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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.05.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.05.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

FACEBOOK: GEFÄLLT MIR!

Diese Woche sind erste Details zum geplanten Börsengang von Facebook bekannt geworden. Am 18. Mai soll der große Tag sein, da soll die Notierung der Aktien unter dem US-Kürzel FB an der Nasdaq beginnen. Für den Emissionspreis wurde eine Kursspanne von 28-35 USD je Aktie angegeben.

 

Es gibt ca. 2,75 Mrd. Facebook Aktien. Ich will nicht

ausschließen, dass Facebook die runde Ziffer einer

Marktkapitalisierung von 100 Mrd. USD beim Emissionspreis

erreichen wird, was einem Emissionspreis von 100/2,75 =  36,36

USD entspricht. Es würde mich also nicht wundern, wenn der

Emissionspreis kurz vor Handelsbeginn, typischerweise am Tag

zuvor, nochmals um ein oder zwei USD über die bisherige

Obergrenze angehoben wird.

 

Schon vor dem Börsengang werden über private Plattformen

Facebook Aktien gehandelt, derzeit steht der Kurs bei 42-44

USD.

 

Für uns hier in Europa ist der Emissionspreis jedoch ziemlich

unwichtig, da wir kaum mit einer Zuteilung rechnen können.

Lediglich die Deutsche Bank ist beim Emissionskonsortium dabei,

dürfte aber nur eine kleine Zuteilung erhalten, die dann an die

besten Kunden des Hauses verteilt wird.

 

Positiv überrascht bin ich von zwei Informationen, die an die

Öffentlichkeit drangen: Zum einen werden insbesondere Online-

Broker große Tranchen erhalten, die sodann ihre überwiegend

Privatanleger bedienen können. Typischerweise teilen sich die

großen Broker wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan

den Kuchen unter sich auf und bedienen ihre überwiegend

institutionellen Anleger wie beispielsweise Fondsmanager. Doch

hier hat Mark Zuckerberg offensichtlich andere Prioritäten

vorgegeben.

 

Und zum anderen werden insgesamt 337,3 Mio. Aktien angeboten,

also 12,3% der ausstehenden Aktien. Das ist weit mehr als die

von mir erwarteten 5%, über die ich mich bereits hier im

Heibel-Ticker aufgeregt hatte.

 

Mit der Ausgabe von 12,3% der Aktien dürfte ein Großteil des

Hungers der Börsianer zunächst einmal gestillt werden können.

Es wird also keine künstliche Nachfrage geschaffen, die direkt

nach dem IPO den Kurs nach oben treibt, da institutionelle

Anleger ihre gewünschte Portfoliogröße zukaufen.

 

900 Millionen Nutzer zu 100 Milliarden USD Marktkapitalisierung

– ist ein solcher Wert gerechtfertigt?

 

Daimler ist 54 Mrd. USD wert, das Traditionsunternehmen Siemens

immerhin 80 Mrd. USD und unser Weltmarktführer für

Unternehmenssoftware SAP kommt auf 77 Mrd. USD. Kann ein gerade

einmal acht Jahre altes Unternehmen aus Silicon Valley da schon

100 Mrd. USD wert sein?

 

Der Umsatz ist im ersten Quartal um 45% auf 1,06 Mrd. USD

angewachsen, der Gewinn fiel um 12% auf 205 Mio. USD. Auf’s

Jahr gerechnet ergibt das ein KGV 12e von 120! Hier steht die

Bewertung in keinem Verhältnis zu aktuellen Wachstums- und

Gewinnraten.

 

Um die 100 Mrd. USD zu rechtfertigen müssen wir uns

Internetgiganten wie Amazon oder Google anschauen.

 

Wie kein zweites Unternehmen hat Amazon es geschafft, die

Kundenmeinungen zu Produkten einzubinden und dadurch die

Vertrauensbasis für Produkte zu steigern. Für viele Käufer sind

die amateurhaften Bewertungen wichtiger als professionelle

(häufig bezahlte) Testergebnisse. Amazon ist derzeit 102 Mrd.

USD wert.

 

Google ist unangefochtener Marktführer bei Suchanfragen und

liefert gemeinsam mit den Suchergebnissen auch passende Werbung

(AdWords) aus. So wird dem Nutzer genau die Werbung zugespielt,

die ihn interessieren könnte und dazu noch genau dann, wenn er

sich dafür interessiert. Google ist 196 Mrd. USD wert.

 

Facebook kann noch gezielter Werbung platzieren und kann zudem

nicht nur auf amateurhafte Bewertungen bauen, sondern auf die

Meinung des jeweiligen Freundeskreises. Über das eigene

Facebook-Profil geben die Nutzer eine ganze Reihe von

persönlichen Informationen preis, an die weder Amazon noch

Google jemals dran kommen. Und wenn dann passend zu den eigenen

Interessen eine Werbung erscheint, verbunden mit einem „Gefällt

mir“ eines guten Freundes, dann dürfte der Werbeerfolg deutlich

höher sein als bei Amazon und Google.

 

900 Millionen Nutzer sind nicht 900 Millionen Kunden, Facebook

muss den Weg zum Portemonnaie seiner Nutzer erst noch erfinden.

Und derzeit testet Facebook verschiedenste Formen der

Bannerwerbung und Textwerbung ohne diese Angebote groß zu

vermarkten.

 

Auf der einen Seite können wir also sagen, Facebook hat noch

gar nicht begonnen, seine Nutzerbasis zum Öffnen des

Portemonnaies aufzufordern. Die eine Mrd. USD Umsatz ist mehr

oder weniger nur ein Nebenprodukt der Testphase.

 

Auf der anderen Seite ist aber auch zu bemängeln, dass Facebook

im Gegensatz zu Google und Amazon noch nicht bewiesen hat, dass

die große Nutzerbasis zur Umsatz- und Gewinnerzeugung

erfolgreich genutzt werden kann. Es gibt noch kein erprobtes

Geschäftsmodell.

 

Also: Ja, Facebook ist weit mehr wert als die 100 Mrd. USD,

wenn es dem Unternehmen gelingt, Werbung und persönliche

Interessen der Nutzer zusammenzubringen. Aber noch ist dies

nicht geschehen, und so muss Facebook mit einem

Bewertungsabschlag zu seinen Kontrahenten versehen werden.

 

Neben Facebook wirken Amazon und sogar Google schon fast wie

Internet-Dinosaurier. Google arbeitet seit Jahren daran,

ähnliche Informationen wie Facebook über seine Nutzer zu

gewinnen, doch irgendwie scheint Google schwerfälliger. Und

Amazon kämpft verbissen um die Akzeptanz seines e-Book Readers

Kindle.

 

Mark Zuckerberg hat kürzlich Instagram für eine Milliarde USD

gekauft, eine soziale Plattform zum Teilen eigener Bilder. Der

Kauf ging am Wochenende über die Bühne, er hat nicht einmal den

Aufsichtsrat informiert, geschweige denn gefragt. Auch nach dem

Börsengang wird Zuckerberg noch über 50% der Stimmrechte an

Facebook halten. Hier wächst ein Unternehmer heran, der sich in

der schnelllebigen Internetbranche bestens bewegen kann und

dadurch vielleicht einen Vorteil gegenüber seinen etablierten

Gegnern hat.

 

Es würde mich nicht wundern, wenn Facebook schon im weiteren

Verlauf dieses Jahres konkrete Modelle einführt, mit denen die

Werbemöglichkeiten auf Facebook besser vermarktet werden. Das

dürfte dem Börsenhype noch weiteren Antrieb geben und die Aktie

weiter nach oben treiben.

 

Ob es gelingen wird, in die Börsenbewertung von 100 Mrd. USD

hineinzuwachsen oder gar zum Wettbewerber Google aufzuschließen

und sich zu verdoppeln, wird sich erst in den nächsten Jahren

zeigen. Doch in den ersten Wochen nach dem Handelsbeginn dürfte

in meinen Augen die Phantasie, das Potential, die Nutzeranzahl

(Augenpaare) und all die nicht greifbaren Bewertungsmaßstäbe,

die einige noch aus der Internetblase kennen, für eine

anhaltend positive Stimmung gegenüber der Aktie sorgen.

 

Wie schon vor einigen Wochen gesagt: Solange die

Marktkapitalisierung von Facebook unter 100 Mrd. USD bleibt,

bleibe ich bei meinem „Gefällt mir“ zur Aktie.

 

 

Schauen wir einmal, wie sich die einzelnen Indizes diese Woche

entwickelt haben:

 

 

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

 

INDIZES               03.05.12 DIFF

Dow Jones              13.207       0,0%

DAX                     6.694      -0,7%

Nikkei                  9.380      -1,5%

Euro/US-Dollar          1,314      -0,1%

Euro/Yen             105,3585      -0,9%

10-Jahre-US-Anleihe      1,92%      0,0

Umlaufrendite Dt         1,33%     -0,1

Feinunze Gold USD   $1.633,45      -1,1%

Fass Brent Öl USD     $115,89      -2,8%

Kupfer in US$/to        8.243      -0,5%

Baltic Dry Shipping I   1.157       0,8%

 

 

Es gab diese Woche unterm’ Strich keine heftigen Schwankungen.

Doch der Schein trügt, denn nach den ereignisreichen Wochen mit

jeder Mange Jahres- und Quartalszahlen bewegen sich einige

Aktien heftig nach unten und andere heftig nach oben. Die

positiven Unternehmensmeldungen überwiegen, werden jedoch von

wieder aufkommenden Euro-Sorgen überschattet.

 

„Sell in may and go away“, heißt es in den USA - verkaufe im

Mai und kehre der Börse bis September den Rücken. Doch das

haben viele Marktteilnehmer bereits im April gemacht, in

vorauseilendem Gehorsam und dadurch insbesondere den DAX

kräftig belastet.

 

Aktuell bewegen sich die Aktienindizes in einer engen

Handelsspanne seitwärts, und ich würde ein Ausbrechen abwarten,

bevor ich mich neu positioniere.

 

Weitere Details dazu lesen Sie in Kapitel 04 in der

charttechnischen Monatsbetrachtung.

 

Schauen wir einmal, wie sich die Stimmung unter Anlegern und

Analysten entwickelt:

 

 

SENTIMENTDATEN ÜBERRASCHEND BULLISCH

 

Analysten

Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

 

Kaufen / Verkaufen

13.04.- 20.04. ( 94): 52% /  6%

20.04.- 27.04. (276): 46% / 15%

27.04.- 04.05. (198): 46% / 13%

 

Kaufempfehlungen der Analysten

BASF, Amazon, Daimler

 

Verkaufsempfehlungen der Analysten

Vestas Wind, Vossloh, SGL Carbon

 

Privatanleger

16. KW: 63% Bullen (192 Stimmen)

17. KW: 55% Bullen (171 Stimmen)

18. KW: 65% Bullen (166 Stimmen)

 

Kaufempfehlungen der Privatanleger

Green Mountain Coffee, Alcatel-Lucent, Vivendi

 

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger

Deutsche Bank, Research in Motion, Belvedere S.A.

 

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise

erstellt:

http://www.sharewise.com?heibel

 

 

Bei den Privatanlegern schwankt die Stimmung stark. Es kommt

mir vor, als klingt im Wochenrhythmus die Alarmsirene

abwechselnd mit der Entwarnung. Nach den Kursgewinnen das

Jahresbeginns ist die Zuversicht gestiegen, doch gleichzeitig

steigt auch die Angst, die erzielten Gewinne zu verlieren.

 

 

TOP ANALYSTENZIELE

 

Sie wollen wissen, was die Analysten im Einzelnen für Aussagen

treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie

ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den

höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach

an, wo das aktuelle Kursziel des Analysten prozentual am

meisten über dem aktuellen Kurs liegt:

 

Firma   Analyse vom   Kurs   Ziel  Upside

ADIDAS    03.05.     46,80€ 80,00€ 70,94%

DEUTZ     03.05.      4,96€  8,00€ 61,29%

LUFTHANSA 04.05.      9,62€ 15,50€ 61,12%

Grammer   03.05.     15,86€ 25,00€ 57,63%

HOCHTIEF  03.05.     42,69€ 67,00€ 56,95%

DAIMLER   02.05.     40,20€ 63,00€ 56,72%

PORSCHE   02.05.     46,08€ 71,00€ 54,08%

LANXESS   02.05.     58,50€ 90,00€ 53,85%

METRO     04.05.     23,15€ 35,00€ 51,19%

 

 

 

Es handelt sich um Analysen aus dieser Woche. Bitte genießen

Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig

auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille

sorgen kann, weshalb Analysteneinschätzungen tendenziell

optimistischer ausfallen als es die Realität anschließend

erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber,

wo die Erwartungen mit dem aktuellen Kurs am weitesten

auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst

oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall

individuell zu beurteilen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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