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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 17.10.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.10.2010:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Birkenstock: Auf gesunden Sohlen

Kalte Füsse können Schnupfennasen und Husten verursachen, glauben viele. Wissenschaftlich ist Omas Weisheit zwar umstritten, es kann aber trotzdem nicht schaden, zu Hause Hausschuhe zu tragen, vor allem, wenn es draußen kälter wird. Besonders beliebt sind Birkenstocks, die dank ihres geformten Fußbetts auch noch besonders bequem sind. Die Sandalen sind bei friedensbewegten Naturfreunden, Krankenhausmitarbeitern und Stars gleichermaßen beliebt: Model Heidi Klum entwarf eine eigene Kollektion, auch Tom Cruise und seine Tochter Suri sollen schon in Birkenstocks gesehen worden sein. Bis zur modischen Anerkennung war es allerdings ein weiter Weg.

Die klassische Birkenstock-Sandale erblickte 1964 das Licht der Welt, ausgestattet mit einem Fußbett aus Kork, das sich den Bewegungen des Trägers während des Laufens anpassen und den Fuß stützen sollte. „Madrid“, das Urmodell, ist bis heute ohne große Veränderungen erhältlich. Anfangs blieben die Reaktionen aber verhalten, vielleicht weil modebewusste Damen zu Beginn der 1960er-Jahre Pumps mit hohen, dünnen Absätzen trugen, später waren Schuhe mit Blockabsatz beliebt. Die vergleichsweise wenig grazilen Birkenstocks waren wohl vielen zu unkonventionell. In den 1970er-Jahren entdeckten immerhin Ärzte, Krankenschwestern und andere Berufstätige, die viel stehen und laufen mussten, dass die Schuhe zwar nicht durch Eleganz, aber dafür durch Bequemlichkeit bestachen. In den USA war man Deutschland einen Schritt voraus: Amerikanische Hippies waren schon seit Ende der 1960er-Jahre auf den Geschmack gekommen. Margot Fraser, eine gebürtige Deutsche und überzeugte Birkenstock- Trägerin, fing 1966 in San Francisco an, die Schuhe bei sich zu Hause zu verkaufen. Bei den Hippies fanden die Sandalen Anklang – der Grundstein für Birkenstock USA war gelegt. Die Vereinigten Staaten wurden in den folgenden Jahren sogar zu einem der wichtigsten Absatzmärkte. Auch in Deutschland setzten sich die bequemen Schuhe während der 1980er-Jahre immer mehr durch. Von den Demonstrationen und Menschenketten gegen atomare Aufrüstung, Kernenergie, Waldsterben und Abholzung von Tropenwäldern und andere Umweltprobleme schafften es die Schuhe auch in ganz normale Wohnzimmer, einfach weil sie bequem sind. Experte für gesunde Schuhe 2007 wurde die amerikanische Vertriebsgesellschaft, die über 40 Jahre eigenständig gewesen war, von den drei Inhabern Stephan, Alex und Christian Birkenstock des Birkenstock-Konzerns gekauft. Die Brüder sind Nachfahren des Schuhmachermeisters Johann Adam Birkenstock aus Langen-Bergheim in Hessen, der sich 1774 im kirchlichen Archiv als „Untertan und Schuhmacher“ eintragen ließ. 1896 begann Konrad Birkenstock, Eigentümer von zwei Schuhfachgeschäften in Frankfurt, Fußbett-Einlagen herzustellen. Damit nicht genug: Er hielt auch Fachvorträge vor anderen Schuhmachermeistern rund um das Thema maßgefertigte Schuhe und vergab Lizenzen für die Produktion seiner Schuhe mit Fußbett. Während des Ersten Weltkrieges fertigte er orthopädische Schuhe für Kriegsverletzte. Auf sein Konto geht auch die Erfindung des sogenannten blauen Fußbetts, eine Einlage, die in verschiedenen Schuhen, auch von anderen Herstellern, getragen werden konnte und die es bis heute gibt. Bereits in den 1920er-Jahren trieb sein Enkel Konrad Junior den Ausbau der Produktionskapazitäten und die Internationalisierung des Geschäfts voran. Karl Birkenstock, der 1954 in die Firma eintrat, knüpfte daran an, indem er sich eingehend mit neuen Technologien für mehr Fußgesundheit und Bequemlichkeit beschäftigte und gleichzeitig auch moderne Produktionstechniken einführte, wie zum Beispiel eine computergesteuerte und programmierbare Formengestaltungsanlage, die sämtliche Schuhmodelle in allen möglichen Größen und Variationen modellieren konnte. Mittlerweile befindet sich der Hauptsitz des Unternehmens in Vettelschoß in Rheinland-Pfalz, produziert werden die Schuhe an insgesamt zehn Standorten in Deutschland.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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