Die traumatisierenden Bilder aus Japan prägen die derzeitige Börsentendenz

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 17.03.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Mit einem Erdbeben von historischer Stärke, einem darauffolgenden Tsunami und der drohenden atomaren Verstrahlung durch beschädigte Kernkraftwerke wird das Land der aufgehenden Sonne derzeit von drei Katastrophen apokalyptischen Ausmaßes heimgesucht. Am schwerwiegendsten ist dabei sicherlich die Gefahr der atomaren Verseuchung, denn diese ist in ihren Konsequenzen bisher kaum einzuschätzen. Eines steht fest:


 

Das verheerende Erdbeben und auch der nachfolgende Tsunami hätte von den Japaner gestemmt werden können, auch wenn die Zerstörung der Infrastruktur enorm ist und viele Tausende von Toten zu beklagen sind. Bereits bei vergangenen Naturkatastrophen hat das japanische Volk das eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie z. B. 1995 nach dem Erdbeben in Kobe. Bereits nach einem halben Jahr hatte sich die Lage wieder so verbessert, dass die japanische Wirtschaft auf ihren Wachstumspfad zurückkehren konnte.

Die Gefahr atomarer Verstrahlung macht dieses Mal aber die Situation unkalkulierbar.

Das konnte man zu Beginn dieser Woche an den Aktienindizes ablesen wie an einem Geigerzähler: Je mehr die Lage in dem Atomkraftwerkt Fukushima 1 außer Kontrolle geriet, desto dynamischer ging es mit den Kursen abwärts.

Eine von Psychologie getriebene Börse droht allerdings den Boden unter den Füßen zu verlieren. Um so wichtiger ist es, die ökonomischen Fakten nicht aus dem Blick zu verlieren, was unter dem Eindruck der schockierenden Bilder und Meldungen aus Japan zugegebenermaßen nicht leicht ist: Besonders vom Erdbeben und Tsunami betroffen ist die Küstenregion Tohoku im Nordosten des Landes, die allerdings gerade mal für 8 % des japanischen BIPs stehen. Obwohl Japan die weltweit drittgrößte Wirtschaftsmacht ist, trägt es lediglich 8,7 % zur globalen Wirtschaftsleistung bei. Auch die direkten Auswirkungen für Deutschland sind recht gering: Nippon rangiert auf der Liste der wichtigsten Handelspartner zwischen Platz 20 und 25.

Die Lage steht und fällt mit der Situation in den beschädigten Kernkraftwerken.

Sollte der Wind in ernsthaftem Ausmaß radioaktiven Fallout in die südlicheren Landesteile verfrachten, würde sich die Lage dramatisch zuspitzen: Millionen von Menschen müssten evakuiert werden, was in der Kürze der Zeit gar nicht zu bewerkstelligen wäre. Zudem hat die Region Kanto, zu der auch Tokio gehört, eine wirtschaftlich sehr viel größere Bedeutung, steht sie doch für 40 % des japanischen BIPs. Kann aber eine großräumige atomare Verstrahlung verhindert werden, wird Japan auch dieses Mal überraschend schnell wieder auf die Beine kommen. Der Wiederaufbau würde wie ein gigantisches Konjunkturprogramm wirken, das möglicherweise sogar die seit über 20 Jahren anhaltende Serie von Rezessionen und Deflationsphasen beenden könnte. 

 

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