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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 22.06.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 22.06.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Die Finanzmärkte in Asien gewinnen beträchtlich an Gewicht im globalen Wettbewerb um Kapital und Einfluss

Dies gilt in vielfältiger Weise und gehört damit zum Kontext, den man kennen sollte, um das Funktionieren der Kapitalmärkte mit seinen heutigen Einflussfaktoren zu erfassen und davon zu profitieren. Dass dies nicht nur theoretische Überlegungen sind, wird aufgezeigt durch den neuen Hunger chinesischer Firmen nach deutschen und europäischen Gesellschaften, in jüngerer Zeit beispielsweise durch die chinesische Lenovo, die sich den Elektronik-Vermarkter Medion einverleiben möchte.

 

Dies ist im bisherigen Jahresverlauf schon die siebte Übernahme durch Chinesen allein hier in Deutschland. Bisher waren es eher kleinere Transaktionen (Medion z.B. mit einem Volumen von etwa 600 Mio. €). Doch dürfte es lediglich eine Frage der Zeit sein, bis man auch größere Dispositionen wagt und zwar eher in Europa als in den USA, denn Europa wird als offener wahrgenommen als die USA. Schon im letzten Jahr hatten chinesische Unternehmen die Investitionen in der EU wenn auch von niedrigem Niveau aus knapp verdreifacht, während man in Japan 120 % mehr investierte und in den USA „nur“ um 81 % zulegte. Dies indes ist eher ein Vorfühlen der Chinesen, denn die Expansion ins Ausland erfolgt mit dem Segen und nach den Wünschen Pekings.

Die Finanzwelt wird multipolarer zu Lasten der „alten Welt“, zu der in diesem Fall auch die USA gehören. Gem. den Monatsstatistiken des Weltverbandes der Börsenbetreiber gab es seit Januar 2011 an der NYSE Euronext 27 Börsengänge. In Shanghai und Shenzhen allerdings war die Anzahl mit 113 grob viermal so hoch! Lag das Volumen der Börsengänge an US-Börsen vor zwei Jahren noch bei knapp 17 % des globalen Gesamtvolumens, so betrug der Anteil im ersten Quartal 2011 gerade noch 11,9 %. Der US-Anteil an der globalen Börsenkapitalisierung lag in der Dekade bis 2006 bei etwa 45,7 %, inzwischen sind es durch die Emanzipation neuer Märkte nur noch 32 %. Gemessen an der Auswahl der beliebtesten Börsenplätze rangieren gleich fünf Marktplätze aus Fernost. Ebenfalls sehr bemerkenswert ist die Entwicklung beim Ordervolumen: Gemessen an den elektronischen Orderbüchern hat der asiatisch-pazifische Raum inzwischen in etwa die doppelte Größe wie Europa, bei der Zahl der gehandelten Aktien hat man in etwa das dreifache Volumen wie Nordamerika! Jüngere Schlaglichter dieser Entwicklung sind die Börsengänge von Glencore, Samsonite und Prada, die als europäische Unternehmen auch das Listing in Asien anstrebten. Auch Coca-Cola dürfte demnächst Aktien in Shanghai begeben. Für westliche Unternehmen bieten sich mit den asiatischen Börsen also neue Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung über die Börse und später gegebenenfalls auch durch lokale Finanzhäuser.

Was Asien noch fehlt, sind große und gut funktionierende Anleihenmärkte. Asiatische Bondmärkte haben derzeit mit einem Volumen von etwa 5.000 Mrd. Dollar erst einen weltweiten Marktanteil von ca. 8 %. Doch je freier die lokalen Währungen (besonders der chinesische Renminbi) werden, umso größer dürfte dieser Anteil werden. Für die lokalen Währungshüter könnte es eine wichtige Entlastung bringen. Denn der große Fokus auf Asien und die entsprechenden Kapitalströme in Richtung von Emerging Markets bedeutet derzeit auch das Risiko, dass es zu Preisblasen (z.B. Immobilien) und Überhitzungen kommt sowie auch unerwünscht starken Aufwertungen der jeweiligen Währung, wenn dem nicht mit manipulativen Devisenmarktinterventionen begegnet wird. Inzwischen gibt es unverkennbar eine unerwünscht und teils auch brisant hohe Inflation, mindestens teilweise auch als Spiegelbild dieser Entwicklung. China kam für Mai auf eine Inflationsrate von 5,5 % (steilster Preisauftrieb seit knapp 3 Jahren), in Indien lag die Teuerung für Lebensmittel bei 9 %, bei Benzinpreisen sogar bei 12,8 %. Funktionierende Anleihenmärkte wären ein gutes Instrument, um überschüssiges Kapital zu absorbieren und wären für Anleger angesichts der vielfach sehr geringen Verschuldung (Indonesien z.B. mit gerade mal etwa 20 % des BIP) auch eine interessante Anlage. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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