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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 17.07.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.07.2014:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Banken im Fadenkreuz der Justiz

Das Sentiment für Bankaktien hat sich in den letzten Wochen dramatisch verschlechtert. Die US-Aufsichtsbehörden gehen scharf gegen das Fehlverhalten der Banken vor. Dabei geht es nicht nur um Abschreckung, sondern leider auch um politische Willkür.

9 Mrd. $ muss die BNP Paribas den US-Behörden zahlen, weil sie Handelssanktionen umgangen hat. Das ist ein neuer Rekord. Lange galt als Schallgrenze für Strafen die 100-Mio.-Dollar-Marke, dann stieg sie auf 1 Mrd. $ und jetzt, nach der BNP-Buße von 9 Mrd. $, ist nach oben alles offen. Das lässt sich kaum nachvollziehen und wir fragen uns, wie diese Strafen ermittelt werden. Normalerweise wird erst einmal geklärt, wem welcher Schaden entstanden ist. Im Fall der BNP Paribas gibt es keinerlei Hinweise, wie der Betrag festgesetzt wurde. Es wird zwar von Dollartransaktionen in Höhe von 190 Mrd. $ gesprochen, aber eine Verknüpfung zum Strafbetrag gibt es nicht. Bei einer Marge von 0,1 bis 0,2 % entspricht der Strafbetrag vermutlich dem 600-Fachen plus x. Ein Brancheninsider berichtet, dass das Ausmaß der Strafe mit dem eigentlichen Delikt wenig zu tun habe. Viel mehr diene der Betrag, den eine Bank so eben noch verkraften könne, als Grundlage der Strafhöhe. Bissige US-Senatoren versuchen so auch die Wählergunst auf sich zu ziehen.

Die europäischen Banken stecken in der Zwickmühle. Zahlt BNP nicht, wird man vom Dollar-clearing (Entziehung der US-Banklizenz) ausgeschlossen. Da der internationale Handel zum großen Teil in Dollar abgeschlossen wird, würde vielen europäischen Banken die Geschäftsgrundlage entzogen. Stellen Sie sich also darauf ein: Weitere Klagen sind in Vorbereitung. MorganStanley-Analysten schätzen, dass zu den seit 2009 vollzogenen Strafen über 210 Mrd. $ bis 2016 nochmals 75 Mrd. $ dazukommen. Wer könnte wie betroffen sein? Beginnen wir in Deutschland:

• Bei der COMMERZBANK (WKN: CBK 100; 10,88 €) geht es um ein Volumen von 600 bis 800 Mio. $. Ist die Information zutreffend, wäre die Commerzbank vergleichsweise gut davongekommen. Allerdings wäre selbst mit dieser Summe das Volumen der Rückstellungen, die das Bankhaus getätigt hat, überschritten. Das Management hatte 300 Mio. € für Verstöße gegen Sanktionen, mit denen der Iran belegt war, zurückgelegt. Die US-Behörden untersuchen allerdings auch Transaktionen mit Kuba, Nordkorea, Sudan und Myanmar. Die getätigten Geschäfte sind nach deutschem Recht nicht illegal. Da ein Teil des Volumens allerdings über US-Töchter abgewickelt wurde, sind die US-Behörden aktiv geworden. Es wird noch einige Wochen dauern, bis Gewissheit herrscht. So lange dürfte die Aktie unter Druck bleiben.

• Bei der DT. BANK (WKN: 514 000; 25,59 €) sind die Risiken weiterer Strafen deutlich gestiegen. Eine Einschätzung der Kursentwicklung Richtung Jahresende fällt deshalb zunehmend schwerer. Inzwischen darf man davon ausgehen, dass die gebildeten Rückstellungen zum ersten Quartal über 1,8 Mrd. € bei weitem nicht ausreichen werden. Neben der Manipulation der Interbankenzinsen Libor und Euribor, mutmaßlichen Verstößen im Devisen- (Top-4-Bank im FX-Handel) und im Goldhandel kommen nun noch Risikopotenziale aus dem Umgehen von US-Handelssanktionen sowie aus möglichem Fehlverhalten in den sog. Dark Pools (viertgrößter US-Dark Pool) dazu. Bis 2016 wird das Risiko weiterer Strafzahlungen auf 4 bis 5 Mrd. € taxiert. So überzeugt wir davon sind, dass der Kurs der Dt. Bank-Aktie in zwei bis drei Jahren wieder um 40 € notieren wird, so ahnungslos sind wir, was in den nächsten Monaten passieren wird. Bleiben Sie dennoch investiert.

• Vor noch größeren Problemen dürften die britischen Großbanken BARCLAYS, LLOYDS und ROYAL BANK OF SCOTLAND stehen. Ob Manipulation der Interbankenzinsen sowie im FX-Handel, Kreditversicherungsbetrug, unnütze Kreditversicherungen, Umgehen von Handelssanktionen oder Falschverkäufen von Hypotheken-Wertpapieren - überall ist man mit von der Partie. Das ausstehende Prozessrisiko aller drei Banken liegt jeweils um 11 bis 15 Mrd. $.

• Auch die US-Banken sind betroffen. Die Citigroup verhandelt Gerüchten zufolge derzeit mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich in Höhe von 7 Mrd. $. Hier geht es um den Verkauf von schlecht strukturierten Hypothekenwertpapieren vor der Finanzkrise 2008/2009. Auch dieses Thema ist noch nicht vollends vom Tisch. Weitere Strafen über 10 Mrd. $ drohen aus dieser Thematik der Bank of America (Schätzung Morgan Stanley). Bankeninsider rechnen sogar mit 12 bis 17 Mrd. $.

Banken mit geringen Rechtsrisiken: Wenig Angriffspunkte hinsichtlich Prozessrisiken bieten Santander, Unicredit, ING sowie Standard Chartered. Auch bei der Commerzbank dürfte mit dem zuvor genannten Betrag das Gröbste überstanden sein.

Fazit: Bankaktien stecken in der Warteschleife fest. Neben den Prozessrisiken lasten die jüngsten Schieflagen in Portugal (Banco Espirito Santo) und Österreich (Erste Bank) sowie der anstehende EZB-Bankenstresstest auf der Branche. Dagegen hat zunächst auch der niedrige Bewertungsansatz des Sektors keine Chance. Auf lange Sicht bietet das niedrige Bewertungsniveau des Sektors jedoch viel Potenzial.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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