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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 16.05.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 16.05.2014:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

DAX markiert neues Allzeithoch

9.810 Punkte heißt nunmehr das neue Allzeithoch beim DAX. Die DAX-Unternehmen haben insbesondere beim Umsatz in dieser Berichtssaison positiv überrascht. Ich hatte Ihnen im März in Aussicht gestellt, dass in dieser Berichtssaison erstmals wieder die Umsatzzahlen wichtiger sein werden als die Gewinne... wenn es Gewinne gibt.

Wachsende Umsätze gefordert

Denn das ist inzwischen die Voraussetzung für eine Aktie, um Anlegern zu gefallen. In den vergangenen Jahren haben Unternehmen ihr Geschäft auf Profitabilität getrimmt, und nun wollen Anleger bei hohen Gewinnmargen auch wachsende Umsätze sehen, sodass eine steigende Dividendenrendite zu erwarten ist. Wer das liefern kann, der hat gewonnen. Wer bis heute jedoch keinen Gewinn ausweisen kann, der kann selbst mit einem Umsatzwachstum von über 80% nicht punkten.

Schauen wir einmal, wer den DAX auf das neue Allzeithoch geführt hat: Die Deutsche Telekom führt mit +18% Kursgewinn in den vergangenen vier Wochen die Liste an. Das KGV der Deutschen Telekom steht bei 21, das Umsatzwachstum bei 1%. Das ist mehr als mager, doch es ist der Turnaround bei der Umsatzentwicklung nach mehreren Jahren mit schrumpfendem Umsatz. Die Dividendenrendite von aktuell 4% ist attraktiv und könnte, sofern der Turnaround nachhaltig ist, in den kommenden Jahren ansteigen.

K+S folgt mit +14% auf Platz zwei. Das Unternehmen wurde vor einem Jahr aufgrund der Machtkämpfe von Wettbewerbern ausverkauft. Der Kali-Preis drohte damals ins Bodenlose zu fallen, was K+S mit hohen Produktionskosten besonders hart getroffen hätte. Das schlimmste Szenario ist jedoch nicht eingetreten, der Kali-Preis erholt sich kontinuierlich. Die Aktie auch.

ThyssenKrupp hat ebenfalls um 14% zugelegt. Der Großteil des Kurssprungs erfolgte vor einer Woche, als das Unternehmen mit seinen jüngsten Quartalszahlen deutlich machte, dass es die Kosten besser in den Griff bekommt.

Am Ende der Monatsliste des DAX stehen die beiden Strom-Versorger E.On (-4%) und RWE (-8%) sowie die Commerzbank (-10%). Vor den Versorgern warne ich seit der Energiewende. Hier könnte bald ein Umdenken erfolgen, insbesondere da ich immer wieder Berichte lese, denen zufolge die deutsche Abhängigkeit vom russischen Gas in den kommenden Jahren verringert werden soll.
 

Banken leiden unter Regularien

Die Commerzbank leidet, genau wie die Deutsche Bank, unter den neuen Regularien und höheren Eigenkapitalvorschriften. Das Investmentbanking wird immer schwerer, die Anforderungen an vorgehaltenes Eigenkapital immer höher. Derzeit wird Berichten zufolge sogar diskutiert, ob für Staatsanleihen, die bislang als Eigenkapital gewertet wurden, künftig ebenfalls Eigenkapital vorgehalten werden muss. Verschiedene Vorschläge kursieren und verschrecken Anleger.

Die Erstürmung neuer Allzeithochs beim DAX sowie auch bei Dow Jones ging einher mit einem gleichzeitigen Run auf Staatsanleihen. Die Umlaufrendite sowie auch die Rendite 10-Jahre laufender US-Staatspapiere sind um 0,1% gefallen (durch steigende Anleihepreise). Eigentlich würde man erwarten, dass steigende Anleihepreise einhergehen mit dem gestiegenen Verlangen nach Sicherheit, was sich nicht unbedingt mit dem Kauf von Aktien vereinen lässt.
 

Rendite niedrig

Doch die Rendite ist mit 2,5% in den USA bzw. 1,16% in Deutschland so niedrig, dass Anleger gleichzeitig auch nach Alternativen suchen. Und diese Alternativen bieten entweder eine hohe Dividendenrendite wie die Deutsche Telekom mit 4%, oder aber ein hohes Kurspotential wie K+S oder ThyssenKrupp nach einer längeren Durststrecke. Dieses Verhalten widerspricht der Theorie, dass Anleger nach Sicherheit verlangen.

Ich führe das Verhalten wieder einmal auf meine Ihnen inzwischen wohl bekannte Theorie zurück, dass Anleger sich aus den Highflyern aus 2013 verabschieden und ihr Geld in alle möglichen alternativen Anlegemöglichkeiten stecken - sogar der Goldpreis ist angestiegen. Der Trend lautet also nach wie vor "Verkauf der Highflyer aus 2013" und nicht etwa "Run auf Staatsanleihen" - letzteres ist nur eine von mehreren Konsequenzen aus ersterem.

Und das ist ganz natürlich. DAX und Dow Jones auf Allzeithochs sind natürlich nicht mehr so günstig bewertet wie noch vor vor einem Jahr rund 20% niedriger. Es gibt noch immer günstig bewertete Aktien, aber nicht mehr so viele wie vor einem Jahr. Entsprechend ist es nur sinnvoll, sein Aktienengagement ein wenig zurückzufahren.

Nein, das heißt nicht, das Sie alles verkaufen sollen. Sie sollten Ihr Portfolio stets den Gegebenheiten anpassen, und heute sollte die Cash-Position also ein wenig größer sein als noch vor einem Jahr. Doch es gibt noch genügend Branchen und Aktien, die noch unterbewertet sind und in die sich auch heute noch der Einstieg lohnt. Eine weitere Anlageidee stelle ich Ihnen in Kapitel 04 vor.

Schauen wir uns nun zunächst einmal die Wochenperformance der wichtigsten Indizes an:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


PUTINS STRATEGIE


Das Fass Öl kostet knapp 110 USD, und Putins Russland ist beliebter Vertragspartner für die Energieversorgung vieler europäischer Länder sowie auch Chinas. Ein Drittel der förderbaren Gasvorkommen der Welt sind auf russischem Boden beheimatet. In den USA läuft eine Revolution ab, das Land erlebt einen zweiten Ölboom durch die Erschließung unrentabel geglaubter alter Ölvorkommen dank neuer Technologien. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die USA wieder zum Öl-Exporteur werden. Insbesondere Gas wird in einigen Jahren in flüssiger Form aus den USA in die ganze Welt geliefert.

Die Entwicklung alternativer Energiequellen hat in Folge des Sparzwangs nach der Finanzkrise einen kräftigen Dämpfer erhalten. Viele Unternehmen gingen pleite, einige jedoch kommen nun mit Lösungen auf den Markt, die auch ohne Fördergelder wirtschaftlich sind. Nordex hat die Windenergie revolutioniert, First Solar den Markt der Solarenergie.

Wir befinden uns in einer Übergangssituation: Das Wachstum in China und die Energiewende in vielen Ländern Europas können nur mit Hilfe des russischen Gases bewältigt werden, die USA bzw. die Entwicklungen beim Flüssiggas sind noch nicht so weit, um hier eine schnelle Alternative zu bieten. Wir sind abhängig von Russland.

Das könnte in einigen Jahren schon wieder ganz anders aussehen. Würde der Ukraine-Konflikt erst in fünf Jahren ausbrechen, dann wäre Europa vermutlich in einer viel besseren Verhandlungsposition. Ich nehme an, dass Putin sich dieser prekären Situation bewusst ist und daher lieber heute schon eine harte Linie fährt als abzuwarten.

Das Irre an der Situation in der Ukraine: Nicht Europa hat das Land zu sich rufen wollen, sondern die Ukraine selbst hat darum gebeten. Europa hat Verhandlungen aufgenommen und dabei stets betont, dass eine Assoziierung möglichst ohne Abtrennung der Verbindungen nach Russland erfolgen solle. Es war Putin, der plötzlich aufsprang und rief: "Entweder der Westen oder wir". Putin hat die Ukraine unter Druck gesetzt, indem er eine Kooperation mit der EU mit dem Ende der russischen Beziehungen gleichgesetzt hat. Mich erinnern diese Worte an "Entweder ihr seid für uns, oder gegen uns" von Präsident Bush bei seinem Krieg gegen den Terror.


Die Ukraine ist nicht gerade attraktiv für die EU

Die politische Stabilität sei ähnlich fragil wie in Pakistan, stellten vor dem Hochkochen der Krise noch die USA fest. Und in Sachen Bestechlichkeit rangiert die Ukraine hinter Mosambik, Ruanda und Burkina Faso.

Warum also bittet uns ein Volk um die Aufnahme von Kooperationsverhandlungen, wählt jedoch kurze Zeit später mit überwältigender Mehrheit den Anschluss an Russland? Nun, weil sich das Land gerne öffnen wollte, ohne die Nabelschnur zu Mütterchen zu durchtrennen. Vor die Wahl gestellt "entweder, oder?", bleibt das inzwischen zu einem großen Teil mit Russen besiedelte Gebiet lieber beim Alten und verschiebt die Öffnung gen Westen.

Der Westen wird sich nicht mit Putin um die Ukraine streiten. Sanktionen werden weiterhin moderat bleiben. Aber ein Umdenken hat stattgefunden: Die von Ex-Kanzler Schröder manifestierte Abhängigkeit von russischem Gas wird in den kommenden Jahren verringert werden. Alternativen werden teuer erschlossen werden und sei es der Ausbau des Flüssiggas-Terminals in Rotterdam oder gar der Bau eines eigenen im Hamburger Hafen.

Es hat den Finanzmärkten ebenfalls in den vergangenen Wochen gedämmert: Einen Krieg wird es um die Ukraine nicht geben. Der Krieg findet bereits in der Ukraine statt, und der Westen beteiligt sich nicht daran. Am Ende wird Russland seine Position in diesem Grenzland wieder gestärkt haben, allerdings wird Putin in der Weltöffentlichkeit an Reputation verloren haben.

Kurzfristig gibt es keine Alternative zu russischem Gas, daher gehe ich davon aus, dass sich die russische Börse bald schon wieder erholen wird. Mittel- bis langfristig jedoch werden Alternativen gesucht. Und die Ukraine selbst, so leid es mir tut, wird noch einige Jahre eine politische Instabilität vergleichbar mit Pakistan ertragen müssen.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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