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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 23.09.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 23.09.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Die Bankenkrise wird zur Staatsverschuldungskrise und wieder wird zur Bankenkrise.

Immer mehr schließt sich der Kreis, der die aktuellen Verwerfungen zu einer logischen Folge der Subprime- und Lehman-Pleite und ihrer begleitenden Aspekte macht. Indikativ ist der deutliche Anstieg bei den Credit Default Swaps als Ausfallversicherungen im Bezug auf europäische Banken. Kleinere Schlaglichter sind beispielsweise, dass eine chinesische Staatsbank dem Vernehmen nach den Handel mit Devisenswaps und Devisentermingeschäften mit einigen französischen Banken eingestellt hat. Oder auch, dass sich scheinbar US-Geldmarktfonds französischen Banken verweigern. Oder auch das Gerücht, Siemens habe vor etwa zwei Wochen über eine halbe Milliarde Euro von einer französischen Großbank abgezogen und auf ein Konto bei der EZB übertragen. In der Summe wirkt das so, als ob sich einige Adressen wetterfest machen und das Herbstwetter an den Märkten noch nicht vorbei ist.

 

Europäische Banken können derzeit jeden Funken Vertrauen brauchen. Allein innerhalb der kommenden 3 Jahre sind etwa 1,7 Billionen Euro zu finanzieren. Im jetzigen Umfeld ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein solches Manöver allein mit privatem Kapital darstellbar ist. Gelingt dies nicht, dann gibt es im Wesentlichen zwei Alternativen: Eine massive Reduzierung der Assets (also beispielsweise auch der ausstehenden Kredite) oder massive Kapitalinjektionen von staatlicher Seite, entweder direkt oder über irgendein Hilfsfonds-Konstrukt. Eine deutliche Rückführung der ausstehenden Kredite wäre gewissermaßen eine Vollbremsung für die Realwirtschaft mit möglicherweise sogar zweistelligen Einbußen in der jeweiligen Wirtschaftsleistung. Staatliche Stützungen würden wohl weitere Eintrübungen in den jeweiligen Länder-Ratings nach sich ziehen. Ein Triple A-Rating für Frankreich wäre in solchem Szenario schon bald Geschichte. Je nach Konstruktion des europäischen Rettungsmechanismus und dem Grad einer Haftungsgemeinschaft wäre dann letztlich auch die deutsche Top-Bewertung auf den Prüfstand zu stellen, auch vor dem bereits diskutierten Hintergrund, dass die EZB (noch) nicht bereit steht, im Härtefall die Staatsschulden in der Eurozone hinlänglich zu monetarisieren. Das ist ein Schwachpunkt in der europäischen Konstruktion gegenüber den USA, Japan, der Schweiz und anderen Währungsräumen. Wie auch immer man zu den unkonventionellen Maßnahmen der USA im Nachgang der Subprimeund Lehman-Krise auch stehen mag man hat es zumindest hinbekommen, den Markt-Motor wieder ans Laufen zu bringen. Agiert die europäische Politik und die EZB jetzt zu zaghaft, dann droht genau dieses Manöver auf unserem Kontinent nicht zu gelingen. Bereits jetzt ist der reguläre Marktmechanismus markant gestört, die Nachfrage von privatem Kapital in Problemmärkten viel zu schwach. Insofern:

Um hier ein echtes Signal zu setzen, müsste man buchstäblich mit Kanonen auf Spatzen schießen. Das Ankaufvolumen der EZB mit bis dato etwa 153 Mrd. € ist von einem solchen „Kanonenschuss“ weit entfernt. Die beiden Quantative Easing-Programme in den USA hatten eine addierte Feuerkraft von etwa 2.300 Mrd. Dollar (umgerechnet etwa 1.700 Mrd. €). Ebenfalls zu schwach auf der Brust ist der Stützungsfonds EFSF selbst bei einer Aufstockung auf 440 Mrd. €. Die Politik dürfte sich hier aus rein taktischen Gründen verbal noch sehr zurückhalten, um die Zustimmung der nationalen Parlamente zur Aufstockung des Rettungsrahmens (im Bundestag z.B. voraussichtlich am 29.09.) nicht zu gefährden. Doch bei einer linearen Fortschreibung der aktuellen Verwerfungen wäre eher das Dreioder Vierfache als Betrag sinnvoll, unabhängig davon, ob es denn vollständig ausgenutzt wird. Der (von europäischer Seite eher unwirsch behandelte) Vorschlag von US-Finanzminister Timothy Geithner geht in die richtige Richtung. Entweder der Rettungsfonds wird massiv aufgestockt oder man muss Mechanismen einbauen, um mit dem GarantiePotenzial über einen Kredithebel mehr Marktwirkung zu geben. In beiden Fällen hieße das für die deutsche Linie, dass man sich über alle Maßen verbiegen muss. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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