Die sich anbahnenden politischen Turbulenzen in Griechenland und Italien er- schweren die Einschätzung der Marktlage ganz erheblich

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 09.11.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Bislang unterstellten die Kapitalmärkte ausreichende politische Stabilität, um die notwendigen Entscheidungen zur Beendigung der Eurokrise darzustellen. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Damit kommt eine frustrierende Komponente ins Kalkül, die sehr schwer einzuschätzen ist.


 

Die ursprüngliche Lösung wird sich nicht mehr umsetzen lassen. Hier ist die Gelegenheit verpasst worden. Ein „freiwilliger“ Verzicht der Banken erscheint angesichts der neuen Entwicklung unwahrscheinlich und die Skepsis der Märkte gegenüber Ländern wie Italien ist größer und nicht kleiner geworden. Damit bleibt die erhoffte Entspannung aus. Jeder neue Lösungsansatz wird es nun doppelt schwer haben, um von den Märkten Vorschusslorbeeren zu erhalten. Hinzu kommt:

Das Kapital kehrte letzte Woche in die sicheren Häfen zurück. Das ist sehr enttäuschend, weil das Kapital anfing, nach den deutlich steigenden Märkten im Oktober wieder in risikoreichere Papiere umzuschichten. Nun hat es sich wieder zurückgezogen und wird weiter gebunkert. Solange den Kapitalmärkten aber Kapital entzogen wird, ist eine nachhaltig positive Tendenz, die wir erwartet haben, nicht möglich.

Die Schieflagen einiger Investmentbanken macht ebenfalls Sorge. Kritisch wird deren Engagement in europäischen Staatsanleihen mit schwacher Bonität gesehen. Nachdem die erste US-Bank deswegen letzte Woche Insolvenz anmeldete, bauen nun alle anderen Institute vergleichbare Positionen im Portfolio drastisch ab. Das belastet die Kurse der spanischen und vor allem italienischen Anleihen und lässt deren Renditen in grenzwertige Höhen steigen. Genau auf den umgekehrten Effekt hatten Marktteilnehmer vor der letzten Woche spekuliert. Nämlich, dass Risikokapital in diese Märkte investiert und damit eine Entspannung herbeigeführt wird.

Der Gestaltungsspielraum für die gesamte Eurozone ist kleiner geworden. Alle schauen nun auf die nationalen Regierungen in Athen und Rom und müssen warten, welche Grundvoraussetzungen dort geschaffen werden. Löst sich der politische Konsens weiter auf, wird eine gemeinschaftliche Lösung immer unwahrscheinlicher. Außerdem würde sich dieser Prozess noch deutlicher hinauszögern. Immerhin:

Die Berichtssaison übertrifft die Erwartungen deutlich. In den USA haben inzwischen über 80 % der Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt. 70 % haben die Erwartungen übertroffen. Die Ausblicke sind nicht überschäumend, aber vorsichtig optimistisch. Technisch sieht der S&P 500 um Längen besser aus als der DAX. Die Advance-/Decline-Linie (Differenz aus der Anzahl von Aktien, deren Kurse gestiegen zu Aktien, deren Kurse gefallenen sind) notiert fast am Jahreshoch. Mit anderen Worten: Der jüngste Kursanstieg in den USA wird derzeit auf breiter Front getragen.

Fazit: Trotz des politischen Tohuwabohu Chancen in Einzeltiteln sind vorhanden.

Ein Beispiel sind die nordamerikanischen Pipelinebetreiber (s. Seite 6 und 7). 

 

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