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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 08.07.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.07.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Die Zeit nach dem Grexit

Ich habe soeben die Abschlusskommentare aus dem Europaparlament  gehört. Die Rede von Tsipras war voll von Belehrungen für die  Eurogruppe und voll von Polemik. Er habe keinen Plan, auch  keinen geheimen, wie es weitergehen solle. Abschließend sagte  er, dass ein alter griechischer Philosoph einmal empfohlen  habe, Regeln in Ausnahmesituationen zu brechen. 

Grexit akzeptiert

Die Rede von Junker war voll von Richtigstellungen über Inhalte 
der geheimen Verhandlungen. 

Und die Rede von Ratspräsident Tusk enthielt den Hinweis, dass 
man Hilfe doch am besten von seinem Freund und nicht Feind 
holen solle, ein Hinweis auf die Reise Tsipras nach Russland, 
und dass man seinen Freund doch nicht anfeinden und blosstellen 
solle. 

Das sind in meinen Ohren Reden von Menschen gewesen, die sich 
mit dem Grexit abgefunden haben. Schuldzuweisungen, 
pholosophische Rechtfertigungen für das eigene, gescheiterte 
Verhalten und kein einziger Hinweis auf die nächsten Schritte, 
auf den guten Willen und kein Lob mehr für den 
Verhandlungspartner. So findet man keine Lösung, so versucht 
man es nicht einmal. 
 

 

Gedankenfrist gesetzt

Die heute formulierte siebenundneuzigste Deadline am kommenden 
Sonntag ist also eine Gnadenfrist für Griechenland und 
Euroland, sich auf den Grexit vorzubereiten. Das Rote Kreuz hat 
seine Hilfsmaschinerie angeworfen. 

Die Presse stellt immer wieder neue Halme vor, an denen sich 
die Verhandlungspartner festhalten würden, doch ich habe 
inzwischen den Eindruck, dass es Halme der Presse sind, die den 
Grexit einfach nicht wahrhaben wollen. 
 

Keine Lösung in Sicht?


Schon heute früh hatte ich den Eindruck, dass es keine Lösung 
geben kann: Die Eurogruppe hat Griechenland gebeten, doch nun 
selbst einmal zu formulieren, wie die Hilfe aussehen könnte, 
die sie sich von der EU wünscht. Wder der neue Finanzminister, 
noch Alexis Tsipras haben diesem Wunsch folgend auch nur 
ansatzweise einen Lösungsweg aufgezeigt, der zielführend sein 
könnte, also nicht gegen diverse Regeln der EU verstößt (no 
bailout, Eigenverantwortung). 

Und auch aus einer noch anderen Perspektive sieht Francois 
Holland mit seiner Aussage, Griechenland auf jeden Fall im Euro 
zu halten, ziemlich isoliert aus. Zum einen gibt es diverse 
Länder in der Eurozone, die mit den vermeintlich drakonischen 
Reformauflagen der EU gut gefahren sind. Diese werden nun nicht 
akzeptieren, dass Griechenland weiteres Geld erhält, ohne 
reformen umsetzen zu müssen. 

Zum anderen gibt es in der EU Länder deren Bürger noch ärmer 
sind als die Griechen. Auch dort wird man der griechischen 
Forderung niemals zustimmen, Schulden zu erlassen, ohne 
Gegenleistungen zu erbringen. 
 

Euro - Vergangenheit für Griechenland


Der Drops ist gelutscht: Griechenland wird den Euro abgeben. Ob 
die Drachme oder der Rubel kommt, weiß ich nicht. 

Ich gehe davon aus, dass die Börse diesen Schritt mit 
Kursgewinnen feiern würde, wenn da nicht noch ein anderes 
Problem wäre: China. 

Vor dem ganzen Griechenland-Trubel sind die dramatischen 
Kursverluste Chinas bislang gar nicht ans Licht gekommen. 30% 
hat der chinesische Aktienindex bereits in den vergangenen 
Wochen verloren, der Ausverkauf hat sich letzte Nacht nochmals 
beschleunigt. 
 

Ausverkauf


Damit kommt der Ausverkauf in eine Region, die 
realiwirtschaftliche Auswirkungen haben kann. Sprich: Der Crash 
am Aktienmarkt friert in China einige Bereiche der Wirtschaft 
ein, die mehrfach gesenkte Wachstumsprognose von 7% in China 
gerät in Gefahr. Vielleicht geht das Wachstum noch stärker 
zurück. 

Daher ist der Ölpreis gestern eingebrochen. Und daher kommt der 
DAX meiner Ansicht nach heute nicht so recht nach vorne, obwohl 
sich das Grexit-Szenario klar abzeichnet. 

Die Entwicklung in China ist eine viel größere Gefahr als die 
Folgen des Grexit. In den kommenden Tagen werden Sie sicherlich 
bemerken, wie die Berichterstattung langsam zu diesem Thema 
schwenkt. 

Auf dem DAX-Niveau von 10.670 Punkte liegt einmal mehr eine 
wichtige Unterstützung. Ob diese Unterstützung hält oder nicht 
hängt in meinen Augen nun von den Entwicklungen in China ab, 
nicht mehr von Griechenland. Behalten Sie die von mir 
ausgegebenen Nachkauflimits vom Update am Montag im Auge und 
stocken Sie Ihre Positionen gegebenenfalls auf. Dennoch müssen 
wir erneut ein wenig Pulver trocken halten bis wir wissen, wie 
sich die Situation in China weiterentwickelt. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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