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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 12.11.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 12.11.2009:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Die demographische Entwicklung Deutschlands verdient einen Platz auf der langfristigen Watchlist der Märkte

Kurz gefaßt läßt sich festhalten, daß die Deutschen schlichtweg falsch sparen. Die Sparquote erreichte in jüngerer Zeit 11,2 % des verfügbaren Einkommens, was die höchste Quote darstellt seit Beginn der 90er Jahre. Die beliebteste Geldanlage der Deutschen war - das Sparbuch! Hier liegt der Zins im Schnitt bei 0,5 %. Wer 10.000 € zu diesem Zinssatz für 30 Jahre anlegt, hat anschließend gerade mal einen Betrag von 11.614 €.

Mit etwa 62 % ist das Sparbuch an der Spitze der beliebtesten Anlageprodukt der Deutschen für die Altersvorsorge. Lebens- und Rentenversicherungen stehen für 60 %. Bausparverträge liegen bei 51 %, die eigene Immobilie hat einen Anteil von 50 %. Andererseits hat nur etwa jeder Fünfte Bundesbürger Aktienanlagen. Damit liegen Aktien fast am unteren Ende der Beliebtheitsskala.

Ein Grund für diese auch im internationalen Kontext niedrige Aktienquote liegt in der deutschen Mentalität mit einem ausgeprägten Sicherheitsbewußtsein. Mit 95 % hat die Sicherheit die höchste Anlagepriorität für die Deutschen. Die Rendite ist nur für 62 % der Privatanleger eine wichtige Determinante. Hierin dürften auch die Negativ-Erfahrungen mit Anlagen in Island (Kaupthing Bank) und auch kritische Erfahrungen mit Zertifikaten (Lehman Brothers) enthalten sein. Indikativ: Im Jahr 2008 wurden aus Aktien rd. 45 Mrd. € abgezogen. Andererseits explodierten die Einlagen bei Kreditinstituten um rd. 96 Mrd. €. Zwei Finanzkrisen innerhalb von nur 8 Jahren dürften die Nerven manchen Anlegers überstrapaziert haben. Doch auch die Veränderungen in der demographischen Struktur dürften ein Aspekt sein:

Damit eine Gesellschaft eine stabile Bevölkerungsentwicklung aufweist, ist eine Geburtenrate von etwa 2,1 Geburten pro Frau erforderlich. Statt dessen liegen die Werte in Frankreich, Großbritannien, Irland und bei den nordischen Ländern um 1,8 bis 2,0. Bei deutschsprachigen Ländern sowie auch in anderen Staaten von Mittel-, Ost- und Südeuropa sind eher Werte von 1,3 bis 1,5 angesagt. In Deutschland liegt die Geburtenquote pro Frau bei 1,38. Bezogen auf das Jahr 2008 ergaben sich pro 1.000 Einwohner in Deutschland gerade mal 8,2 Babys, was den niedrigsten Wert innerhalb der EU bedeutet. Auch in jedem anderen Land Europas ist die Geburtenrate zu gering, um den Status quo in der Bevölkerungszahl zu erhalten. Ein solcher Prozeß greift so tief ein, daß er als Trend kaum mehr mehr zu kippen ist. Insofern sollte man sich auf langfristig etwas modifizierte Rahmenbedingungen einstellen.

Im Alter steigt tendenziell das Sicherheitsbewußtsein im Anlageverhalten. Als grobe Daumenregel kann man festhalten: Je älter, desto höher auch der Anteil von Rentenanlagen und um so geringer der Aktienanteil. Außerdem geht ein höheres Lebensalter häufig mit veränderten Konsumgewohnheiten einher, was unter dem Strich ein moderateres Tempo in der jeweiligen Wachstumsentwicklung eines Landes bedeutet. Andererseits aber ist es mit der demographischen Perspektive für jüngere Arbeitnehmer um so wichtiger, Vorsorge zu treffen. Und hierfür ist die Aktie unverändert ein Schlüsselaspekt. Somit muß der Effekt für die Aktienmärkte nicht zwangsläufig negativ sein.

Fazit: Ebenso wie der Klimawandel und ähnliche Themen gehört auch die demographische Perspektive auf den langfristigen Radarschirm der Märkte. Denn dies tangiert nicht nur das typische Anlageverhalten, sondern auch die Konsumgewohnheiten und damit auch die innere Struktur der volkswirtschaftlichen Leistung.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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