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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 22.01.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 22.01.2016:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Willkommen in der Welt normaler Aktienmärkte

Das mag Sie jetzt wenig beruhigen oder vielleicht sogar verärgern, denn wenn solche Korrekturen normal sind, warum kommen sie dann so überraschend? Und warum können wir uns nicht besser darauf vorbereiten?

Sehen wir uns einer "normalen" Aktienmarktkorrektur gegenüber?

Nun, zum einen liegt es in der Natur von Aktienmärkten, dass Haussen und Baissen nur sehr schwer zu terminieren sind. Zum anderen muss ich in diesem Fall zugeben, dass auch ich von der aktuellen Korrektur ziemlich überrascht wurde.

Daher gilt es für mich vordringlich, eine Frage zu beantworten: Sehen wir uns einer Situation gegenüber, die den Beginn einer lang anhaltenden Baisse einläutet, in der nicht nur die Aktienmärkte korrigieren, sondern auch die Konjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird? Oder handelt es sich lediglich um eine "normale" Aktienmarktkorrektur?

Bislang gehe ich davon aus, dass wir nur eine "normale" Aktienmarktkorrektur sehen. Insbesondere für den deutschen Aktienmarkt gibt es wenig Grund zur Sorge. Der günstige Ölpreis hilft unserer Wirtschaft, da deutsche Unternehmen in erster Linie Öl konsumieren und kaum an der Förderung beteiligt sind. Der günstige Euro-Wechselkurs hilft dem Export. Konjunkturell leiden Schwellenländer stärker unter dem starken US-Dollar und der US-Zinserhöhung als Industrienationen. Entsprechend wird sich der Exportanteil in Deutschland zulasten von China in Richtung Europa und USA verschieben.
 

Mögliche Szenarien

Der bisherige Rückgang des chinesischen Wachstums auf derzeit 6,9% Konjunkturwachstum kann locker von den USA aufgefangen werden. Ein Konjunktureinbruch in China, das sogenannte "hard landing" mit negativen Wachstumsraten, würde das deutsche Konjunkturwachstum voraussichtlich mit mit 2% belasten, also ebenfalls ins Minus drehen. Ein solches Szenario ist derzeit jedoch meines Erachtens nicht gegeben. Das Konjunkturwachstum von noch immer 6,9% zeigt, dass auch in China lediglich Finanzmarktturbulenzen zu beklagen sind, nicht jedoch ein Konjunktureinbruch.

Zudem haben unsere Wirtschaftsinstitute vorgerechnet, dass die Ausgaben für die Flüchtlinge in Deutschland unser Bruttosozialprodukt im laufenden Jahr um 0,2% antreiben werden.
 

Niedriger Ölpreis und seine Auswirkungen 

Noch gar nicht berücksichtigt ist die Wirkung des niedrigen Ölpreises auf unsere Automobilindustrie. Noch vor wenigen Wochen schien der Siegeszug der Elektroautos unaufhaltbar. Heute fragt man sich, wie denn Tesla gegen die etablierte Automobilindustrie bestehen kann, wenn das Benzin nun auch noch spottbillig ist. Das billige Benzin wird den Absatz der Luxuswagen ankurbeln, also der S-Klasse / 7er, sowie der SUVs. Und genau dort sind die Gewinnmargen der Automobilhersteller am größten.

Wurden zum Jahresbeginn also noch die Turbulenzen an den Finanzmärkten Chinas für den globalen Aktienmarktausverkauf verantwortlich gemacht, so schaut man heute auf den Ölpreis. Mit Unterschreiten der 42 USD/Fass WTI gab es kein Halten mehr, gestern sackte der Ölpreis vorübergehend unter 27 USD/Fass WTI, um sodann eine starke Gegenbewegung zu starten, die den Ölpreis heute über 31 USD/Fass WTI führt. Als ob ein steigender Ölpreis gut sei für die Wirtschaft steigen nun auch alle Aktienkurse an den Weltbörsen.

Markiert dies nun den Boden der Korrektur? Haben wir den Schrecken des Jahresanfangs nun überwunden? Oder handelt es sich um nichts weiter als eine vorübergehende Gegenbewegung, bevor wir dann neue Tiefs in Angriff nehmen?

Schauen wir uns zunächst einmal die Entwicklung der wichtigsten Indizes im Wochenvergleich an:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES



Das heftige Verkaufen der beiden Vorwochen hat sich tatsächlich etwas beruhigt. Das Minus der einzelnen Aktienindizes ist nicht mehr so groß wie zuvor. Inzwischen liegen der Dow Jones mit 9% und DAX und Nikkei mit 11% im Vergleich zum Jahresbeginn hinten. Shanghai notiert sogar 19% unter dem Jahresbeginn.

Mit Abstand die größten Gewinner seit Jahresbeginn sind Anleihen, deren Rendite wieder Kurs auf Rekordtiefs genommen haben. Der Ölpreis notiert, auch nach der gestrigen und heutigen Gegenbewegung, noch immer 17% unter Jahresbeginn. Und der Baltic Dry Verschiffungsindex zeigt nach wie vor einen Quasi-Import-Exportstillstand Chinas an.

Auch wenn China 6,9% Wachstum für das vierte Quartal vermeldet hat bleibt die Befürchtung eines "hard landings" bestehen, und zumindest der Verschiffungsindex scheint diese Befürchtung zu unterstützen. Ich habe den Eindruck, dass ein deutlich langsameres Wachstum in China, sagen wir bis 5%, bereits an den Finanzmärkten eingepreist ist. Sofern seitens Chinas diese Ziffer nicht nach unten durchbrochen wird, sollten die Turbulenzen Chinas inzwischen in unseren Aktienmarkt eingepreist sein.

Die wichtigste Frage ist derzeit also: Wo geht der Ölpreis hin? Und wann werden die Finanzmärkte das eingepreist haben? Ich werde in Kapitel 04 auf diese Frage näher eingehen. Zunächst schauen wir uns nun das Sentiment, also die Stimmung unter den Anlegern einmal genauer an.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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