Darf es auch mal wieder ein wenig Ökonomie sein?

Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 01.04.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Frankfurter Börsenbrief

In den letzten Wochen inkl. Libyen und Japan war die Psychologie ein entscheidender Kursmacher an den Märkten. Das „Big Picture“ indes und mithin der lange Markttrend ergibt sich vor allem aus den fundamentalen und ökonomischen Aspekten, die sich dann in den entsprechenden Kapitalbewegungen niederschlagen und in Form von Nachfrage bzw. Angebot den Gesamttrend zeichnen. Im Bezug auf Deutschland gilt:


 

Auf den deutschen Vorstandsetagen ist weiterhin Sektlaune angesagt. Der ifo-Geschäftsklimaindex markierte im Februar das höchste Niveau seit der deutschen Wiedervereinigung. Im März ging es minimal abwärts, nämlich von vorher 111,3 auf 111,1 Punkte. Die LibyenUnsicherheit und die näher rückende Zinsversteifung der EZB wird also mit Schulterzucken abgehakt. Etwa die Hälfte der Umfrageergebnisse dürften nach dem Japan-Beben abgegeben worden sein, womit auch diese menschliche Tragödie die Stimmung in der Wirtschaft nicht wesentlich beeinträchtigte. Während sich der Teilindex der Erwartungen leicht eintrübte, wurde die aktuelle Lage sogar nochmals besser einschätzt. Am deutschen Konjunkturhimmel ist also auch im März bereits Hochsommer angesagt.

Dabei kochen die Unternehmen ohnehin bereits auf großer Flamme: Nach einer Studie von Ernst & Young kamen die dreißig DAX-Unternehmen in 2010 auf einen Umsatz von 1.093,6 Mrd. € (Coba, Dt. Bank und Münchener Rück außen vor gelassen). Dieser lag nicht nur um 13 % höher als in 2009, sondern übertrumpfte zudem auch das vorherige Rekordjahr 2008. Man hat also nicht einfach nur aufgeholt, sondern ist echt gewachsen. Und zwar mit guter Profitabilität. Denn die Gewinne (in diesem Fall exkl. Dt. Bank) wurden deutlich überproportional um 66 % auf 96,55 Mrd. € hochgefahren. Auch hiermit konnte man den Vergleichswert des guten Jahres 2008 (79,45 Mrd. €) deutlich schlagen. Operative Marge somit etwa 8,8 %. Positiv ist dabei auch, dass dies nicht zulasten der Forschungsinvestitionen ging. Denn für Forschung und Entwicklung haben die Unternehmen 12 % mehr ausgegeben (nachdem man hier in 2009 noch um 1 % zurückgerudert war).

Angesichts dieser fundamentalen Qualität ist die Bewertung des deutschen Leitindex geradezu lächerlich niedrig. Für 2011 liegt die derzeitige Gewinntaxe bei 647,52 €, für 2012 sogar bei 734,72 €. Dies bedeutet eine Gewinnbewertung von gerade mal etwa 10,7 für das laufende Jahr und nur etwa 9,4 für 2012. Selbst bei einer konservativen Annahme wäre durchaus auch ein Bewertungsniveau von 12 bis 13 gerechtfertigt (was immer noch nicht teuer wäre). Dies aber impliziert per 2012 bei gleichbleibender Gewinntaxe ein DAX-Niveau von 9.200 Punkten. Rechnet man mit einem Vielfachen von 15, wären es etwa 11.000 Punkte. Gegenüber dem aktuellen DAX-Stand wäre dies ein Potenzial von ca. 30 bzw. sogar grob 50 %. Dies ist natürlich kein Kursziel, soll aber andeuten, dass die deutsche Börse ausgesprochen niedrig bewertet ist, wenn nicht irgendeine Sonderentwicklung (besonders auch eine Naturkatastrophe oder eine politische Eskalation) einen Strich durch die Gewinnschätzung macht. Damit zeigt die erste deutsche Börsenreihe sogar eine günstigere Bewertung als die zweite Börsenliga. Für den MDAX liegt die Gewinnbewertung bei 13,7 bzw. bei 11,15 per 2012. Der TecDAX liegt eine Etage darüber mit 16,2 bzw. 13,9 dann für 2012. 

 

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