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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 10.09.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 10.09.2015:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Europäische Flughafenbetreiber im Konjunkturaufwind

Die Entwicklung des Flugverkehrs ist stark mit der wirtschaftlichen Entwicklung verwoben. Da es in Europa nach den Krisen der vergangenen Jahre nun aber langsam wieder aufwärts geht, dürfte sich das auch positiv in den Umsätzen und Gewinnen der europäischen Flughafenbetreiber niederschlagen. Welcher der Anbieter am meisten profitieren wird, hängt nicht vom Wachstum des Passagieraufkommens ab, denn das dürfte sich von kurzfristigen Schwankungen abgesehen, bei allen Wettbewerbern in etwa gleich entwickeln. Dennoch gibt es große Unterschiede, die auf die voneinander abweichenden Geschäftsmodelle zurückzuführen sind. Generell benachteiligt sind Betreiber, die überdurchschnittlich vom klassischen Flugbetrieb abhängig sind. Dieser ist fast überall aufgrund von Lärm- und Umweltschutzgründen stark reglementiert, so dass hier kaum noch echtes Wachstum zu bewerkstelligen ist.

• AENA (A12 D3A; 100,06 €) ist solch ein negatives Beispiel. Das Unternehmen ist erst im Februar 2015 im Rahmen einer Teilprivatisierung an die Börse gebracht worden, allerdings bleibt der spanische Staat mit 51 % auch weiterhin Mehrheitsaktionär. Aena ist überdurchschnittlich stark vom Flugbetrieb abhängig, mit dem 65 % des EBITDAs generiert werden. Zudem hinkt das Unternehmen wegen des hohen Anteils der Billigfl ieger beim Einzelhandelsumsatz je Passagier hinter den anderen europäischen Wettbewerbern hinterher. Zudem wird nur 7 % des Passagieraufkommens von außereuropäischen Reisenden gestellt, so dass Aena z. B. so gut wie gar nicht von den besonders konsumfreudigen Asiaten profi tieren kann. Deshalb hilft es wenig, dass für Aena für die kommenden Jahre im Vergleich zum europäischen Wettbewerb ein überdurchschnittlich steigendes Passagieraufkommen prognostiziert wird. Last but not least gibt es mit den im September anstehenden Parlamentswahlen einen Unsicherheitsfaktor bezüglich zukünftiger Regulierungsmaßnahmen. Last but not least ist Aena mit einem KGV von 20 bereits recht gut bezahlt. Fazit: Die Aktie ist bestenfalls eine Halteposition.

• Etwas besser steht AÉROPORTS DE PARIS (A0J 2WM; 100,94 €) da. Das Unternehmen profitierte zuletzt von dem erfreulichen Wachstum auf den beiden wichtigen Flughäfen Charles de Gaulle und Orly. Zudem hat sich die Beteiligung am türkischen Flughafenbetreiber TAV gelohnt, und das trotz der dramatischen Abwertung der türkischen Lira. Negativ hingegen ist, dass 2021 die Konzession für den Betrieb des Istanbuler Atatürk-Flughafens ausläuft, was das zukünftige Wachstumspotenzial deutlich bremsen dürfte. Darüber hinaus ist man in Paris stark von Air France abhängig. Die Airline hat jedoch angekündigt, die Kapazitäten im Winter deutlich zu reduzieren, wobei auch darüber hinausgehende Kürzungen möglich sind. Auch die Aktie von AdP ist mit einem KGV von knapp 22 recht gut bezahlt. Die Prämie im Vergleich zu Aena ist jedoch gerechtfertigt, denn der klassische Flugbetrieb steuert lediglich 33 % zum EBIT bei. Fazit: Aéroports des Paris ist ebenfalls eine Halteposition.

• Auch bei FLUGHAFEN ZÜRICH (864 151; 712 CHF) beträgt der Gewinnanteil des Flugbetriebs nur rund ein Drittel. Und das, obwohl ca. zwei Drittel des Umsatzes vom Fluggeschäft gespeist werden. Sehr viel wichtiger für die Gewinnentwicklung sind nämlich die Vergabe von Konzessionen für Restaurants, Einzelhandels- oder Duty-Free-Geschäftes sowie die Liegenschaftsund Parkplatzbewirtschaftung. Zudem wächst Flughafen Zürich besonders dynamisch im Nichtfluggeschäft. Das Passagierwachstum ist eher unterdurchschnittlich, wobei aber insbesondere die Anzahl der Lokalpassagiere überproportional wächst. Lokalpassagiere geben vor dem Abflug erfahrungsgemäß deutlich mehr Geld in den fl ughafeneigenen Cafés, Snackbars und Shops aus als das Transitpassagiere tun. Deutliches Wachstumspotenzial erwächst auch aus dem Immobilienprojekt „The Circle“, einem Geschäftsviertel in Laufweite zu den Terminals. Ab 2016 wird der Gebäudekomplex sichtbar Gestalt annehmen. Obwohl die Inbetriebnahme erst für Ende 2018 vorgesehen ist, ist bereits jetzt schon die Hälfte der Fläche vermietet.

Die Halbjahreszahlen 2015 konnten dagegen nicht wie gewohnt begeistern, was jedoch die Ursache in Sondereffekten hatte. Zwar konnte man 35 Mio. CHF Gewinn aus einem Grundstücksgeschäft verbuchen, künftige Schallschutzmaßnahmen am Flughafen Kloten erfordern aber einen Mehraufwand von 100 Mio. CHF. Infolgedessen halbierte sich der Gewinn auf 40,3 Mio. CHF. Zukünftig muss man aufgrund eines beigelegten, lange schwelenden Gebührenstreits mit einigen Fluglinien auf Einnahmen in Höhe von rund 40 Mio. CHF p. a. verzichten. Dennoch sah man sich veranlasst, die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr leicht anzuheben. Trotzdem gab der Kurs zuletzt um rund 10 % nach. Fazit: Auf dem aktuellen Kursniveau ist Flughafen Zürich nun wieder ein Kauf.

• FRAPORT (577 330; 54,38 €) hat es in den letzten drei Jahren nicht leicht gehabt. So hat die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze auf dem neuen Flugsteig A-Plus in Frankfurt nicht die hohen Erwartungen erfüllen können. Zudem gab es bei den Passagierkontrollen immer wieder organisatorische Probleme. Last but not least ist man, insbesondere wegen der Beteiligung am Flughafen im türkischen Antalya, mehr als die anderen europäischen Wettbewerber abhängig von russischen Flugpassagieren. Das Schlimmste dürfte aber bezüglich dieser Punkte überstanden sein. Die Einzelhandelsumsätze am Terminal 1 legen seit dem 1. Quartal dieses Jahres wieder zu. In Antalya dürften die Passagierzahlen ab 2016 wieder zulegen. Die bisherigen Probleme sind mittels eines Bewertungsabschlages von 15 % bis 25 % zur europäischen Konkurrenz eingepreist. DAS KGV von 18 liegt deutlich unter dem Branchendurchschnitt. Zudem ist laut einer Studie von Société Générale die bis 2017 prognostizierte EBITDA-Wachstumsrate mit durchschnittlich 7,3 % p. a. deutlich höher als die von AdP und Aena (jeweils 5,1 %).

Fazit: Das Kurspotenzial ist bei Fraport am größten. Société Générale traut der Aktie einen Kurs von 74 € zu, was ausgehend vom jetzigen Niveau einem Aufwärtspotenzial von knapp 40 % entspricht. Auch Commerzbank, Warburg, Independent Research und DZ Bank empfehlen das Papier zum Kauf. Anleger, die mindestens 12 Monate Zeit haben, können jetzt einsteigen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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