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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 19.02.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 19.02.2011:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Bullische Optionsverfallswoche

Am heutigen Freitag verfallen eine Vielzahl standardisierter US-Optionen, es ist Optionsverfallstag. In der Woche dieses Optionsverfallstags neigen die US-Börsen zu heftigen Kursausschlägen. Es gibt regelmäßig mindestens einen Tag mit großen Kursgewinnen und einen Tag mit großen Kursverlusten. Und in der Regel fallen diese beiden Extrem-Tage auf Dienstag bis Donnerstag. Der Hintergrund dieses komischen Verhaltens an den Börsen ist nicht ganz einfach für uns Privatanleger zu verstehen. Institutionelle Anleger haben häufig große Positionen an Aktien und sichern diese teilweise durch Put-Optionsscheine ab. Wenn nun die Kurse zum Verfallstag hin knapp an die Basispreise heranlaufen, dann ist es für institutionelle Anleger manchmal ein Leichtes, durch den Verkauf von Aktien den Aktienkurs unter den Basispreis zu drücken, um die Position sodann aufzulösen. Entsprechend funktioniert es auch in die andere Richtung.

Wenn dieses Verhalten von vielen schweren Jungs gleichzeitig erfolgt, dann ist es um so leichter, den Kurs bestimmter Aktien entsprechend zu drücken. Dazu bedarf es keiner unerlaubten Absprache, es reicht schon, wenn sie morgens aufstehen und eine große Anzahl an negativen Meldungen sehen. Ab da übernimmt der Herdentrieb und gemeinsam werden die Kurse gedrückt. Der Dienstag hätte es diese Woche sein können, doch das Minus blieb mit 0,1% lächerlich klein. Es fehlte auch so eine richtige Meldung, die für Panik sorgen könnte. Am Mittwoch wurden dann neue Jahreshöchstkurse erreicht, und so musste es der Donnerstag werden. Und tatsächlich: Donnerstag früh wurde der CPI, der US- Konsumentenpreisindex, veröffentlicht, der einen Anhaltspunkt für die Inflationsrate gibt. Im September wurde eine Inflation von 1,5% errechnet, für Januar wurde nun ein weiterer Anstieg auf 1,6% bekanntgegeben. Der Markt war von einem Rückgang der Inflationsrate ausgegangen und reagierte vorbörslich entsprechend heftig: Die Futures notierten dick im Minus. Kurze Zeit später wurden noch Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Obama wird ein Problem bekommen, wenn nicht bald Jobs in den USA geschaffen werden ˆ und das Problem wird mit jeder Veröffentlichung des US-Arbeitsamtes dringender. Auch diesmal bleiben die neu geschaffenen Jobs weit hinter den Erwartungen zurück. Na, jetzt noch eine Hiobsbotschaft über ein großes Unternehmen und das Chaos ist perfekt: Eine Boulevardzeitung berichtete, dass Apple-Chef Steve Jobs‚ Ableben unmittelbar (6 Wochen) bevorstünde. Dieses makabere Gerücht stellte sich inzwischen als unbegründet heraus, da Jobs am Abend in guter Verfassung an einem Abendessen mit Präsident Obama teilgenommen hat. Doch das war erst am Abend. Nun, wie nicht anders zu erwarten, eröffnete der Dow Jones dick im Minus und die Bären gingen an die Arbeit, um den ≥Minus-Tag„ der Optionsverfallswoche voll auszukosten. Doch dann... ...wider jegliche Börsenkonvention (eigentlich halten sich alle an den ≥Minus-Tag„ und warten mit Käufen zumindest bis zum Schluss) begannen die Kurse umgehend zu steigen. Schon nach anderthalb Stunden drehte der Dow Jones ins Plus und ohne zurückzusehen, ging es weiter bergauf bis zu einem Tagesplus von einem Viertel Prozent. Ein Fehler? Habe ich da was falsch verstanden? Oder erleben wir in den USA die bullischste Börsenverfassung, die wir jemals gesehen haben? Ihr Autor votiert für letztere Option. Der Druck, Unternehmensanteile (also Aktien) zu kaufen ist so groß, dass schon die kleinsten Rückschläge für Zukäufe genutzt werden. Ich kann mich nur noch an die heiße Endphase der Internetblase zur Jahrtausendwende erinnern, als die großen Indizes so geradlinig nach oben strebten. Ist es also an der Zeit, vorsichtig zu werden? Oder befinden wir uns noch in einem frühen Stadium einer Rallye, die zu neuen Allzeithochs an den Börsen führen kann und von dem nachhaltigen Aufschwung der Schwellenländer getragen wird? Nun, wenn Sie mich so vor die Wahl stellen, würde ich Ihnen antworten: ≥Stellen Sie mich nicht so vor die Wahl, ich bin Volkswirt„. Denn Volkswirte legen sich fast nie fest ;-) Aber ich glaube, dass es noch gute Chancen für eine Fortsetzung der Rallye gibt, und ich habe so meine Handlungsstrategien um davon zu profitieren, ohne bei einem plötzlichen Ende der Rallye in den Abgrund zu stürzen. Mehr dazu natürlich wie immer in Kapitel 03.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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