Aktienanleihen: Lukrative Zwitt

Veröffentlicht von Weimer Media Group GmbH am 13.03.2011
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BÖRSE am Sonntag

Eine äußerst attraktive Verzinsung, steuerliche Änderungen und nicht zuletzt auch ihr wohlklingender Name haben Aktienanleihen in der jüngsten Vergangenheit einen neuen Boom beschert. Doch welches Risiko gehen Anleger mit den Hochzinspapieren wirklich ein? Hier erfahren Sie, worauf Sie bei der Auswahl achten müssen.


 

Aktienanleihen sind eigentlich ein alter Hut. In den frühen Neunzigern gehörten die Papiere zu den ersten strukturierten Finanzprodukten, die deutsche Privatanleger erwerben konnten. Mit dem Aufkommen der Zertifikate und im Zuge der Dotcom-Krise verloren die Produkte jedoch ihre Popularität. Jahrelang führten sie an den Börsen nur mehr ein Schattendasein. Seit rund zwei Jahren erleben sie jedoch einen zweiten Frühling.

Aktienanleihen wieder populär

Die Einführung der Abgeltungssteuer zum 01.01.2009 und die niedrigen Zinsen haben die Aktienanleihe wieder in den Fokus der Anleger gerückt: Zum einen haben die Papiere mit der Gesetzesänderung ihren steuerlichen Nachteil gegenüber klassischen Indexund Discount-Zertifikaten verloren, zum anderen ist die Verlockung der hohen Zinscoupons gerade in der derzeitigen Niedrigzinsphase besonders groß: Wie aus den Zahlen des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) hervorgeht, hat sich das ausstehende Volumen der Aktienanleihen alleinzwischen November 2009 und November 2010 auf 4,2 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Die Papiere dürften zudem von der Vertrauenskrise bei den Zertifikaten profitiert haben. Produkte mit der Bezeichnung Anleihe genießen bei vielen Sparern einen guten Ruf.

Schöner Schein

Der Namensbestandteil Anleihe vermittelt aber nur eine scheinbare Sicherheit. Denn bei Aktienanleihen handelt es sich um Schuldverschreibungen des Emittenten. Die Papiere gehören damit zur Familie der Zertifikate und werden dementsprechend bei einer Insolvenz des Emittenten auch so behandelt. Das Vermögen ist beispielsweise im Falle des Falles nicht wie etwa bei Investmentfonds separiert. Wie die Zahlen des DDV belegen, fahren jedoch gerade konservative deutsche Privatanleger auf die Kombination aus fixem Zinscoupon und konservativ anmutender Namensgebung ab. Juristisch betrachtet ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden, weil der Begriff Zertifikat ohnehin ein Kunstwort ist. Streng genommen handelt es sich sowohl bei Staatsanleihen, als auch bei Aktienanleihen und Zertifikaten – egal ob mit oder ohne Garantie – um Schuldverschreibungen. Der Begriff Anleihe wird hierfür synonym verwendet und macht lediglich deutlich, dass Geld verliehen wird.

So funktioniert eine Aktienanleihe

Um zu verstehen, wie das Produkt auf verschiedene Marktentwicklungen reagiert und ob die Ausstattung fair ist, muss man natürlich zunächst verstehen, wie eine Aktienanleihe funktioniert. Das Grundprinzip ähnelt einem Discount-Zertifikat und ist rasch erklärt: Aktienanleihen bieten für eine bestimmte Laufzeit vorab festgelegte und relativ hohe Zinszahlungen. Der „Anleihe“ liegt jedoch kein Geldbetrag zugrunde, sondern sie bezieht sich auf einen bestimmten Basiswert – meist eine Aktie oder einen Index. Im Gegenzug für die vereinbarten Zinszahlungen erhält der Emittent die Dividenden und das Recht, am Ende der Laufzeit über die Art der Rückzahlung zu entscheiden. Je nach Entwicklung des Basiswerts steht es ihm frei, ob er den Nennbetrag ausbezahlt oder eine vorab festgelegte Anzahl von Stücken des Basiswertes liefern möchte. Letzteres ist nichts anderes als eine Put-Option, die es dem Emittenten erlaubt, dem Anleger zum Fälligkeitstermin eine Aktie oder einen Index zu einem bestimmten Kurs anzudienen.

Garantiert hohe Zinsen

Über die Konstruktion der Aktienanleihe wird der Anleger, ähnlich wie bei einem Discountzertifikat, in die Lage versetzt, auf bequeme Weise aus dem Verkauf von PutOptionen einen Ertrag zu erzielen. Das ist besonders in Seitwärtsphasen attraktiv. Denn bewegt sich der Basiswert nicht, erzielt der Anleger über die fixen Zinszahlungen trotzdem einen schönen Gewinn. Die Zinsen setzen sich dabei aus der Optionsprämie, den Geldmarktzinsen und der erwarteten Dividende des Basiswertes zusammen. Ob der Kupon angemessen ist, hängt jedoch nicht vom aktuellen Zinsniveau für „risikolose“ Anlagen ab. Das Zinsversprechen darf daher nicht mit der Rendite von deutschen Staatsanleihen verglichen werden.

Gewinne sind begrenzt

Stattdessen muss er in Bezug zu dem Risiko gesetzt werden, dass der Basiswert bis zum Ende der Laufzeit fällt und der Anleger beim investierten Kapital – also der Hauptforderung – Verluste erleidet. Das ist insofern von großer Bedeutung, als das Verlustpotenzial theoretisch unbegrenzt ist. Die Zinszahlungen und ein eventuell unter dem derzeitigen Niveau liegender Basispreis sind daher als Puffer zu betrachten, die dem Rabatt bei einem Discount-Zertifikat entsprechen. Die Zinszahlungen sorgen zudem dafür, dass die Verluste bei Kursrückgängen im Basiswert stets niedriger ausfallen als bei einem Direktinvestment. Demgegenüber sind die Gewinne nach oben jedoch begrenzt: An Kursgewinnen des Basiswertes nimmt der Anleger in der Regel nicht teil. Sein Gewinn ist auf die fixe Verzinsung beschränkt.

Produkte im Vergleich

Wie fair die Ausstattung der Aktienanleihe ist, lässt sich am besten durch einen Vergleich einschätzen. Eine neue Daimler-Aktienanleihe der Landesbank Berlin mit einer Laufzeit bis zum 23.12. des laufenden Jahres bietet eine feste Verzinsung von 5% pro Jahr. Der Basispreis der Aktienanleihe liegt bei 80% des derzeitigen Kursniveaus der Daimler-Aktie. Nur wenn der Kurs bei Fälligkeit unter diesem Niveau liegt, erleidet der Anleger Verluste. Der Kurs müsste also um mehr als 20% fallen. „Echte“ Anleihen des Konzerns (verschiedene Tochtergesellschaften) mit Laufzeit bis zum 04.10.2011 bringen derzeit lediglich 1,6% p.a. (WKN: A0DDFR) beziehungsweise rund 2,3% (WKN: A0T74C) bei einer etwas längeren Laufzeit bis zum 26.03.2012. Der Spread von rund 3% ist daher die Vergütung für das Risiko, dass die Daimler-Aktie am Ende des Jahres um über 20% niedriger rentiert als heute. Noch mehr bietet eine neue Aktienanleihe auf den Daimler-Konkurrenten BMW. Macquarie Oppenheim zahlt bei der ebenfalls brandneuen EASY Aktienanleihe auf die Aktie von BMW (WKN MQ2BBB) eine Verzinsung von 8,25% bei einem Puffer von rund 35%. Solch hohe Kursverluste sind aus heutiger Sicht bei den boomenden Autowerten nicht unmöglich, aber relativ unwahrscheinlich. Unter dem Strich erscheinen die Aktienanleihen daher als attraktiv.

Kurze Laufzeiten gefragt

Wird eine Aktienanleihe nicht zum Starttermin erworben, liegt der Kurs nur selten bei exakt 100% (pari). Der Nominalzins muss dann zunächst in Bezug zum Kaufniveau relativiert werden. Die Laufzeiten der Papiere haben sich seit Einführung der Abgeltungssteuer deutlich reduziert. Da eine Haltedauer von unter einem Jahr steuerlich keine Nachteile mehr bringt, bevorzugen viele Anleger heute kürzere Veranlagungen. Wie alle anderen Zertifikate können Aktienanleihen jedoch grundsätzlich zu jedem beliebigen Zeitpunkt über die Börse geund verkauft werden. Während der Laufzeit wird der Kurs der Aktienanleihen vor allem von der Entwicklung des Basiswertes und weniger – im Gegensatz zu Unternehmensund Staatsanleihen – durch die Veränderung des Zinsniveaus beeinflusst. Der Puffer greift erst am Ende der Laufzeit, sodass bei einem vorzeitigen Verkauf auch bei geringeren Kursrücksetzern Verluste möglich sind.

Fazit

Aktienanleihen eignen sich vor allem für Anleger, die eine Seitwärtsbewegung oder leicht negative Entwicklung am Aktienmarkt erwarten und ein kurzfristiges Investment suchen, dessen Risiko zwischen dem einer Investition am Aktienmarkt und dem Kauf von Unternehmensanleihen liegt. Wichtig: Bei Aktienanleihen handelt es sich nicht um kapitalgeschützte Papiere. 

 

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