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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 29.08.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 29.08.2013:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

ABB (919 730; 20,64 CHF) kann nicht nur in der Krise gut bestehen

Das Schweizer Unternehmen stellt Komponenten zur Stromerzeugung, -übertragung und -verteilung her, aber auch Elektromotoren und -antriebe und Generatoren. Darüber hinaus produziert ABB Automatisierungslösungen, Robotik und Elektroinstallationen. ABB hat die Krise 2008/09 nicht nur dazu genutzt, sich fit zu trimmen, sondern auch in zukünftige Marktsegmente investiert. Seinerzeit hatte man sich ein Sparprogramm mit einem Volumen von 1,3 Mrd. $ auferlegt. Gleichzeitig hatte man die Ausgaben für Forschung und Entwicklung peu à peu gesteigert. Hatte die Quote im Jahre 2008 noch bei 3,0 % gelegen, waren es 2012 bereits 3,7 %. Zudem sind in den Jahren 2011 und 2012 je 1 Mrd. $ eingespart worden.

Aber ABB ruht sich nicht auf dem bisher Erreichten aus. Auch weiterhin setzt man sich zum Ziel, die Kosten durch Ausgabensenkungen und Produktivitätssteigerungen um jährlich 3 bis 5 % zu senken. Zudem werden Forschung und Entwicklung globalisiert, um regionale Marktbesonderheiten zu nutzen und vor Ort konkurrenzfähig zu bleiben.

Tatsächlich kann sich ABB Stillstand auch gar nicht leisten, denn momentan bekommt man eine ausgeprägte Zurückhaltung bei Großinvestitionen zu spüren. Das spiegelt sich in den Auftragseingängen wider, die im 1. Halbjahr um 8 % zum Vorjahr gesunken sind. Überproportional belastend wirkt sich derzeit eine eigentliche Stärke ABBs aus, nämlich die starke Präsenz in den Schwellenländern. Ein Umsatzanteil von 46 % war insbesondere bei der Bewältigung der Krisenjahre 2008/09 sowie 2011/12 ein stärkender Faktor. Mittlerweile hat aber wieder das Umsatzgewicht der etablierten Industrieländer zugenommen. Mitverantwortlich hierfür sind die beiden jüngsten Großakquisitionen, nämlich Baldor (2011) sowie Thomas & Betts (2012). Dass beides sehr US-lastige Unternehmen sind, könnte nun wiederum ein Vorteil sein, denn der US-Markt für ABB-Produkte erholt sich derzeit besonders dynamisch.

ABB profitiert darüber hinaus von zwei langfristigen Trends. Zum einen steigt der Bedarf an Strom permanent. ABB stellt alles her, was benötigt wird, um Strom effizient zu transportieren und zu nutzen. Zum anderen steigt der Druck auf Unternehmen, industrielle Prozesse mithilfe von Automation effizienter und präziser zu gestalten. Das gilt für Schwellenmärkte und etablierte Industrieländer gleichermaßen. In den Industrieländern dominiert das Modernisierungs- und Ersatzgeschäft, während es in den Emerging Markets noch um den Kapazitätsaufbau geht. Personalintensive Betriebe in Ländern wie China beispielsweise müssen verstärkt automatisieren, um nicht nur kostenmäßig, sondern auch in qualitativer Hinsicht auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Und die Hersteller in den Industrieländern können nur mithilfe von vollautomatisierten Produktionsanlagen mit der Konkurrenz aus anderen Industrieländern mithalten. Auch die Vision der „Reindustrialisierung Amerikas“ lässt sich nur in die Realität umsetzen, wenn die Unternehmen dort massiv in Automatisierungslösungen investieren. Das alles spielt ABB in die Hände.

ABB ist gut gerüstet, auch in konjunkturell zähen Phasen hohe Margen zu erwirtschaften. Derzeit hinkt man allerdings noch hinter den 2011 definierten Zielen her. Seinerzeit hatte man sich auf die Fahnen geschrieben, zwischen 2010 und 2015 den Umsatz pro Jahr organisch um 7 bis 10 % zu steigern, eine EBITDA-Marge von 13 bis 19 % zu erzielen und den Gewinn je Aktie um 10 bis 15 % p. a. zu erhöhen. Lediglich mit der EBITDA-Marge von 14,1 % im 1. Halbjahr befindet man sich derzeit im Zielkorridor. Den Umsatz konnte man zwar deutlich steigern, aber das vor allem durch Akquisitionen. Nachdem man 2007 über eine Nettoliquidität von über 7 Mrd. $ verfügte, fuhr man in den folgenden Jahren einen dynamischen Akquisitionskurs. Von 2010 bis 2012 kaufte man 28 Unternehmen für insgesamt 8,7 Mrd. $. Das blähte zwar die Bilanz auf und erhöhte den Goodwill, die Bilanzrelationen blieben aber dennoch solide.

Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Investitionsgüterzyklus nach den vergangenen schwachen Jahren nun wieder an Fahrt gewinnt, ist eine Riesenchance für ABB. Die konsequenten Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen dürften bei einem anspringenden Markt überproportionale Gewinnsteigerungen zur Folge haben. Schafft ABB es, bis 2015 eine EBITDA-Marge von 16 % zu erzielen und bis dahin den Umsatz auf 44 Mrd. $ zu steigern, würde das in einem Gewinn von 3,8 bis 4 Mrd. $ resultieren. Das entspräche einem Gewinn je Aktie von 1,60 bis 1,70 CHF. Ein Umsatz von 45 Mrd. $ und eine EBITDAMarge von 17 % ergäbe 1,80 CHF. Damit würde der Gewinn je Aktie innerhalb von nur zwei Jahren um 23 bis 38 % zulegen. Diese Prognose ist sogar noch konservativ. Erholt sich der Markt schneller als angenommen, wird der Gewinn noch stärker zulegen. Mit einem KGV von 14 auf Basis der Gewinnschätzung für kommendes Jahr ist die Aktie zwar branchenüblich bezahlt, birgt aber dennoch ein höheres Kurspotenzial als die Konkurrenz. Fazit: Konservative Anleger mit einem Anlagehorizont von 2 bis 3 Jahren sollten Schwächephasen konsequent zum Positionsaufbau nutzen!

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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