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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 17.05.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.05.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Der Express rollt wieder

Bundesschatzbriefe, Festgeld & Co. werfen momentan nur Mini-Zinsen ab. Mit kurzen Laufzeiten, einer Teilkasko-Versicherung und der Chance auf eine attraktive Rendite sind Expresszertifikate eine echte Alternative.

Expresszertifikate sind in Deutschland bereits seit 2003 auf dem Markt und haben sich hierzulande als feste Größe etabliert. Besonders beliebt waren die schnellen Papiere während der letzten Hausse: Zwischen Mitte 2004 und Mitte 2007 wurde nahezu jedes Expresszertifikat bereits zum erstmöglichen Termin, zusammen mit der Prämie zurückgezahlt. Der Ausbruch der weltweiten Finanzkrise holte die Investoren jedoch unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück. Im Zuge starker Kursverluste und dem Scheitern der vorzeitigen Rückzahlung verflüchtigte sich die Begeisterung für die Expressprodukte während des letzten Jahres zusehends. Ein Blick auf Funktionsweise und Konditionen der Papiere macht jedoch deutlich, dass sich deren Attraktivität, gerade im Vergleich zu anderen Anlageformen, in den letzten Wochen und Monaten dramatisch erhöht hat.


Derzeit zweistellige Renditen

Bei Expressprodukten geht es um Schnelligkeit. Die Mechanik der Papiere soll dafür sorgen, dass der Anleger sein investiertes Geld zuzüglich einer definierten Rendite möglichst schnell zurückerhält. Dafür muss eine Voraussetzung erfüllt werden: Der zugrunde liegende Basiswert muss an einem fälligen von mehreren Beobachtungsterminen, die in der Regel im jährlichen Abstand auftreten, auf oder über seinem Startniveau notieren. Ist dies der Fall, endet die Laufzeit sofort vorzeitig, und der Anleger bekommt sein investiertes Kapital plus die vereinbarte Bonuszahlung bar ausbezahlt. Darüber hinaus sind die Papiere mit einem Risikopuffer ausgestattet. Letzterer ist ebenfalls an eine Barriere geknüpft. Wird auch diese am letzten Termin durchbrochen, muss der Anleger die Verluste des Basiswertes 1:1 tragen. Bei der Auswahl der Papiere sollten Anleger vor allem auf die Kombination aus Ertrag und Risikopuffer achten. Anders ausgedrückt: Eine vorgegebene Rendite sollte mit einer möglichst hohen Wahrscheinlichkeit erreicht werden können. Weil die „Rennwagen“ unter den Zertifikaten nach einem Jahr Laufzeit derzeit sogar bei Verlusten von bis zu 50% (im Basiswert) knapp zweistellige Renditen generieren, erfüllen sie diese Bedingung spielend.


Aktuelles Beispiel

Die Funktionsweise lässt sich anhand des neuen Société Générale- Memory Express-Zertifikats (WKN: 965814) erklären. Ausgehend vom Kursniveau am 02.06.2009 wird an sechs Bewertungstagen der dann aktuelle Indexstand mit dem Basispreis verglichen.

A) Indexanstieg: Liegt der Index an einem der jährlichen Bewertungstage auf oder über dem Basispreis, greift der Expressmechanismus. Das Zertifikat wird sofort zurückgezahlt und der Anleger erhält zusätzlich zum Nennwert von 100 Euro eine Bonuszahlung von 9,5% p.a. Notiert der Index bereits am ersten Beobachtungstag, dem 02.06.2010, oberhalb des Startwertes, dann wird das Zertifikat zu seinem Nennwert und zuzüglich einer Bonuszahlung in Höhe von 9,5% zurückbezahlt.

B) Leicht negative Kursentwicklung: Befindet sich der Index an diesen Terminen unterhalb des Startwertes, aber noch oberhalb der Barriere von 50%, so wird lediglich der Bonus in Höhe von 9,5% ausbezahlt. Die Laufzeit des Zertifikates verlängert sich in diesem Fall zudem um mindestens ein weiteres Jahr. Diese Vorgehensweise wiederholt sich an den folgenden Beobachtungstagen.

C) Stark negative Kursentwicklung: Notiert der Basiswert hingegen an einem der Stichtage unterhalb der Barriere, so entfällt die Bonuszahlung für das vorangegangene Jahr. Die Anleger haben bei dem vorliegenden Produkt jedoch die Chance, die entgangenen Zahlungen doch noch zu erhalten. Dies ist dann der Fall, wenn der Index an einem der nachfolgenden Beobachtungstage wieder oberhalb der Barriere notiert. Wird das Zertifikat nicht vorzeitig getilgt, ist der letzte Stichtag entscheidend: Notiert der Index am 02.06.2015 oberhalb der Barriere von 50%, erhalten die Anleger ihren vollständigen Kapitaleinsatz zuzüglich aller noch ausstehenden Bonuszahlungen ausbezahlt. Der Startwert spielt in diesem Szenario keine Rolle mehr und der Anleger würde in diesem Fall mit einer Gesamtrendite von 57% entschädigt. Notiert der Index allerdings auch am letzten Termin unterhalb der 50%-Schwelle, muss der Anleger die prozentualen Verluste des Basiswertes 1:1 tragen.


Face-Lifting für Zertifikate

Um dem Emittentenrisiko vorzubeugen, sind einige Anbieter dazu übergegangen, die Zertifikat-Emissionen gesondert zu besichern. So hat Morgan Stanley im März ein Expresszertifikat auf den Aktienindex EURO STO XX 50 aufgelegt, das mit hochwertigen Sicherheiten unterlegt ist. Diese sind auf einem Treuhandkonto bei der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream deponiert und stehen im Insolvenzfall zur Deckung der Zahlungsansprüche der Zertifikate- Inhaber zur Verfügung.


Fels in der Zertifikate-See

Das neue Produkt Europa Defensiv Express Zertifikat 2.0 (WKN: MS8FC7) kann noch bis einschließlich 22. Mai 2009, gezeichnet werden, Basiswert ist der DJ EURO STO XX 50. Bei einer Gesamtlaufzeit von drei Jahren wird auch hier stichtagsbezogen die Performance des europäischen Bluechip-Index im Verhältnis zum Startniveau gemessen. Stichtage sind der 24. Mai 2010, der 23. Mai 2011 und der 22. Mai 2012. Das Zertifikat gewährt Expresszahlungen, sobald der Basiswert an einem der drei Stichtage auf oder über 80% seines Ausgangsniveaus notiert. Ist dies der Fall, wird das Zertifikat sofort fällig. Anleger erhalten in diesem Fall eine festgelegte Expresszahlung in Höhe von 6% nach einem, von 12% nach zwei und von 18% nach drei Jahren sowie den vollen Nennbetrag. Sollte das an einem der Stichtage nicht möglich sein, läuft das Zertifikat weiter bis zum nächsten Stichtag mit der Chance, den entgangenen Kupon nachzuholen. Notiert der Basiswert am letzten Stichtag unter 50% des Anfangswertes, wird entsprechend der negativen Indexperformance ausgezahlt, das heißt der Anleger trägt den Verlust ebenfalls im Verhältnis 1:1. Im Unterschied zum Papier der Société Générale wird allerdings bei einem Indexstand, der zwischen 20% und 50% unter dem Startwert liegt, nur der Nennbetrag ausbezahlt. Rendite-


Schönheiten im Vergleich

Anleger bekommen die eingebaute Insolvenzversicherung also nicht umsonst. Im vorliegenden Fall ist nicht nur die mögliche jährliche Bonuszahlung deutlich niedriger – 6% p.a. statt 9,5% –, sondern auch der Sicherheitspuffer – 20% statt 50%. Zwar bietet das Papier der Amerikaner an den vorzeitigen Beobachtungstagen auch bei Indexständen unterhalb des Startlevels eine komplette Rückzahlung des eingesetzten Kapitals und nicht nur eine Auszahlung des Bonus, am Ende der Laufzeit wird der Anleger jedoch deutlich schlechter gestellt.


FAZIT

Für mittelfristig orientierte Anleger mit einer festen Renditevorstellung dürfte sich ein Blick auf die verschiedenen Produkte lohnen. Dabei muss auch nicht immer auf einen Anstieg der Basiswerte gesetzt werden. Wer glaubt, dass nach den starken Kursgewinnen erst einmal Verluste drohen, sollte sich mit den Reverse Expresspapieren beschäftigen. Insgesamt bieten diese Papiere gerade in Seitwärtsphasen oder in Zeiten leicht sinkender Kurse ein interessantes Chance-Risiko-Profil und eignen sich damit gut zur Depotbeimischung.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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