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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 22.12.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 22.12.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Das Jahr 2011 hat die Märkte näher zur Realität zurückgebracht und maßgebliche Veränderungen auf den Weg gebracht.

Solche Korrekturbewegungen sind anstrengend, von der Sache aber richtig und für die längerfristige Stabilität mitunter sogar grundlegend. Dieser Bereinigungsprozess ist per Jahresende nicht abgeschlossen. So gesehen ist der Punkt am Ende des Jahres 2011 eher ein Doppelpunkt - mit wichtigen Zwischenständen:

 

Das Abenteuer der europäischen Konvergenz-Spekulation ist beendet worden. Vor der Einführung hatten sich die Renditen einander angenähert mit der impliziten Erwartung einer Haftungsgemeinschaft. Dann folgten Jahre eines fast perfekten Gleichlaufs rückblickend eine extreme Fehlpreisung der Risiken. Dann, mehr oder weniger mit der Pleite von Lehman Brothers, setzte die Differenzierung wieder ein, die in die extreme Scherenbewegung der letzten Monate einmündete mit stark angestiegenen Zinsen für die PIIGS-Länder und andererseits fallenden Renditen im vermeintlich sicheren Hafen Deutschland. Abgesehen von den zu niedrigen Renditen in Deutschland ist die Risikopreisung damit wesentlich realistischer geworden. Die Renditedifferenzen werden bleiben bzw. sich sogar weiter ausweiten, wenn es nicht gelingt, den Markt von einer erneuten Version einer Haftungsgemeinschaft und der fiskalpolitischen Zusammenführung zu überzeugen. Das wird ein entscheidender Kraftakt in 2012. Gelingt dieser, dann wäre gewissermaßen eine Konvergenzspekulation 2.0 denkbar, wenngleich auch nicht mit einem solchen Unisono wie im Zeitfenster zwischen 2001 und 2008. Diese Konvergenzspekulation würde dann allerdings bedeuten, dass die deutschen Renditen nach oben ziehen und sich damit die effektiven Finanzierungskosten hierzulande tendenziell erhöhen. Es wäre ein sinnvoller und angemessener Preis für Europa.

Das bisherige Geschäftsmodell der Banken ist tot.

Dafür verantwortlich sind nicht nur die Banken selbst mit einer überzogenen Hebelpraxis im vorherigen Geschäft (zuviel Anlagegeschäft bezogen auf das Eigenkapital), sondern auch die Politik bzw. die Regulierung. Ohne Staatsschuldenkrise gäbe es derzeit auch keine Bankenkrise. Und mit einer weniger ungelenken Regulierungspraxis wäre der Vertrauensschaden in der Branche deutlich kleiner. Wenn die Londoner Aufsichtsbehörde EBA während des Spiels die Regeln verändert, schiebt dies die Banken prozyklisch noch mehr an den Rand der Klippen. Vielleicht ist das der Politik sogar in manchen Fällen lieber als man meint. Denn Banken am Tropf lassen sich viel leichter steuern und lassen sich damit viel leichter zur schleichenden Monetarisierung von Staatsschulden nutzen, was mit der EZB jedenfalls nicht so einfach zu machen ist. Der Vertrauenskahlschlag (daniederliegender Interbanken-Geldmarkt, deutlich erschwerte Bankenfinanzierung durch US-Geldmarktfonds usw.) ist die passende Begleitmusik. Letztlich bedeutet dies eine Fortsetzung des globalen Deleveraging, also der Rückführung von Kredithebeln. Damit wird den Märkten Schmiermittel entzogen, sowohl im Bezug auf konkrete Geschäftsfinanzierungen (z.B. Außenhandel) als auch bei der Finanzierung von Finanzmarktgeschäften, z.B. bei Hedgefonds und Private Equity-Gesellschaften.

Die Unternehmen haben sich hervorragend auf diesen Sachrahmen eingestellt. So gesehen waren die Sturmböen nach der Lehman-Pleite ein wichtiger Katalysator, die Flexibilität in der jeweiligen Produktion zu erhöhen und sich im Bezug auf die Finanzierung unabhängiger zu machen von der Bankenwelt. Die Wege zwischen Unternehmen und Kapitalmarkt sind kürzer geworden. So lassen sich Finanzierungen auch abseits des klassischen Bankkredits darstellen. Relativ komfortabel ist die Situation auch durch die üppigen Cash-Polster, mit denen die Unternehmen in das neue Jahr 2012 gehen. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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