Wir ziehen eine Bilanz, a) aus dem Verlauf und b) aus der Interpretation aller Folgen der Finanzkrise, und formulieren am Ende das Ergebnis.

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 16.12.2009
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Actien-Börse

Dabei spielt das Wort Interpretation die entscheidende Rolle. Die Gauss’sche Glocke in das Zentrum dieser Interpretation zu stellen, erschien gewiß riskant und herausfordernd, war ungewöhnlich umstritten, wenn auch teilweise nicht verstanden.


Die Gauss’sche Glocke definiert die Wahrscheinlichkeit eines Verlaufes, der ursächlich eine mathematische Formel ist und die wir zur Interpretation des Ablaufes einer Finanzkrise verwendeten, indem wir sie auf den Kopf stellten. Das war richtig. Der berühmte Nationalökonom David Riccardo war uns eine weitere Hilfe bei dieser Interpretation, die stets die Folge einer vorausgehenden Analyse darstellt: „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie.“ Weil das so ist, kamen wir in den meisten Fällen zu einer anderen Deutung der Krisensymptome und -folgen als die Mehrzahl der Analysten sowohl in den USA als auch in Europa. Dies war wiederum die Grundlage unserer eingangs erwähnten anderen Investmentstrategie mit dem beschriebenen Erfolg. Sie wird auch im neuen Jahr 2010 anzuwenden sein, aber mit ganz anderen Akzenten. Die Gauss’sche Glocke ökonomisch zu interpretieren und auf die tatsächlichen Verläufe in den einzelnen Branchen oder Unternehmen zu übertragen, wird im kommenden Jahr zu wesentlich differenzierten Resultaten führen, als bei der technischen Erholung seit März, wo es bemerkenswerte Parallelen gab. Ab 2010 läuft einiges nach einem ganz anderen Muster ab. Zum Jahresende sieht das Bild so aus, wie in dem DEKA-EZB-Kompaß dargestellt, den wir bereits häufig an dieser Stelle gezeigt haben. Zu erwähnen ist hier auch der Handelsblatt-Indikator von gleicher Qualität. Dieser Kompaß setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die ein Spiegelbild der Gesamtsituation ergeben. Es ist eine sehr intelligente Kombination der Wirkungen von monetären und realwirtschaftlichen Daten für ein Gesamtbild. Hieraus ergibt sich eine Vorschau, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit verbunden ist. Sie ist daher ein sehr brauchbarerer Kompaß dafür, wie der deutsche Aktienmarkt diesem Trend folgt oder auch vorgreift. Die zeitliche Abweichung ist relativ gering. Zum Jahresende ist die Wende längst bestätigt. Der Verlauf der kommenden drei oder vier Jahre läßt sich noch nicht erkennen, aber in seiner Abfolge sicherlich schon erahnen. Das ist monatlich zu überprüfen, weil in gleicher Form auch die Aktientendenz dem folgt und fast identisch reagiert. Die Finanzkrise war bekanntlich ein extrem scharfer Schnitt im monetären Geschäftsfeld mit der ebenso extremen Folge für die Realwirtschaft. Daraus entstanden Krisen-Szenarien aller Art, die rückwirkend kaum noch erwähnenswert sind. Daß sich die reale Wirtschaft aber so schnell erholen bzw. befestigen konnte, ist vielfach bestritten worden. Gauss zum einen und eine sorgfältige Interpretation aller Komponenten zum anderen haben jedenfalls gut zusammengewirkt, um ein klares Erkenntnisbild zu liefern. Das eine steht in jedem Lehrbuch, das andere ist sorgfältige Arbeit von guten Teams, zur richtigen Erkenntnis zu kommen. Das Seltsame daran: Weder Regierung noch Sachverständige oder Konjunkturforscher haben sich dieser Theorie und wissenschaftlicher Erkenntnis bedient, um daraus eine wirklich aussagefähige Interpretation zu entwickeln, was man auch als Grundlage einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik verwerten kann.

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