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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 20.04.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.04.2009:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Wunschanalyse Apple - Innovation mit Blick für das Wesentliche

Apple hat führende Marktpositionen bei Computern, MP3-Playern und im Handymarkt. Die Gewinnmargen machen die Konkurrenz neidisch, doch der Gründer Steve Jobs ist krank. Ich gehe der Frage nach, wie weit Apple auch ohne Steve Jobs innovativ bleiben kann.

MACINTOSH COMPUTER: TOP QUALITÄT ZU FAIREM PREIS

Ihr Autor schreibt diese Analyse auf einem MacBook. Nach meinem Studium, das ich 1990 bis 1995 mit Apple-Rechnern bestritten habe, musste ich berufsbedingt in die Windows-Welt abtauchen. Erst dieses Jahr habe ich mich wieder für einen Apple entschieden und bin bereits begeistert.

Apple hat die größten PC-Hersteller abgehängt, nach IBM und Dell ist nun Hewlett Packard (inklusiv übernommenem Compaq-Bereich) der Hauptkonkurrent in Sachen Laptops und Computer.

Ein Mac ist nicht günstiger oder leistungsfähiger als ein vergleichbarer HP-Rechner, im Gegenteil, er ist sogar weniger flexibel. Es gibt weniger Soft- und Hardware als in der Windows-Welt. Aber wenn Sie wie Ihr Autor jeden Tag 10 Stunden am Rechner sitzen, seit 25 Jahren die Flexibilität der DOS/Windows-Welt genutzt haben und zusammenzählen, wie viel Zeit Sie in die Nutzung der „ach so tollen Möglichkeiten der Windows-Welt“ gesteckt haben, dann sind Sie vielleicht auch irgendwann einmal bereit, etwas weniger Flexibilität in Kauf zu nehmen, gleichzeitig auf die Billigprodukte zu verzichten (die eh fehleranfälliger sind) und nutzen eben dann das eingeschränkte, aber perfekt aufeinander abgestimmte Angebot von Soft- und Hardware aus dem Hause Apple.

Apple hat in der Computerwelt einen festen Platz. Dieser Platz ist purer Luxus, denn dank großer Stückzahlen kann Apple hochwertige Komponenten zu einem fairen Preis bieten und dabei bessere Gewinnmargen realisieren als die Konkurrenz.

IPOD: MODEACCESSOIR

Während Sie MP3-Player anderer Hersteller inzwischen nachgeschmissen bekommen, hat Apple das Kunststück vollbracht, an diesen Dingern auch noch ordentlich zu verdienen. Hier gilt: Der hohe Preis ist wie bei einem Modeartikel in erster Linie für das Image, das man kauft. Als größter Hersteller von MP3-Playern kann auch hier Apple die neuesten Technologien anbieten.

Doch die Situation ist fast schon irrwitzig: Achten Sie einmal bei den Schulkindern darauf, wie die mit den MP3-Playern umgehen: Wer „nur“ einen MP3-Player hat, und keinen iPod, der gilt als arm oder scheint wohl auf gute Musik nicht viel Wert zu legen. Wer etwas auf sich hält, der hat einen iPod.

Okay, Ihr Autor hat drei – aber das waren Werbegeschenke. Technologisch halte ich die iPods nicht für besser als andere MP3-Player. Auch der vermeintliche Vorteil der einfachen Einkaufgelegenheit von Musik über iTunes, der Apple-Plattform für den Vertrieb von Musik, ist in meinen Augen kein hartes Argument, sondern lediglich Marketinggewäsch. Doch erfolgreiches Marketinggewäsch. Denn obwohl das Einkaufen von MP3-Musik auch über diverse andere Musikplattformen problemlos funktioniert, wollen immer mehr Teenies gerade über iTunes Musik kaufen.

Der Erfinder des Walkman, der noch mit den tragbaren CD-Playern seine führende Rolle behaupten konnte, ist in Sachen MP3 nun abgeschlagen: Sony. Die Japaner taumeln von einer Krise in die nächste, inzwischen führt sogar ein Amerikaner das japanische Unternehmen, viel schlimmer kann es wohl kaum noch werden. Es ist erstaunlich, wie Apple diese Domäne Sonys übernehmen konnte.

Für Apple als Bonus gilt der Effekt, dass viele zufriedene iPod-Käufer auch über den Kauf eines Apple Computers nachdenken. Zum einen steht Apple für gute Qualität, zum anderen funktioniert die Verbindung zwischen iPod und Mac perfekt.

Apple hat in der MP3-Welt einen festen Platz. Auch bei den iPods kann eine höhere Gewinnmarge durchgesetzt werden, als bei der Konkurrenz, weil das Image stimmt.

IPHONE: DAS, WAS EIN TELEFON KÖNNEN SOLLTE

Das iPhone war das, worauf die Apple-Fangemeinde gewartet und gehofft hatte. Perfekte Verbindung zum Computer, Adressbuch, Kalender etc. sind leicht synchronisierbar. Aber viel besser noch: Das Surfen im Internet wird erstmals sinnvoll nutzbar. Dank Multi-Touch und großem Display ist es beim iPhone erstmals gelungen, das mobile Internet ohne Abstriche nutzbar zu machen.

Natürlich kann auch ein Blackberry von Research in Motion fast alles, was ein iPhone kann und noch einiges mehr. Aber wie bereits eingangs beschrieben: Die Kompatibilität zum Computer muss immer erst konfiguriert werden, die Vielzahl der Softwarelösungen lässt die Synchronisation immer komplizierter werden. Wer den Anspruch auf grenzenlose Flexibilität über Bord wirft und dafür eingeschränkte und funktionierende Funktionen nutzt, der ist beim iPhone richtig.

Der Wettbewerb ist jedoch schärfer als bei PCs und MP3-Playern, denn Apple schafft es im Handymarkt noch nicht, die hohen Gewinnmargen für die eigenen Geräte durchzusetzen. Heftige Preissenkungen nach der Produkteinführung vor fast drei Jahren waren notwendig, um die angestrebten Marktanteile zu erobern.

Ich vermute, dass Apple sich beim iPhone von seinem Geschäftsmodell verabschiedet hat und vielmehr erst einmal Marktanteile sichern möchte, um dann später durch Softwareangebote zu verdienen. Motorola hat aufgegeben, Nokia und Samsung hingegen haben inzwischen technologisch ähnliche Produkte auf dem Markt. Hier ist der Kampf noch nicht entschieden, ob das iPhone eine ähnliche Vormachtstellung erringen kann, wie der iPod im Bereich der MP3-Player.

STEVE JOBS: BLICK FÜR DAS WESENTLICHE

Kaum ein anderes Unternehmen wird so stark mit einer Person in Verbindung gebracht wie Apple mit dem Gründer Steve Jobs. Es sind nicht die „Innovationen“, die Apple nach vorne gebracht haben, sondern es ist der Blick für das Wesentliche, mit dem Steve Jobs immer wieder mit revolutionär einfachen Ideen aufwartet. Über Apple wird auch gesagt, dass das Unternehmen besonders gut im „Weglassen“ ist. So sind die Macs übersichtlich und nicht mit tausend Schnittstellen ausgestattet. So sind die iPods ebenfalls ohne irgendwelchen Schnickschnack. Und das iPhone ist wohl der Gipfel im Weglassen: Die Tasten gibt es beim iPhone nur noch auf dem Touch-Screen.

2004 hatte Steve Jobs erfolgreich seinen Bauchspeicheldrüsenkrebs bekämpft. Apple war unter Beschuss geraten, weil das Unternehmen lange Zeit verheimlicht hat, das Jobs an Krebs litt. Erst mit der Meldung über die erfolgreiche Behandlung wurde diese Information bekannt gemacht.

Seither sind Analysten skeptisch und betrachten jedes Photo von Steve Jobs kritisch. Im vergangenen Jahr trat Jobs sichtlich dünn vor die Kameras und so wurde spekuliert, dass der Krebs erneut ausgebrochen sein könnte. Der Kurs der Apple-Aktie vollführte Achterbahnfahrten, je nach Informationslage. Zu Beginn dieses Jahres wurde nun bekannt gegeben, dass Jobs an einer Krankheit leide, die zu Gewichtsverlust führe und dass dies aber nichts mit dem Krebs zu tun habe. Er hat nun eine Auszeit von einem halben Jahr genommen.

Wenn Sie mich fragen: Das klingt nicht sehr überzeugend. Ich stelle mir vermehrt die Frage, was aus einem Unternehmen Apple ohne die Führungsperson Steve Jobs wohl wird. Immer wieder wird auf die Zeit in den 90er Jahren verwiesen, als Jobs aus dem Unternehmen getrieben wurde und anschließend das Unternehmen den Bach runter ging. Erst durch seine Rückkehr fand Apple neue Märkte wie die iPods und startete ein fulminantes Wachstum.

Wenn Jobs nun dem Unternehmen nicht mehr zur Verfügung stehen sollte, dann ist die Situation mit der damaligen dennoch nicht vergleichbar. Damals war Jobs fortgejagt worden, weil es unterschiedliche Auffassungen über die künftige Unternehmensstrategie gab. Heute steht das Unternehmen hinter Steve Jobs Ideen wie eine Eins.

Darüber hinaus ist der Kurs von Apple aufgrund der Krankheitsgerüchte um Steve Jobs um 50% gefallen. Ich denke, kurzfristig ist das ausreichend, um ein vernünftiges Bewertungsniveau für Apple „ohne Jobs“ zu finden.

Doch es ist nicht zu leugnen, dass die strategischen Qualitäten von Steve Jobs sicherlich eine Lücke hinterlassen werden, die nicht leicht zu schließen ist. Nach Knallern wie dem iPod und dem iPhone wird es schwer für Apple, weitere neue Märkte mit ähnlich perfektem Auftritt zu erschließen.

BEWERTUNGSNIVEAU

33 Mrd. US$ Umsatz werden mit einer Marktkapitalisierung von 103 Mrd. US$ bewertet. Das entspricht einem Kurs/Umsatz-Verhältnis (KUV) von 3. Allerdings können wir 25 Mrd. US$ Barmittel von der Marktkapitalisierung abziehen, so dass wir eine Umsatzbewertung von nur noch 78 Mrd. US$ erhalten, was einem KUV von 2,4 entspricht. Ein KUV über 1 muss schon mit besonders guten Gewinnmargen gerechtfertigt werden. Die Gewinnmarge von Apple beträgt 19%, das ist besonders gut.

Das KGV steht bei 21. Ich kann mich kaum erinnern, in den vergangenen fünf Jahren die Apple-Aktie einmal mit einem solch günstigen KGV bewertet gesehen zu haben. Bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 17% p.a. für die nächsten fünf Jahre wäre für einen Marktführer auch ein KGV in Höhe des zweifachen Wachstums vertretbar, also von 34. Der Kurs könnte aus dieser Perspektive also gut noch um 50% zulegen.

Meine bisherige Betrachtung hat insbesondere die Hardware von Apple ins Auge gefasst. Doch Apple drängt immer stärker in das Geschäft durch Musik- und Video-Downloads Geld zu verdienen. Hier sind die Gewinnmargen ungleich höher als beim Hardwaregeschäft. Derzeit werden insbesondere Musik und Videos für die iPods heruntergeladen.

Künftig jedoch wird es auch immer mehr kostenpflichtige Angebote für iPhone Nutzer geben. Natürlich ist das iPhone gleichzeitig auch ein iPod, kann also Musik und Videos abspielen. Und durch die Anbindung ans Internet, sogar über UMTS, können Musik und Filme direkt von unterwegs geladen werden.

Ich denke, Apple ist in einer beneidenswerten Position: Über die führenden Positionen bei der Hardware kann nun auch das Online-Angebot ausgebaut werden. Die Einnahmen aus diesem Bereich entwickeln sich gerade erst, hier erwarte ich die größten Wachstumssprünge in der Zukunft.

FAZIT

Der Aktienkurs von Apple ist gut durch die Krise gekommen, aus meiner Sicht hat die Aktie für die nächsten 12-18 Monate ein Kurspotential von 50-70%. Vor dem Hintergrund des gerade überstandenen Börsencrashs ist das nicht besonders viel, aber immerhin.

Darüber hinaus würde ich meine Strategie von der Rückkehr von Steve Jobs abhängig machen. Ich halte das Unternehmen für in der Lage, die eingeschlagenen Wege weiter zu beschreiten und auf Sicht vieler Jahre gut Geld zu verdienen. Der Aktienkurs würde sich dann im Rahmen des allgemeinen Marktes kontinuierlich nach oben entwickeln. Ob die Apple-Mannschaft ohne Jobs ähnlich bahnbrechende Produkte aushecken kann, würde ich jedoch erst einmal abwarten.

Kommt Steve Jobs jedoch in diesem Sommer geheilt zurück ins Unternehmen - und ich wünsche ihm das! - dann dürfen Sie ein Kursfeuerwerk erwarten.

Da die Aktie in den vergangenen 4 Wochen von 65 Euro auf 88 Euro gelaufen ist, würde ich für einen Einstieg auf eine Konsolidierung warten. Diese sollte den Kurs nochmals unter 80 Euro drücken. Dort würde ich kaufen. Die 100 Euro halte ich bis zum Sommer für möglich, dort würde ich dann Teilgewinne mitnehmen und auf Neuigkeiten zu Steve Jobs Gesundheitszustand warten.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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