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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 24.03.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 24.03.2011:

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Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Der erste Japan-Schock ist verdaut

Mittlerweile sind die Bleistifte gespitzt worden, um auszurechnen, wie stark die globale Wirtschaft im Allgemeinen und die japanische im Besonderen von der Katastrophe belastet wird. Dabei kommt es auch und vor allem darauf an, ob sich eine großflächige radioaktive Verseuchung vermeiden lässt.

 

Darin liegt derzeit der höchste Unsicherheitsfaktor. Zumindest die bisherigen materiellen Schäden dürften aber zu stemmen sein, auch wenn der Wiederaufbau sehr viel länger dauern dürfte als nach dem Erdbeben in Kobe 1995.

Zunächst einmal wird die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt Sand im Getriebe haben. Nur schleppend kann die Industrie Nippons ihre Produktion wieder aufnehmen. Im Rahmen der Globalisierung sind durchaus auch indirekte, grenzüberschreitende Belastungseffekte zu befürchten, nämlich wenn es um dringend benötigte Vorprodukte oder Grundstoffe geht. So drohen beispielsweise der weltweiten Halbleiterindustrie Produktionsausfälle, weil der Nachschub des bei der Chipherstellung verwendeten Kunstharzes Polyurethan (auch als „Resin“ bekannt) stockt. Mitsubishi Gas Chemical kontrolliert die Hälfte des Weltmarktes. Derzeit ist noch nicht sicher, wann der Betrieb in dem Werk, das in der Präfektur Fukushima steht, wieder aufgenommen werden kann. Sony ist ebenfalls betroffen: In acht Werken musste der Betrieb eingestellt werden. Auch Panasonic kann derzeit in mehreren Werken nicht produzieren, was eine Knappheit bei Lithium-Ionen-Akkus auslösen könnte. Wegen der Produktionsausfälle in der japanischen Elektronikindustrie sind zuletzt auch die Preise für Seltene Erden deutlich zurückgegangen.

Auch wenn einzelne Branchen beeinträchtigt werden, ist der Belastungseffekt für die Weltwirtschaft gering. Japan exportiert zwar viel, importiert aber relativ wenig. Der negative Nachfrageeffekt ist also klein. In Industriezweigen, in denen japanische Firmen zu den härtesten Konkurrenten gehören, wie dem Maschinen- und Werkzeugbau, könnten deutsche Unternehmen aus den Problemen der Japaner sogar einen Vorteil ziehen.

Einer der Hauptverlierer der Katastrophe in Japan ist aber der US-Dollar. Der japanische Yen hat sich in der vergangenen Woche im Vergleich zum Dollar in Rekordhöhen aufgeschwungen. „Repatriierung“ ist das Stichwort. Wegen des niedrigen Zinsniveaus ist der Yen eine beliebte Carry-Trade-Währung. Nun aber wird das im Ausland investierte Geld wieder nach Japan zurückgeholt, was den Kurs des Yens nach oben treibt. Ein starker Yen belastet die angeschlagene exportintensive japanische Wirtschaft natürlich zusätzlich, weshalb die Notenbanken zuletzt schon konzertierte Interventionen gegen den Yen gestartet haben. Eine noch größere Gefahr lauert für die US-Staatskasse: Japan ist nach China der größte Käufer von US-Staatsanleihen. Bricht die japanische Nachfrage nach US-Treasuries weg, bekommt das US-Schatzamt eklatante Probleme, seine immense Verschuldung zu refinanzieren. Das wird unweigerlich zu einem weiteren Anstieg der US-Renditen führen. Anleger sollten deshalb US-Rentenpapiere weiträumig umfahren. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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