kaum ein Gewinn erzielen lässt.

 

Den Gewinn müssen Apple-Zulieferer häufig dann bei anderen

Kunden erzielen. Vielen ist dies auch ein Leichtes, da man dank

der großen Volumina durch den Apple-Auftrag über geringere

Stückpreise verfügt als die Konkurrenz. Und das hätte

eigentlich auch bei Sandisk zu einem guten Kundenstamm führen

müssen.

 

Das ist jedoch nicht der Fall, wie wir diesen Mittwoch

erfuhren. So grübeln nun Investoren darüber, ob die

Umsatzwarnung auf eine geringere Nachfrage durch Apple

zurückzuführen ist, oder ob Sandisk seinen strategischen

Vorteil einfach nicht gewinnbringend umsetzen kann.

 

Meine Meinung? Letzteres. Egal welchen Bericht über die iPhone-

und iPad-Nachfrage ich lese, die Absatzzahlen übersteigen

jegliche Erwartungen. An Apple liegt es nicht. Somit ist wohl

schlechtes Management bei Sandisk verantwortlich für die

Misere.

 

Eine mutige Behauptung, denn ich stehe damit wieder einmal

recht einsam da. Doch ich finde diese Interpretation

nachvollziehbar, insbesondere vor dem Hintergrund der Meldungen

über Absatzprobleme bei der Konkurrenz, die wir im Bereich der

Touchpads immer wieder erhalten.

 

Erinnern Sie sich an die Berichte der Touchpad-Flut zum Ende

des vergangenen Jahres? Produzenten hatten weitaus größere

Mengen an Bauteilen geordert, als sie letztlich dann für ihre

Produktion abriefen. Es stellte sich heraus, dass der gesamte

Touchpadmarkt mit Ausnahme der iPads betroffen war. iPads

hatten den Markt überrollt.

 

Dass Sandisk heute noch unter dieser Entwicklung leidet, wirft

ein schlechtes Licht auf das Management. Inzwischen hätte man

sich auf die Dominanz des iPads einstellen müssen und

vorsichtiger planen sollen. Wie gesagt, die Interpretation,

dass Sandisks Umsatzwarnung eine schwäche im Touchpadmarkt

signalisiere, halte ich für einen Fehler. Nach Bernanke der

zweite Fehler.

 

Und es gab noch einen dritten Fehler, der sich standhaft in den

Medien hält, insbesondere in den angelsächsischen Medien, deren

Spanischkenntnisse schlecht sein müssen.

 

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat von einer

extrem schwierigen Situation für sein Land gesprochen. „Spanien

befindet sich in einer wirtschaftlichen Situation mit extremen

Schwierigkeiten, ich wiederhole, extremen Schwierigkeiten“,

sagte er auf einer Parteisitzung in Malaga. „Wer das nicht

versteht, macht sich etwas vor...die Alternative“

(Schuldenschnitt, Anm. Ihres Autors) „sei unendlich schlimmer“.

 

In den Medien wird nun davon gesprochen, dass der spanische

Premier sein Land auf einen Schuldenschnitt vorbereite, indem

er bereits offen darüber spreche.

 

Anlass für die erneuten Sorgen über Spanien ist eine Auktion

dieser Woche, bei der von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro geplantem

Emissionsvolumen mit 2,59 Mrd. Euro nur die untere Marke

erreicht wurde. Der Zinssatz der bis Oktober 2016 laufenden

Anleihe betrug 4,319% nachdem eine vergleichbare Auktion vor

einem Monat noch für 3,376% an den Mann gebracht werden konnte.

 

Ja, Spanien hat Probleme. Ja, die Arbeitslosigkeit beträgt dort

über 20%. Und ja, es gibt auch in meinen Augen eine Reihe von

berechtigten Kritikpunkten an Spaniens Vorgehen (zu zaghaft)

sowie an der Strategie der EU. Doch mit keinem Wort hat der

spanische Premier sein Volk auf einen Schuldenschnitt

vorbereitet. Vielmehr hat er Durchhalteparolen verbreitet.

 

Im Detail hat sich wieder einmal kaum jemand die Worte

angeschaut. Lediglich die Fehlinterpretation wurde weiter

verarbeitet, und so stand am Ende des Tages oftmals sogar ein

falsches Zitat in der Schlagzeile: „Spaniens Premier hält

Schuldenschnitt für die bessere Alternative“.

 

Wenn Hedgefonds auf 20% Kursgewinn sitzen, dann brauchen sie

manchmal gar keinen Grund um zu verkaufen. Man verkauft einfach

und überlässt es den Medien, nach Gründen zu suchen. Diverse

Fehlinterpretationen sind die Folge.

 

Fehlinterpretationen, für die wir Europäer jedoch leider die

Türen öffnen. Statt endlich Konjunkturprogramme für die

überschuldeten Club-Med Länder aufzulegen, wird nur über die

Höhe des Hilfsfonds ESM diskutiert. Ein Hilfsfonds, der von

erfolgsverwöhnten Spekulanten als neuer Spekulationsort

betrachtet wird. Je größer, desto besser. Bei den

Milliardensummen, die von Hedgefonds inzwischen verschoben

werden, gibt es ja kaum noch gleichwertige Gegenspieler, und

der ESM sorgt dafür, dass ein Spiel gegen überschuldete EU-

Staaten nicht schon nach wenigen Tagen endet sondern vielleicht

über Monate andauern kann.

 

Die Politik hat dieses Problem vorübergehend erkannt, als man

begann, das Spielfeld mit neuen Regularien auszustatten – auch

gegen den Widerstand Englands! Doch die Transaktionssteuer ist

heute wieder in weite Ferne gerückt. Das entschiedene Vorgehen

Deutschlands, das Spekulanten tatsächlich einige Monate davon

abhielt, gegen EU-Staaten zu spekulieren, hat sich in Luft

aufgelöst... und so kommen die Spieler zurück.

 

Keine strengeren Regularien, keine Konjunkturprogramme.

Stattdessen: Sparzwang in sämtlichen Club-Med Ländern, die zu

sozialen Spannungen führen. Forderungen nach Steuererhöhungen

in den Club-Med Ländern, die auch an die Rücklagen der

gebeutelten Bürger gehen. Gleichzeitig wird insbesondere hier

in Deutschland stets das Inflationsgespenst an die Wand gemalt,

so dass die Geldpolitik doch bitteschön möglichst restriktiv

bleiben solle.

 

Also zuerst sparen, Steuern erhöhen und Geld verknappen. Nach

wie vor höre ich nichts über eine Konjunkturhilfe für die Club-

Med Länder oder strengere Regularien für die Finanzmärkte.

Wundern Sie sich da, dass die europäischen Finanzmärkte ein

leichtes Opfer für internationale Spekulanten sind?

 

Einen wirklichen Grund gab es dennoch in dieser Woche: Heute

wurden Zahlen zur Industrieproduktion in Deutschland

veröffentlicht. Diese fielen schlechter aus als erwartet.

Deutschland ist die Lokomotive Europas, der Fels in der

Brandung. Wenn nun selbst Deutschland, das seinen Erfolg

stärker denn je auf den Export baut, Probleme bekommt, dann

geht es mit dem Rest Europas ganz schnell zu Ende, folgern

internationale Anleger.

 

Schauen wir einmal, wie sich die einzelnen Indizes diese Woche

entwickelt haben:

 

 

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES:

 

INDIZES               29.03.12 DIFF

Dow Jones              13.075      -0,5%

DAX                     6.784      -1,3%

Nikkei                  9.768      -3,4%

Euro/US-Dollar          1,315      -1,1%

Euro/Yen              108,186      -1,1%

10-Jahres-US-Anleihe     2,24%      0,1

Umlaufrendite Dt         1,50%      0,0

Feinunze Gold USD   $1.623,75      -2,0%

Fass Brent Öl USD     $123,28       0,8%

Kupfer in US$/to        8.396       0,4%

Baltic Dry Shipping I     926       0,4%

 

Der Goldpreis ist um 2% eingeknickt und notiert nur noch knapp

über 1,600 USD/Oz. Diese Marke wird von Charttechnikern als

wichtig bezeichnet, ein Unterschreiten könnte einen weiteren

Ausverkauf nach sich ziehen.

 

Von mir aus gerne, sind meine Gedanken dazu, dann können wir

noch günstiger nachkaufen. Denn auch wenn Bernanke vorerst kein

QE3 unternimmt, so sind die Geldmengen international doch alles

andere als rückläufig. Und selbst wenn Indien den Kauf von Gold

rationiert, so ist das mit Sicherheit kein geeignetes Mittel,

um den Goldpreis zu drücken. Politische Börsen haben kurze

Beine, sagt man, und so ist ein Ausverkauf im Gold in meinen

Augen eine Nachkaufgelegenheit. Je heftiger, desto besser. Wenn

Sie immer nur schrittweise einkaufen gehen, laufen Sie nicht

Gefahr, irgendwann kein Pulver mehr zu haben.

 

Die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten betrachte ich mit

einem weinenden und einem lachenden Auge. Kupfer und Öl steigen

wieder weiter an. Das ist auf der einen Seite ein nicht

überraschendes Zeugnis für die weltweit intakte Konjunktur.

Doch auf der anderen Seite laufen wir bei diesen Preisen

Gefahr, dass die Konjunktur abgewürgt wird. Insbesondere ein

hoher Ölpreis wirkt wie eine zusätzliche Steuer.

 

Sollte es also in den nächsten Wochen einmal zu einem

Ölpreisrückgang kommen, dann würde ich darin nicht gleich den

Vorboten einer weltweiten Rezession sehen, sondern vielmehr

eine erfreuliche Korrektur auf ein verträglicheres Niveau.

Davon abgesehen sehe ich die Chancen für einen deutlichen

Ölpreisrückgang als sehr gering an. In der Monatsbetrachtung

(Kapitel 04) habe ich Ihnen zudem eine mögliche Begründung für

den großen Preisunterschied zwischen dem US-Texas-Öl und dem

Nordseeöl geliefert.

 

Schauen wir einmal, wie sich die Stimmung unter Anlegern und

Analysten entwickelt:

 

 

SENTIMENTDATEN

 

Analysten

Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

 

Kaufen / Verkaufen

16.03.- 23.03. (233): 53% / 13%

23.03.- 30.03. (229): 46% / 18%

30.03.- 05.04. (153): 47% / 12%

 

Kaufempfehlungen der Analysten

HamburgHafen Log., Daimler, ProSiebenSat1

 

Verkaufsempfehlungen der Analysten

Research in Motion, Philips Electr., Vossloh

 

Privatanleger

12. KW: 62% Bullen (152 Stimmen)

13. KW: 70% Bullen (193 Stimmen)

14. KW: 65% Bullen (177 Stimmen)

 

Kaufempfehlungen der Privatanleger

Credit Agricole, Total, Soitec S.A.

 

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger

Q-Cells, Gemalto N.V., Autodesc

 

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise

erstellt:

http://www.sharewise.com?heibel

 

Die Bullen bleiben in Ihren Höhlen während erste Bären ihren

Sieg feiern. Die Stimmung gibt derzeit beides her, sowohl ein

Ende der kurzen  Korrektur, als auch eine Fortsetzung. Ich

werde im nächsten Kapitel auf meine Einschätzung zu dieser

Frage eingehen.

 

 

TOP ANALYSTENZIELE

 

Sie wollen wissen, was die Analysten im Einzelnen für Aussagen

treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie

ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den

höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach

an, wo das aktuelle Kursziel des Analysten prozentual am

meisten über dem aktuellen Kurs liegt:

 

Firma  Analyse vom  Kurs   Ziel  Upside

PVA TEPLA    03.04  3,78€  6,40€  69,31%

4SC AG       02.04  2,49€  4,00€  60,64%

COMMERZBANK  03.04  1,76€  2,70€  53,41%

METRO AG     02.04 27,57€ 40,00€  45,09%

TUI AG       04.04  5,40€  7,80€  44,44%

SALZGITTER   04.04 39,43€ 56,00€  42,02%

HEIDELDRUCK..02.04  1,41€  2,00€  41,84%

 

Es handelt sich um Analysen aus dieser Woche. Bitte genießen

Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig

auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille

sorgen kann, weshalb Analysteneinschätzungen tendenziell

optimistischer ausfallen als es die Realität anschließend

erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber,

wo die Erwartungen mit dem aktuellen Kurs am weitesten

auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst

oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall

individuell zu beurteilen.

 

Zuletzt hatte ich einmal im September 2010 einen Nachruf

geschrieben. Damals auf Hewlett Packard, der Kurs ist

inzwischen von 43 auf 23 USD gefallen, und Dell, der Kurs

konnte sich bei 16 USD halten.

 

Beginnen wir heute mit Yahoo!: Eine tolle Firma mit unglaublich

wichtigen Web-Diensten. Ich nutze beispielsweise Yahoo! Finance

täglich. Doch seit 2009 pendelt der Kurs um 15 USD, und alle

sechs Wochen lese ich Analysen, die von einer Bodenbildung

sprechen. „Jetzt bricht die Aktie nach oben aus...“, ist im

englischsprachigen Internet immer wieder zu lesen.

 

Doch Yahoo! ist so komplex, dass eigentlich niemand so recht

weiß, was für eine Strategie hinter dem Sammelsurium an

Angeboten steckt. Und wenn ich mir dann die Investitionen der

Wettbewerber anschaue, die Strategien, die Innovationen und

Tests, dann ist Yahoo! von einer Auferstehung wesentlich weiter

entfernt als wir von Ostern.

 

Es ist nur zu menschlich nach dem Halm zu greifen, der die

eigene Position im Portfolio endlich nochmals ein wenig anheben

soll. Doch darauf würde ich bei Yahoo! nicht warten.

 

Research in Motion hat noch 77 Millionen Kunden, die das

Blackberry überwiegend für ihre geschäftlichen Belange nutzen.

Treue Kunden, die mit Sicherheit nicht von heute auf morgen zum

iPhone, zu einem Samsung- oder HTC-Gerät wechseln. Können sie

nämlich nicht wegen der Vertragslaufzeiten :-), und ich

erwarte, dass von diesen 77 Millionen in zwei Jahren nur noch

wenige übrig sein werden.

 

So wie die Verträge auslaufen, so werden die Kunden von

Research in Motion weglaufen. Ein Unternehmen nach dem anderen

bietet seinen Mitarbeitern nun auch den Support für das iPhone

an, und so wird der dramatische Wechsel sich eben über einen

längeren Zeitraum hinziehen, wenngleich die Entscheidung bei

den meisten Kunden bereits gefallen sein dürfte.

 

Research in Motion wird den Pfad von Nokia und Motorola

beschreiten.

 

Kommen wir zum dritten Kandidaten, den Namen kenne ich noch

nicht genau. Doch ich habe so eine Vermutung.

 

Es mag sarkastisch klingen, wenn ich hier das Lied der zehn

kleinen Negerlein anstimme – doch Sie sollten die Wut hören,

die in meiner Stimme mitschwingt, wenn ich singe. Wut über die

Politik, die einmal mehr bewiesen hat, dass man auf sie nicht

zählen kann.

 

Planungssicherheit sollte das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)

der Branche verschaffen, versprach Altkanzler Schröder. Nun,

die Planungssicherheit wurde von den Chinesen genutzt, um eine

gigantische Solarbranche aufzubauen, die mit deutschen

Stromzahlern finanziert wurde.

 

Inzwischen ist die chinesische Solarbranche so groß, dass

deutsche Wettbewerber keine Chance haben. Zudem wurden deutsche

Solarfirmen im Regen stehen gelassen als sie auf der Basis des

EEG ihre Investitionen planten und nunmehr durch die

beschleunigten Förderkürzungen den Boden unter den Füßen

entzogen bekamen. Es gibt keine Ausgleichsmaßnahmen der Politik

für diesen Betrug an der Branche.

 

So können wir nun zusehen, wie ein Solarunternehmen nach dem

anderen die Waffen streckt: Solon, Solar Millennium,

Solarhybrid und Ralos sind die ersten vier gewesen.

 

Diese Woche kam noch Q-Cells hinzu, der einst weltweit größte

Produzent von Solarmodulen. Ein Vorzeigeunternehmen

Deutschlands. Insolvent.

 

Fehlen noch Phoenix Solar, die ebenfalls diese Woche mit

schlechten Meldungen an die Presse gingen. Payom Solar und

Conergy (zappelt noch, und das schon seit Jahren). Da waren’s

nur noch zwei.

 

Zwei kleine Solarfirmen die gingen mal nach China (Centrotherm

macht dort über 90% seines Umsatzes). Dort wurde die Technik

abgekupfert, da war es nur noch eine.

 

Eine kleine Solarfirma, die stützte sich auf die Energiewende

(Solarworld bietet Carports mit Solardächern und in den Boden

versenkten Batterien zum Speichern als Kompaktlösung an). Doch

die Regierung ließ weiter Kohlekraftwerke bauen, da waren sie

alle weg...

 

...ja, anders als im bekannten Lied gibt es hier kein Happy

End, die Arbeitsplätze sind verloren. Insbesondere der Verlust

von Centrotherm und der Solarworld würden mich schmerzen, da

hier das Knowhow besonders wichtig für das Geschäft ist –

anders als bei Q-Cells, denn die Produktion selbst ist

letztlich nicht sehr kompliziert und kann am besten in

Niedriglohnländern erfolgen.

 

Zur Zeit bestehen die Energiewende wie die europäische Rettung

aus Sparmaßnahmen ohne Auffangprogramm. Ich hoffe, dass die

Politik diesen Fehler erkennt bevor Centrotherm und Solarworld

von der Bildfläche verschwinden.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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