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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 03.01.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.01.2014:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Die Börse: Optimismus trotz Hürden bewahrt

16,6% hat unser Portfolio im Jahr 2013 eingebracht. Wer hätte das gedacht, nachdem der DAX bereits im Vorjahr um 29,1% angesprungen war. Die Argumente der Zweifler waren niederschmetternd, als wir vor einem Jahr den Ausblick auf 2013 erstellten - dennoch hielt ich ein bullisches Szenario für wahrscheinlicher und konnte somit an der Rallye 2013 partizipieren.

Erinnern Sie sich noch an das Schreckensgespenst der wegfallenden Steuererleichterungen in den USA:

Da sich die Regierung nicht auf einen Modus der Fortführung der von Präsident Bush eingeführten Steuererleichterungen einigen konnte, fielen diese weg; erst im Frühjahr wurden ein paar Kompromiss-Erleichterungen wieder eingeführt. Die dadurch steigende Steuerlast werde die US-Wirtschaft in die Knie zwingen, so lautete die populäre Erwartung vor einem Jahr.

Oder die Fiskalklippe:

Regelmäßig muss die US-Regierung die Budgetobergrenze anheben. Geschieht dies nicht, so geht der Regierung das Geld aus, und weite Bereiche der Behörden müssen ihre Arbeit einstellen. Das Gezeter hielt bis in den Herbst an und sorgte letztlich tatsächlich für die Schließung vieler Behörden. Doch wider Erwarten stürzte dieser Vorgang die inzwischen robuste US-Wirtschaft nicht in eine Rezession, die Auswirkungen waren zwar spürbar aber gering. Inzwischen hat es einen Kompromiss gegeben, der uns über die nächsten Jahre hilft.

Dann haben wir den Kollaps des Bankensystems in Zypern erlebt, dessen Rettung mit einer Zwangsenteignung der Sparer einherging und den Rechtsstaat arg strapazierte; für viele wurde in Zypern eine rote Linie überschritten, die künftig alle Staaten Europas unberechenbar macht.

In Belgien rettete Peter Praet eine Bank ohne Zuhilfenahme von Steuergeldern ebenfalls durch eine Zwangsenteignung der Gläubiger gegen das geltende Recht. Herzlichen Glückwunsch, sagte die EU, und machte ihn zum Chefvolkswirten der EZB, dem zweitwichtigsten Mann der Notenbank.

Und so konnte die Einigung auf eine Abwicklung notleidender Banken in Europa nicht mehr überraschen:

Auch dort wurde nunmehr festgeschrieben, dass Einlagen von Sparern für die Rettung der Banken herangezogen werden können. Wer also mehr als 100.000 Euro als Bar- oder Festgeld bei einer Bank hat, der sollte sich künftig überlegen, eine zweite Bankverbindung einzugehen, denn darüber hinaus gehende Beträge können künftig zur Bankenrettung verwendet werden. Natürlich nur, um Steuerzahler zu schützen.

Dem Vertrauen in den europäischen, insbesondere deutschen Finanzmarkt tat dies keinen Abbruch: Der DAX wurde im Jahr 2013 insbesondere durch ausländische Investoren hochgetrieben. Und auch der Euro stieg an, da er im Vergleich zum US-Dollar noch immer als stabil gilt.

Die Schwellenländer, von denen die westliche Welt erwartet, unseren Konjunkturkarren aus dem Dreck zu ziehen, kämpften mit eigenen Problemen: China drosselte die Misswirtschaft in der Baubranche und riskierte damit einen Konjunktureinbruch. In Brasilien gingen die Menschen auf die Straße um gegen die sozial unverträgliche Verschwendung, man nennt es dort Investition, von Steuergeldern für die Fußball-WM und Olympiade zu demonstrieren. Kaum vorstellbar, dass die Aktienbörsen trotz dieser Entwicklung überhaupt ein Plus ausweisen konnten.

Der Ölpreis, der nach der "Übertreibung" über 100 USD/Fass irgendwann wieder auf 70-80 USD/Fass zurückgehen sollte, verharrte das ganze Jahr über 100 USD/Fass. Ein Niveau, das wider Erwarten die wirtschaftliche Erholung nicht vereiteln konnte.

Und dann war da noch der Zinsanstieg am langen Ende (das ist die Formulierung für die Rendite von Anleihen mit langer Laufzeit). In Deutschland ist die Umlaufrendite nach der Ankündigung des Taperings durch Ben Bernanke um 49% angesprungen. In den USA gar um 77%. Es gilt als vermeintlich "sicher", dass viele überschuldete Staaten bei steigenden langfristigen Zinsen die Grätsche machen, da sie die Zinslast nicht mehr werden tragen können. Davon ist jedoch bislang nichts zu sehen.

Steigende Zinsen wirken sich auch negativ auf andere Finanzierungen aus:

Immobilien und Autos. Doch auch dort sind bislang noch keine Spuren zu sehen, im Gegenteil: Immobilien gelten als eine der wenigen Alternativen zu Aktien und werden weiter gekauft. Und Autos unterlagen im Jahr 2013 einem günstigen Ersatz-Zyklus, der insbesondere in Europa und den USA für gute Absatzzahlen sorgte.

In den USA sorgte Obamacare, die Gesundheitsreform von Präsident Obama, für Chaos, aber wider Erwarten nicht für einen Kollaps der kleinen Unternehmen und somit eben auch nicht für einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Und in Deutschland sorgte die Ablösung der unternehmerfreundlichen schwarz-gelben Regierung durch eine schwarz-rote Regierung ebenfalls nicht für den Kollaps der Aktienbörse. Vielmehr erwartet man nun eine Patt-Situation der beiden großen Parteien in der Regierung, sodass keine großen politischen Umwälzungen zu befürchten sind. Der DAX quittierte dies mit neuen Allzeithochs.

2013 konnte der DAX um 25,5% zulegen

Wir haben mit unserem diversifizierten Portfolio 16,6% verdient, was ich für überaus erfolgreich halte. Viele Anleger haben das Jahr 2013 von der Seitenlinie aus beobachtet und somit dieses gute Jahr verpasst. Mit unserer Strategie, stets auch eine Absicherung in Form von Anleihen, Goldbarren sowie je nach Konjunktur auch nicht- und antizyklische Aktien zu halten, entgeht uns in diesen Boom-Jahren zwar ein wenig der DAX-Performance, dafür jedoch haben wir selbst die Krisenjahre 2007 bis 2009 ohne Verlust überstanden.

Diese Strategie lässt sich auch in den unterschiedlichen Bereichen unseres Portfolios ablesen: Mit dem Value-Bereich haben wir 2013 21% verdient. Mit dem spekulativen Bereich sogar 39%. Wer also ohne Netz und doppelten Boden mit dem Heibel-Ticker segelt, der konnte den DAX in diesem Jahr klar schlagen.

Im Value-Bereich haben wir besonders an Boeing (+51,5%) und Bechtle (24%) verdient. Kein einziger Wert hat uns einen Verlust oder Buchverlust beschert. Im spekulativen Bereich stechen Facebook (+91,1%) und die Commerzbank (+63,8%) hervor. Insbesondere Vale (-19,2%) und GSV Capital (-9,1%) haben unsere Nerven strapaziert.

Die "Versicherung" gegen Börsenturbulenzen hat uns im Jahr 2013 stolze 7,7% gekostet. Wenn Sie diesen Bereich also mit dem DAX vergleichen, dann hat uns die Versicherung um 7,7% + 25,5% = 33,2% gebremst. Insbesondere der Goldpreiseinbruch schmerzte in diesem Bereich, obwohl wir unsere Position direkt zum Jahresbeginn sowie nochmals im Oktober deutlich verkleinert haben.

Nochmals: Diese Positionen sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir selbst in den Crashjahren mit einem Plus im Portfolio abschließen konnten. Und wenn Sie die Liste an Problemen nochmals durchgehen, die wir zum Beginn des Jahres vor uns hatten (siehe oben), dann wäre es blauäugig gewesen, ohne Versicherung zu segeln.

Der vierte Bereich unseres Portfolios sind unsere Tradingideen

Eigentlich sollten hier kurzfristige Ereignisse für möglichst starke Kursbewegungen zum eigenen Vorteil genutzt werden. Doch in diesem Jahr lief hier so ziemlich alles schief, was ich mir ausgedacht habe: Ein Turbo-Bull Schein auf Apple ging um 21,8% gen Süden, mit Verbio gings um 16,4% abwärts. Lediglich bet-at-home, die wir schon aus dem Vorjahr in dieses Jahr mitnahmen, konnte mit einem Plus von 52,6% diesen Bereich erträglich machen. Ich komme zu dem Schluss, dass Ereignisse nicht zu Traden sind. Künftig werde ich in diesem Bereich stärker auf charttechnische Signale eingehen.

Unter'm Strich stehen also dieses Jahr 16,6%. Wie eingangs gesagt, halte ich das für ausgesprochen gut, da gerade in diesem Jahr aktiv gemanagte Vermögen den Großteil der Rallye an den internationalen Finanzmärkten verpasst haben.

Ich habe heute die Jahresperformance der wichtigsten Indizes angefügt. Vorsicht: Es handelt sich um die Jahresschlusskurse und nicht um die Kurse vom gestrigen Donnerstag.

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


Jahresgewinner ist mit +221,9% der Baltic Dry Verschiffungsindex, der den Preis für den Transport von Schüttgut wie Kohle oder Eisenerz über die Weltmeere anzeigt. Dieser Anstieg ist ein starker Indikator für ein Aufleben der chinesischen Wirtschaft, wo die meisten Rohstoffe hingeliefert werden.

Die Rendite der US-Staatsanleihe ist um 77% angestiegen, der Kurs dieser Anleihen also gesunken. Ähnlich verhält es sich mit der Umlaufrendite in Deutschland, die um 49% anstieg. Man hätte also Anleihen leerverkaufen müssen. Doch das hätte für uns bedeutet, ohne Versicherung zu segeln und kam daher nicht in Frage. Ich erwarte auch für 2014 eine Fortsetzung dieses Trends und schaue mich händeringend nach Alternativen um.

Der Nikkei konnte um 56,7% zulegen. Das relativiert sich, wenn Sie sich den Verfall der japanischen Währung Yen um 27,7% gegenüber dem Euro anschauen. Da bleibt für einen in Euro rechnenden Anleger nur ein Jahresgewinn von 29% übrig, und das liegt schon wieder im Bereich von DAX (+25,5%) und Dow Jones (+26,6%).

Bleibt der Goldpreis mit einem Minus von 27,9%. Ich hatte eine Umkehr der Goldpreisentwicklung zwar erwartet und unsere Goldposition ein wenig verkleinert, doch von der Intensität bin ich überrascht. Erfahrungsgemäß folgt nach einem so heftigen Ausverkauf erst einmal eine Phase der Bodenbildung, während der ich es für möglich halte, dass der Goldpreis noch weiter abgibt. Ein direktes Zurückschießen in Richtung alter Hochs wäre eine Überraschung und würde erneute Spannungen an den Finanzmärkten erfordern.

29,1% im Jahr 2012 und nun nochmals 25,5% im Jahr 2013 oben drauf, das ist eine stolze Performance für den DAX. Wird es Ihnen nun schwindelig? Steigt die Gefahr einer Korrektur, eines Absturzes? Oder befinden wir uns mitten in der Crack-Up Phase, in der alles verfügbare Geld mangels Alternative in die Aktienmärkte strömt und für eine lang anhaltende Rallye sorgt? Mehr dazu im Kapitel 04.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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