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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 21.01.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 21.01.2010:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Die US-Treasuries bleiben wichtigstes underlying unserer Short-Spekulationen

Denn: 1,4 Bio Dollar werden die USA in den nächsten Jahren zusätzlich (!!!) per annum zu refinanzieren haben.

Das ist der Preis der Rettungspakete. Dabei wird dasTARP Programm zur Eigenkapitalausstattung der Banken, wie es derzeit aussieht, zu einem positiven Ergebnis führen. Das heißt, der Staat wird an den Zinsen sogar noch verdient haben. Die spannende Komponente an diesen Zahlen ist die Nachfrage. Die 1,4 Bio. Dollar (entsprechen immer- hin sieben Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung) werden international aufgebracht werden. Wahr- scheinlich über höhere Kupons als bisher. Wenn dieses Geld aber dem amerikanischen Staat zur Verfügung gestellt wird, wird es nicht in der Realwirtschaft investiert. Diese Ausgaben fehlen beim Wachstum und sind somit eine latente Bremse im Aufschwung. Noch trifft das Schatzamt auf dankbare Abnehmer für ihre Schuldtitel: Die Blase am Bondmarkt hat sich weiter aufgepumpt. Im letzten Jahr hat sich die Flucht- bewegung in die Staatsanleihen trotz starker Performance an den Aktienmärkten noch ein- mal beschleunigt. Die Zuflüsse sind vergleich- bar mit dem Hype am Neuen Markt zur Jahr- tausendwende oder dem Immobilienmarkt 2007.DieFolgenwerdendiegleichensein,mit einem entsprechenden Kollaps. Wir hatten in den letzten Wochen Short-Spekulationen auf den T.- Bond schon erfolgreich vollzogen und werden in den nächsten Monaten immer mal wieder neueVorschlägeanbieten.DasTimingbleibtna- türlich eine Herausforderung. Starke Gegenbe- wegungen wie in den letzten eineinhalb Wochen werden diesenTrend noch sehr häufig unterbre- chen. Wenn der Allianz-Finanzvorstand Achleitner in diesem Zusammenhang ankündigt, die Bondposition noch weiter auszubauen, hat dies natürlich Signalwirkung für die Branche. Die Nachfrage schlägt Kapriolen. Während wir um die Jah- reswende noch Rekordtiefs im Verhältnis der Gebote zu den vom US-Schatzamt angebotenenTendern sahen, wurden in der letzten Woche auf einmal 17 % des Angebots von Direkt- investoren abgenommen. Das ist ein sehr seltenes Ereig- nis. Normalerweise bedienen sich die Investoren immer der primary dealer banks als Vermittler und Finanzintermediär. Was ist da vorgefallen? Darüber kann nur spekuliert wer- den.Wer sich direkt an das Schatzamt wendet, umTreasuries zu kaufen, hält seine Identität gegenüber den Händlern in den Banken geheim. Wer könnte dahinter stecken. Wie wir von Händlern hören, werden hinter vorgehaltener Hand staat- liche Stellen hinter dem Deal gesehen. Warum? Derzeit liegt die Rendite der 30jährigen Staatsanleihen bei 2,58 %. Der Durchschnitt der letzten dreißig Jahre betrug aber (über alle Laufzeiten)7,25%.GemäßGerryJentkinsvonEvolutionSecuritieswürdeeineRückkehraufdasDurchschnitts- niveau der letzten Jahre die Regierung 170 Mrd. Dollar zusätzlich jährlich kosten (die FED kann bekanntermaßen die Zinsen am kurzen Ende bestimmen, am langen Ende aber nur durch Käufe versuchen zu beeinflussen. Diese Politik des „quantitative easing“ soll dem Bekunden nach aber ausgelaufen sein). Eine Rückkehr auf den Durchschnitt der letzten zehn Jahre (5,29 %) würde 75 Mrd. Dollar pro Jahr zusätz- lich kosten. Das ist natürlich für Finanzminister Geithner kein Grund zur Freude. Interessant: Die Zinsdifferenz zwi- schen den 2- und den 30jährigen Renditen liegt gegenwär- tig auf einem All-Time-High bei 375 Prozentpunkten. Was liegt also näher, als die Renditen der langlaufenden Bonds zu drücken? Zum Beispiel über einen Swap der kurzfristi- gen Verschuldung und langfristigen Anlage. Tatsächlich hat in den letzten Wochen die Emission von kürzerlaufenden Bonds zu- und das Volumen bei den längerlaufenden Treasuries abgenommen. Entsprechend ist es klug, bei der Short-Spekulation hier dem Schatzamt in den Laufzei- ten zu folgen. Derzeit sind solche Spekulationen nur über den CFD-Markt darstellbar. Wir bemühen uns aber um an- derweitige Derivate. Wichtig für Sie: Die Märkte bitte differenziert betrachten. Wir hatten von den Aussagen des Pimco-Guru Gross berichtet, der sich im großen Umfang von US-Treasuries getrennt hat. Das bedeutet aber nicht eine synchrone, homogene Bewegung über die Weltbondmärkte. Betroffen sind vor allem die Staa- ten mit einer hohen Staatsverschuldung und entsprechen- dem Refinanzierungsbedarf. Konkret sind die britischen Gilts oder der japanische JGB Future, wie wir aus London hö- ren, als Ziel größerer Attacken ausgemacht. Wir werden diese in den nächsten Wochen begleiten. Desgleichen sind auch die einzelnen Bond-Klassen nicht in einenTopf zu wer- fen. Im Hochzinsbereich sind auch auf der Long-Seite noch ausgezeichnete Renditen möglich, wie der Chart zeigt. Wir werden dieseTendenz nicht nutzen, da sie zu instabil wirkt. Der Aktienmarkt wird unter einer Zinsversteifung nicht zu leiden haben. Wir schreiben das hier so ausdrücklich, weil bestimmte Börsenweisheiten, so plausibel sie sich in derTheorie auch begründen lassen, dem Praxistest noch nie standgehalten haben. In diesen Briefen haben wir schon ausführlich Statistiken kommuniziert, die das Gegenteil be- weisen, nämlich, daß in Zeiten anziehender Renditen die Börse in der Regel boomt. In diesen Wochen hat die Credit Suisse diese Daten noch einmal graphisch aufbereitet. Wor- an liegt das? Wieso stört ein steigendes Zinsniveau den Aktienmarkt nicht? Steigende Zinsen sind in der Regel eine Begleiterscheinung einer wirtschaftlichen Erholung. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, von welchem Niveau sich diese Erholung vollzieht. Diese Erholung überlagert den Effekt gestiegener Refinanzierungskosten. 2009 war zudem ein Rekordjahr bei den Bondemissionen. Das heißt, die Unternehmen verfügen über genug „Speck“ an den Rippen, die Finanzpolster sind ausreichend dick, so daß ein steigendes Zinsniveau an den Märkten nicht negativ durchschlägt. Im Gegenteil können sie ihre Verbindlichkeiten später billiger zurückkaufen und damit zusätzliche Erträge generieren. Jede Angst vor stei- genden Zinsen ist zumindest für den generellen Trend der Börse unerheblich. Einzelne Unternehmen können natürlich immer die Ausnahme der Regel bilden.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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