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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 06.05.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 06.05.2011:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Ende der Silberpreisspekulation

Glauben Sie noch an eine Preisbildung über die Börse, die realwirtschaftliche Verhältnisse widerspiegelt? Ich nicht. Ich werde Ihnen zeigen, dass die Kurskapriolen dieser Woche durch Spekulanten verursacht wurden, durch High-Frequency-Trading und Daytrading, die nach Beteuerung des Bankensektors doch die notwendige Liquidität zu Verfügung stellen, um heftige Kursschwankungen zu vermeiden. Es wird Zeit, dass dieser Bereich des Marktes neu reguliert wird.

Am Montag erhöhte die US-Rohstoffbörse COMEX die Hinterlegungspflicht für einen Silberkontrakt (=5.000 Unzen

Silber) von 11.745 USD auf 12.825 USD und am Mittwoch nochmals auf 14.513 USD. Um also an der COMEX 5.000 Unzen Silber im Wert von 34x5.000= 170.000 USD zu kaufen, müssen Sie nicht einmal ein Zehntel der Summe aufbringen.

Die Hinterlegungspflicht heißt „Margin“, und wenn mehr Margin hinterlegt werden muss, dann rufen die Broker ihre Kunden an und weisen darauf hin. Ein sogenannter Margin-Call. Wer nun noch irgendwo Geld auftreiben kann, der ist aus dem Schneider.

Wer nicht, der muss seine „Kontrakte“ verkaufen. Und wenn er es nicht selbst tut, dann macht es der Broker „unlimitiert“.

So kommen am Ende dieses Prozesses eine Flut von unlimitierten Silberkontrakten auf den Markt, die je nach vorliegenden Kaufaufträgen bedient werden. Doch so schnell, wie die Broker nach Ablauf der gesetzten Fristen die unlimitierten Verkaufsaufträge einstellen, so schnell kann sich kaum eine ordentliche Nachfrage bilden und so bricht der Kurs ein.

Stand die Unze Silber vor einer Woche noch bei 50 USD/Oz, so steht der Silberpreis mit 34 USD/Oz heute, also nur fünf Tage später, 32% niedriger.

Der Fehler im System ist wieder einmal das fehlende realwirtschaftliche Interesse der Silberzocker. Futures, also Silberkontrakte, sind dazu gedacht, einen Silberbedarf der Zukunft zu heutigen Preisen abzusichern, um von Preisschwankungen unabhängig zu sein. Wenn jemand also im Herbst 5.000 Unzen Silber benötigt, dann kann er heute für einen relativ geringen Betrag , nämlich die 14.513 USD/Oz plus Kontraktpreis, den aktuellen Silberpreis einbuchen. Steigt das Silber, so kann ihm das nun egal sein. Wird die Hinterlegungspflicht erhöht, so wird er, ohne mit der Wimper zu zucken, ein paar Tausend der im Herbst ohnehin fälligen 170.000 USD mehr hinterlegen.

Zum Segen der Liquidität, und Börsen verdienen je Transaktion, nicht etwa am Erfolg der Marktteilnehmer, wurden Silberfutures von dem realwirtschaftlichen Interesse der Teilnehmer abgekoppelt. Spekulanten verfügen über „moderne Hilfsmittel“ wie ein ausgefeiltes Moneymanagement ihrer Anlagesummen, und zur Gewinnmaximierung wird natürlich mit dem maximal möglichen Betrag gezockt. Wenn jemand also 25.000 USD sein eigenes Vermögen nennt, sein schwer erarbeiteter Spargroschen, dann kauft er sich zwei Silberkontrakte. So ist der Gewinn am größten, wenn der Silberpreis steigt. Und in den vergangenen Monaten hat der Silberpreis nichts anderes getan.

Doch die Erhöhung der erforderlichen Hinterlegungspflicht wirft einen solchen Spekulanten sofort aus der Bahn.

Der Segen der hohen Liquidität, wie es von den Börsen weltweit immer propagiert wird, ist also in meinen Augen eher ein Fluch.

Es ist ähnlich den ungedeckten Leerverkäufen, wo ebenfalls der Zockerei ohne einem Interesse an dem zugrunde liegenden Wert Tür und Tor geöffnet wird.

Während ich diese Zeilen schrieb, ist der Silberpreis weiter auf 33,45 USD/Oz gerutscht. Sie können buchstäblich die Schmerzen der Spekulanten fühlen, wenn Sie diesen Kursrutsch beobachten.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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