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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 07.07.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 07.07.2016:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Die Rahmenbedingungen für die europäische Hotelbranche werden schwieriger

Nach zwei sehr guten Jahren flachen die Wachstumskurven nun ab oder in dem einen oder anderen Fall geht es sogar rückwärts. Sowohl Credit Suisse als auch Société Generale haben sich in aktuellen Studien der Branche gewidmet, kommen aber teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen.

So ist der Credit Suisse zufolge das Branchenwachstum ins Stocken geraten. Nachdem die so wichtige Kennziffer „Revpar“ (Revenue per available room) jahrelang im Steigen begriffen war, sind die Zuwächse vor allem seit 2014 deutlich geringer geworden bzw. es gibt in einigen Regionen sogar Rückgänge. Die schwächliche Entwicklung der Weltwirtschaft sowie die anhaltenden geopolitischen Risiken sind laut CS die Gründe für die fehlenden Impulse in der europäischen Hotelwirtschaft. Die Gewinne könnten dadurch unter Druck geraten.


Société Générale teilt generell die Einschätzung, sieht aber trotz der erschwerten Rahmenbedingungen Chancen. Generell erwarte SG eine Verlangsamung des Wachstums in Nordamerika sowie Großbritannien, aber auch eine Erholung in Europa, vor allem in Südeuropa. Frankreich ist nach den Terroranschlägen im Begriff sich zu erholen, auch wegen der Fußball-EM und der „Paris Motor Show“ im Oktober. Zudem rechnen die Analysten mit weiteren Übernahmen. Vor allem Interesse von chinesischen Unternehmen oder Investoren könnte sich als Wachstumstreiber erweisen.


Die französische Hotelkette ACCOR (860 206; 34,81 €) wird in den beiden Studien unterschiedlich eingeschätzt. Credit Suisse hat die Aktie auf „Underperform“ heruntergestuft. Accor werde nicht so stark wachsen wie bislang erwartet; die Terroranschläge in Paris machten sich weiterhin bemerkbar. Demnach leidet Accor besonders unter der Entwicklung in Frankreich, wo der RevPar seit Anfang des Jahres um 3 % gesunken ist, aber auch der Mittlere Osten (- 10 %) und Lateinamerika (- 2 %) belasten. CS hat deshalb das Kursziel von 40,60 € auf 36,30 € gesenkt, nicht zuletzt weil die Bewertung hoch ist: Accor wird mit einem Aufschlag von 31 % zur Vergleichsgruppe gehandelt. Dafür verantwortlich sind aber Spekulationen, wonach die chinesische Hotelgruppe Jin Jiang ihren Anteil von bislang 15,6 % auf 29 % aufstocken will. Société Générale hingegen stuft Accor unverändert mit „Kaufen“ ein und belässt das Kursziel bei 46 €. Dafür verantwortlich sind der erfolgte Umbau und der dynamische Anstieg der Onlinebuchungen. Zudem erwartet man im Gegensatz zur CS, dass Accor von der Fußball-EM profitiert. Der Ausblick für das zweite Halbjahr sei besser als für das erste Halbjahr.


Der INTERCONTINENTAL HOTELS GROUP (A2A GV4; 2.797 p) werden insgesamt gute Aussichten attestiert. Zur IHG gehören neben den gleichnamigen Häusern auch Hotels wie Crown Plaza oder Holiday Inn. Die Hotelgruppe vergibt größtenteils lediglich Markenrechte und managt Hotels, hat aber nur verhältnismäßig wenige eigene Häuser. Laut CS kann IHG dadurch mit ihrem Geschäftsmodell und der damit verbundenen schlanken Kostenstruktur punkten. Der Markt ignoriere zudem, dass 1,6 Mrd. $ für Marketing, Clubprogramme und Reservierungssysteme verfügbar sind. Zudem winken hohe Ausschüttungen. Dennoch hat man das Kursziel von 3.100 auf 3.000 pence gesenkt, worin sich niedrigere Schätzungen für den Umsatz je Zimmer und den Gewinn je Aktie widerspiegeln. Die Einschätzung bleibt jedoch bei „Outperform“. Société Générale hingegen sieht IHG lediglich als Halteposition mit einem Kursziel von 2.860 pence. Als Gründe werden die Abschwächung des US-Marktes und Chinas genannt. Zudem sei bereits eine Sonderdividende gezahlt worden.


Auch WHITBREAD (A0L GB1; 3.405 p) kann sich angesichts des schwieriger gewordenen Umfelds gut schlagen. Die britische Hotel- und Café-Kette dürfte mit Effizienzsteigerungen bei den Premier-Inn-Hotels punkten. Aber auch für die Café-Kette „Costa Coffee“ sind die Perspektiven laut Credit Suisse langfristig gut. Die Aktie stuft man mit „Outperform“ mit einem Kursziel von 4.220 pence ein. Société Générale ist dagegen skeptischer. Den Analysten missfällt zum einen die generell nachlassende Wachstumsdynamik in Großbritannien, zum anderen aber auch das sich abschwächende Wachstum bei den Premier-Inn-Hotels und bei Costa Coffee. Zudem könne Whitbread ganz besonders unter der Konkurrenz von Zimmervermittlern wie Airbnb leiden.


MELIÁ HOTELS (901 347; 9,65 €) ist einer der Favoriten. Société Générale stuft die Aktie der spanischen Hotelkette als Kauf mit einem Kursziel von 14 € ein. Das entspräche einem Kurspotenzial von satten 45 %. Der SG gefallen besonders gut die steigenden Investitionen, die zunehmende Verlagerung auf Resorts sowie eine generelle Erholung des spanischen Marktes. Spanische Reiseziele profitieren in diesem Jahr massiv von den drastisch eingebrochenen Buchungszahlen in der Türkei. Touristen, die wegen der Terroranschläge nicht mehr dorthin fahren möchten, buchen als Ersatz vor allem spanische Destinationen.


NH HOTELES (853 615; 3,75 €) kann nicht mehr in demselben Maße von den steigenden Buchungszahlen in Spanien profitieren. Laut SG hat die spanische Hotelkette die Erholung auf dem spanischen Markt und in Italien, aber auch die steigende EBITDA-Marge bereits weitestgehend eingepreist. Die Aktie ist laut den Analysten der SG angemessen bewertet.


Fazit: Meliá Hotels sollte die besten Chancen bieten. Intercontinental ist dagegen ein Standardwert in der europäischen Hotelbranche. Whitbread ist ebenfalls interessant, derzeit wegen des drohenden aber Brexits schwer einzuschätzen. Hier sollten nur risikofähige Anleger zugreifen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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