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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 14.01.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 14.01.2011:

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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Die Normalisierung im amerikanischen Zinsniveau ist ein Segen für die Welt

Gerade Emerging Markets waren in jüngerer Zeit strategisch geblockt: Die hohen Geldmengensteigerungen und die anziehenden Preise bei verschiedenen Vermögensklassen sprachen für eine restriktivere Geldpolitik mit höheren Leitzinsen. Doch genau das konnte eine Reihe von Notenbanken nicht tun. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus in den USA hätte Zinserhöhungen den Kapitalsog in Richtung Schwellenmärkte verstärkt. Je mehr Kapital ins Land strömt, desto größer wiederum das Risiko, dass sich ungewollte Bewertungsblasen und Überhitzungen in der Wirtschaft ergeben.

Damit wurden die Notenbanken zum Zaungast der eigenen Inflationsentwicklung. Derart gebundene Hände schafften eine offene Flanke für verschiedene Länder. Spekulatives Kapital ist scheu wie ein Reh und damit für die langfristige Entwicklung einer Volkswirtschaft keine kalkulierbare Größe. Jetzt kann man punktueller ansetzen und hat ein deutlich erweitertes Instrumentarium, das man auch nutzen wird. In einer Reihe von Märkten hat die Teuerung ein Niveau erreicht, wo der Fuß vom Gasauf das Bremspedal wechseln muss. Dies muss zwar noch nicht abrupt durchgedrückt werden, aber Fakt ist auch: Das Deflations-Gespenst ist in der Mottenkiste verschwunden. Stattdessen: Selbst in der behäbig wachsenden Eurozone ergab sich im Dezember eine Teuerung von 2,2 %, was damit oberhalb der Zielwertes der EZB liegt. Ohne das Debakel in den Peripherie-Ländern müsste die EZB eigentlich langsam an eine sanfte Bremsung denken. In vielen Emerging Markets ist die Teuerung indes noch kräftiger spürbar: Chinas Teuerung erreichte zuletzt 5,1 % (schnellster Preisanstieg seit 28 Monaten). In Indien lag die Inflation im November bei 7,5 %. In Brasilien ergab sich jüngst mit 5,91 % der stärkste Preisauftrieb seit 2004. Kurzfristig ergibt sich ein überzeichnetes Bild. Im vergangen Jahr machten Lebensmittelpreise global betrachtet einen Sprung um 27 %. Dies lag teilweise an der gestiegenen Nachfrage (z.B. in China und in Indien), aber auch an ungünstigen Witterungsbedingungen für Nahrungsmittelrohstoffe. Mit anderen Worten: Schon mit der nächsten Ernte kann die Welt ganz anders aussehen. Dennoch: Wenn die Notenbanken nicht reagieren, riskieren sie ihre Glaubwürdigkeit. Und damit letztlich auch die Kontrolle über die Inflationserwartungen im Markt. Allein China hat die Geldmenge seit Anfang 2009 um etwa die Hälfte erhöht und schafft es bisher nicht wirklich, den eigenen Bankensektor in der Kreditvergabe zu zügeln. Doch die Chinesen meinen es ernst. Die Mindestreservevorschriften für die Banken wurden im letzten Jahr sechsmal angehoben. Außerdem gab es allein im vierten Quartal zwei Zinserhöhungen. Zukünftig dürfte man Banken individuelle Reserveregelungen aufdrücken, um die Kreditvergabe zu zügeln. Letztlich wird man auch nicht umhinkommen, die künstliche Schwächung des Yuan zu beenden und die völlig überzogene Aufblähung der Devisenreserven auf zuletzt etwa 2,85 Billionen Dollar zu beenden. Andere Länder werden diesem Trend folgen. In der Summe spricht dies für eine gewisse Wachstumsberuhigung in einigen Märkten, der auf der anderen Seite eine höhere Dynamik in etablierten Märkten gegenübersteht. Das gleicht sich in etwa aus und bedeutet damit ein wichtiges Ausbalancieren in der globalen Wirtschaftsleistung und in der Struktur der internationalen Kapitalmärkte. Aus dem Krisenmodus wird der Normalmodus!

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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