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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 01.09.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 01.09.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Der Hochfrequenzhandel erschwert den Märkten eine sinnvolle Bewertung

Natürlich gibt es mit den Schuldenrisiken in Europa und den USA, der erneuten Vertrauenserosion in der Bankenwelt und den daraus folgenden Konjunkturrisiken Stolpersteine für die Märkte. Eine negative Marktreaktion darauf lag nahe und machte Sinn. Gleichwohl ist eine berechtigte Frage, ob sich die Welt innerhalb von wenigen Wochen wirklich so dramatisch verändert hat, dass der EuroStoxx 50 um etwa 29,8 % abkippte, der DAX um ca. 27,3 %, der MSCI World- Index um 18,8 und der S&P 500 um 17,9 %. Wir hatten es bereits auf den Punkt gebracht:

 

Die Märkte sind der Realwirtschaft vorausgelaufen. Das ist wichtig für die Einordnung, denn es tangiert das Restrisiko. Begünstigt wurde dies durch die jüngere Schwäche des computerbasierten Handels, also durch rein maschinell getriggerte Käufe und Verkäufe, teils mit hoher Schlagzahl. Insbesondere die Nische des Hochgeschwindigkeitshandels ist als ein unerwünschter Verstärker zu sehen.

High Frequency Trading hat mit klassischem Investieren an der Börse (fast) nichts mehr zu tun. Vielmehr geht es um mitunter ausgefeilte Algorithmen, mittels derer Hedge-Funds und ähnliche Adresse die Märkte mit Orders überschwemmen und teils wohl auch die Grenze zur Marktmanipulation überschreiten. Das klassische Verteidigungsargument für den HF-Handel ist die Liquidität, die auf diese Weise bereitgestellt wird. Doch eine hohe Volatilität am Markt ist grundsätzlich ein Zeichen, dass eben genau diese Liquidität fehlt. Auch gibt es keine Verpflichtung der Adressen, permanent Orders zu stellen. Von einer Sekunde auf die andere kann eine vermeintlich dicke Orderlage dramatisch einbrechen. Man denke nur an den Flash-Crash im Dow Jones vom 06. Mai 2010, als der Index innerhalb von Minuten um etwa 1.000 wegknickte, und zwar ohne vernünftigen Grund, wahrscheinlich aber mit markanter „maschineller“ Hilfe.

Inzwischen haben die „Maschinen“ einen größeren Marktanteil als die Menschen. In den ersten 7 Monaten dieses Jahres machte das sog. High Frequency Trading nach Angaben des Informationsdienstes Tabb im Schnitt 53 % des Handelsgeschehens aus. In den ersten 11 August-Tagen hingegen stieg der Marktanteil auf 65 %. Mehr oder weniger parallel zu diesem Anstieg gab es eine markante Beschleunigung in der Volatilität des Marktes. Genau das brauchen HF-Trader: Bewegung. Die Trendrichtung ist dabei egal. Nach einer Schätzung von Tabbs dürften High Frequency Trader am 08. August ihren bis dato besten Handelstag gehabt haben mit einem addierten Gewinn von etwa 60 Mio. €. An diesem Tag aber kippte der Dow Jones um etwa 635 Punkte ab, das Handelsvolumen an der NYSE erreichte das viertgrößte Niveau der Geschichte, etwa 850 Mrd. Dollar Börsenwert gingen verloren.

Hier sind die Regulierungsbehörden gefragt. Es kann nicht sein, dass in dieser Weise der Schwanz mit dem Hund wedelt und die volkswirtschaftliche Funktion von Börsen als Kapitalsammelstellen und seriöser Handelsplatz für Unternehmensbeteiligungen und sonstige Anlagen derart unterhöhlt wird. Weder von Banken noch von Börsenbetreibern ist realistisch zu erwarten, dass man hier engere Stellschrauben einzieht. Dafür ist das Geschäft als Prime-Broker oder auch als Datenlieferant einfach viel zu interessant. Eine denkbare Option wäre die Einführung der amerikanischen Uptick-Rule. Diese in 2007 abgeschaffte Regel sah vor, dass ein Short-Selling von Aktien nur erfolgen konnte bei oder nach einem Anstieg im Kurs. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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