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Veröffentlicht von Redaktion "PortfolioJournal" am 16.07.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 16.07.2010:

Börsenbrief PortfolioJournal
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Die Sonne scheint für die Anderen

Deutschland ächzt unter einer Hitzewelle, die Sonne sorgt für mediterranes Klima zwischen den Alpen, Nord- und Ostsee. Das sollte für Investoren, Besitzer und Hersteller von Photovoltaikanlagen eigentlich Hochkonjunktur bedeuten. Doch die jüngst beschlossene Senkung der Einspeisevergütungen trübt bei vielen die Stimmung – zu Unrecht. Die Probleme der milliardenschweren deutschen Solarbranche liegen woanders.

Wer bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika während der Spiele ganz genau hingeschaut hat, der kennt Yingli Solar. Das chinesische Unternehmen ist einer der größten Akteure auf dem weltweiten Photovoltaik-Markt. Bei der WM zeigte mit Yingli Solar das erste chinesische Unternehmen als Sponsor Flagge. Die deutsche Konkurrenz des Billig-Anbieters war nicht zu sehen. Kein Wunder, waren Solarworld & Co. doch an der Heimatfront gebunden. Die Bundesregierung hatte kurz vor dem WM-Finale einen für die Solarbranche heiklen Vorgang auf der Tagesordnung. Bislang nämlich erhielt jeder Betreiber von Photovoltaikanlagen garantierte 39 Cent pro gelieferter Kilowattstunde. Genau diese Einspeisevergütung, die deutlich über den marktüblichen 20 Cent pro KWh liegt, ist jetzt beschnitten worden. Bis zum 1.1.2012 soll die Förderung in vier Schritten um bis zu 50 Prozentpunkte gekürzt werden. Der Beschluss führte zu einer Allianz mit Seltenheitswert: Einträchtig verurteilten Unweltschutzverbände, Investoren, die Solar industr ie und Gewerkschaften den Kürzungsschritt. Dabei sind ihre Sorgen nicht in jedem Fall begründet. Die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder hatte das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2000 in Kraft treten lassen. Hierin ist geregelt, das die regenerativen Energien staatlich subventioniert werden, so lange sie nicht zu marktfähigen Preisen produziert werden können. Diese Subventionierung geschieht über die EEG-Umlage, die jeder Verbraucher zahlt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat errechnet, dass ein Durchschnittshaushalt bereits jetzt sieben Euro für Solarförderung zahlt. 2011 sollen es schon 14 Euro sein – Tendenz weiterhin steigend. Der jetzt beschlossene Kompromiss zu den Einschni t ten bei der Subventionierung soll nochmals Kosten von 138 Millionen Euro pro Jahr verursachen. „Hochgerechnet ist das ein Milliardenbetrag“, erklärte der Verbraucherschützer Holger Krawinkel gegenüber dem „Spiegel“. Bislang belaufen sich die kumulierten Ne t tokos t en nur für di e s e n Sektor nach einer Schätzung des Bundesumweltministeriums auf über 53 Milliarden Euro. Dabei spielen die deutschen Photovoltaikanlagen im Energiemix nur eine untergeordnete Rolle. Sie hatten 2009 einen Anteil von rund einem Prozent am Bruttostromverbrauch in der Bundesrepublik – dem weltweit größten Photovoltaikmarkt. Diese Aussichten sind für Verbraucher nicht gerade rosig, für Anleger und Teile der Branche hingegen schon. Der Solarmarkt ist weiterhin ein Wachstumsmarkt. Allein 2009 wurden Anlagen mit einer Kapazität von 3800 Megawatt installiert – bei einer Gesamtkapazität von 10.000 Megawatt. In den kommenden vier Jahren wird ein ähnliches Tempo erwartet. Der Wachstumstrend beschränkt sich nicht nur auf Deutschland, sondern erfasst mehr und mehr den gesamten Globus. Trotz Finanzund Wir tschaftskr ise setzte die Photovoltaikindustrie 2009 insgesamt rund 28 Milliarden Euro um und verzeichnete damit gegenüber dem Vorjahr ein Plus von acht Prozent. Weltweit wurden laut European Photovoltaic Industry Association (EPIA) mehr als sieben Gigawatt Leistung installiert, was einem Anstieg von knapp 15 Prozent entspr icht und die installierte Gesamtkapazität auf rund 23 Gigawatt erhöhte. Die jährlichen Steigerungsraten werden sich auch in Zukunft auf 15 bis 20 Prozent belaufen. Für dieses Jahr wird mit einem Zubau von mehr als acht Gigawatt gerechnet, für 2014 sind in einem moderaten Szenario rund 13,8 Gigawatt prognostiziert. Deutschland pendelt sich dabei auf konstant hohem Niveau ein, während andere Märkte wie die USA, Japan und China aufholen. Von diesem Wachstum werden deutsche Akteure aber nicht zwangsläufig profitieren, warnt die Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer aktuellen Studie. Nach Ansicht der Experten sind die deutschen Unternehmen, die oftmals gerade erst der Start-Up-Phase entwachsen sind, nicht auf die Herausforderungen der Zukunf t vorberei tet : „Auf Marktnormalität mit Nachfrageflauten und Überkapazitäten, wachsendem Wettbewerb und Preisdruck vor allem durch asiatische Anbieter sind die deutschen Solarunternehmen unzureichend ausger ichtet. Mit der Absatzverlagerung ins Ausland allein lässt sich ein Preisverfall von bis zu 20 Prozent nicht ausgleichen.“ Analysten der Landesbank Baden- Wür ttemberg (LBBW) malten zu Jahresbeginn gar den Teufel an die Wand: „Absenkungen im zweistelligen Prozentbereich bedeuten das Aus für den europäischen Produktionsstandort.“ Hies ige Unter nehmen würden „aus dem Rennen geschossen“. Die FAZ sieht die Schuld auch bei der Einspeisevergütung: „Die für die Verbraucher kaum sichtbare indirekte Förderung hat manchen Manager träge werden lassen.“ Carsten Körnig, GeschaÅNftsführer des Branchenverbandes BSW, gibt sich stellvertretend für die hiesige Industrie geläutert: „Um weiterhin eine hohe Nachfrage und den eigenen Marktanteil zu sichern, steht Deutschlands Solarindustrie nun vor der großen Herausforderung, die Kosten für die Produktion von Solarzellen und anderen Solarkomponenten noch schneller zu senken als in der Vergangenheit und gleichzeitig die Wirkungsgrade und Qualität der Produkte weiter zu steigern.“ Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Es tummeln sich zunehmend asiatische Wettbewerber auf dem Markt, die vor allem mit dem Preisargument punkten. Zudem ist zu erwarten, dass auch große asiatische Konzerne mitmischen wollen. Samsung hat erst kürzlich Investitionen in Höhe von vier Milliarden Dollar angekündigt. Jens Milnikel, Partner bei Oliver Wyman: „Photovoltaik wird immer mehr zu einem reifen Markt, in dem sich alles um Geschwindigkeit, Kostensenkung und Internationalität dreht. Darin sind speziell asiatische Wettbewerber sehr aggressiv. Im Gegensatz zu deutschen Unternehmen haben sie aber auch keine Altlasten aus der expansiven Start-up-Phase und sind das Geschäft strategischer angegangen.“ „Die institutionellen Investoren und Privatanleger glauben nicht mehr an die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Photovol t a ikunter nehmen“, fügt Minikel an. Von daher verwundert es nicht, dass viele Akteure nicht mehr in den Portfolios der zahlreichen Akt i enfonds zu den Theme n Erneuerbare Energien oder Klimawandel (z. B. DWS Zukunftsressourcen oder UniSector: Klimawandel) zu finden sind. Dort spielen Windkraft und Zulieferbranchen oftmals eine größere Rolle – verständlicherweise, denn die deutschen Solarunternehmen galten zeitweise als überbewertet und schneiden im Vergleich zum TecDax schlechter ab. Andererseits sind häufig ausländische Photovoltaikunternehmen wie Yingli Solar oder First Solar zu finden. Wer dem Trubel um die einzelnen Unternehmen nicht traut, kann direkt in einzelne Solaranlagen investieren. Erst Anfang des Monats legte das Hamburger Investmenthaus Nordcapital den geschlossenen Solarfonds 1 auf, der in einen Photovoltaik-Solarpark in Bayern investiert. Wenn die Zahlen des Unternehmens stimmen, dann wird schnell klar, warum Solar-Investitionen immer noch ein gutes Geschäft sind. Die Anlage hat eine Kapazität von 50 Megawatt und soll bei einem Investitionsvolumen von rund 150 Millionen Euro jährliche Erlöse von 17 Millionen Euro gener ieren. Für die nächsten 20 Jahre ist die Abnahme des Stroms für 31,94 Cent garantiert. Bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2029 wird ein Mittelzufluss von 240 Prozent angekündigt, was einer Rendite von rund sieben Prozent pro Jahr entsprechen würde. WealthCap hat erst kürzlich den Vertrieb seines ersten Solarfonds „Solar 1“ gestartet, der mit ähnlichen Daten lockt. Der Kreativität der Industrie sind keine Grenzen gesetzt. Das Emissionshaus DCM AG lancierte kürzlich den DCM Solarfonds 4. Hier sollen insgesamt rund 27,7 Millionen Euro in ausgewählte Photovoltaik-Anlagen auf Dächer n deut scher ALDI -Log i s t ikzent ren investiert werden. Teilweise bieten Stadtwerke auch Beteiligungen für Bürger an. Wer eine eigene Immobilie besitzt, kann sich hingegen eine Anlage aufs Dach montieren lassen. Die Preise sind im freien Fall, während der Wirkungsgrad der Solarzellen weiterhin ansteigt. Mehr Leistung zu einem geringeren Preis macht den Strom auf absehbare Zeit auch ohne Subventionen marktfähig. Der Branchenverband BSW rechnet damit, dass diese sogenannte Grid Parity bereits 2013 erreicht sein wird. Wenn die kommenden Sommer so werden wie dieser, wird das vielleicht sogar schon früher der Fall sein - Einspeisevergütung hin oder her.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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