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Veröffentlicht von Uwe Lang Chefredakteur Börsensignale am 20.11.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.11.2015:

Börsenbrief BÖRSENSIGNALE
BÖRSENSIGNALE

SWISSINVEST - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Juni 1987

Was beeinflusst die Börsenkurse?

Ein turbulentes Aktienjahr liegt hinter uns. Zunächst ungebremster Optimismus, dann Dämpfer durch eine befürchtete Staatspleite in Griechenland und Konjunktursorgen in China und anderen Schwellenländern. Die Kurse fielen.

Doch dann hellte sich plötzlich ab Oktober wieder die Börsenlage auf. Man wusste eigentlich gar nicht so genau, warum. Weder in den USA noch in Europa hatten sich die Konjunkturmeldungen oder die Berichte aus den Unternehmen wesentlich verbessert. Besteht denn nicht ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftslage und Aktienkursen?

Einen Zusammenhang gibt es freilich. Das geht auch aus einem Vergleich des deutschen Aktienindex (DAX) mit dem monatlichen IFO-Geschäftsklima-Index hervor. Der Geschäftsklima-Index wird ermittelt durch eine Befragung der Topmanager von Großkonzernen in Deutschland über die Lage und die Aussichten ihres Unternehmens.
Aber das erklärt nicht alles. Warum verdoppelte sich der DAX von Mitte 2011 bis zum Frühjahr 2015, obwohl sich die Konjunkturaussichten offensichtlich gar nicht mehr weiter verbessert hatten?

Offensichtlich beeinflussen auch andere wichtige Faktoren die Aktienkurse. Und das sind zunächst einmal die Zinsen. Wenn es für sichere Geldanlagen wie Festgeld, Tagesgeld und Bundesanleihen kaum mehr ordentliche Zinsen gibt – so in den letzten Jahren – ,dann müsste auch zwangsläufig die Attraktivität von Aktien zunehmen. Die Dividendenrendite von DAX-Konzernen bietet derzeit einen mittleren Wert von 2,34%. Zehnjährige Bundesanleihen weisen nur eine Rendite von 0,69% auf. Eigentlich müssten daher die Aktienkurse noch sehr viel höher liegen. Es gibt aber zwei Gründe, die Sparer vorsichtig machen. Das sind zum einen die heftigen Schwankungen des Aktienmarktes. Man hat zur Jahrtausendwende schlimme Erfahrungen mit Telekom-Aktien und mit dem Neuen Markt gemacht. Viele haben sich damals geschworen, nie mehr Aktien anzufassen.

Der zweite Grund: Niemand glaubt, dass die Zinsen nun immer so niedrig bleiben wie jetzt. Man kennt doch noch aus früheren Zeiten Anleiherenditen von neun bis elf Prozent! Und noch vor sieben Jahren, Mitte 2008, gab es 4,66% für zehnjährige Bundesanleihen.
Die jetzigen Null-Zinsen hängen freilich auch damit zusammen, dass es fast keine Inflation gibt. Und das ist nicht nur positiv zu sehen. Denn stagnierende Preise zeigen eine Nachfrageschwäche an. Sind die Märkte gesättigt oder haben alle Angst vor der Zukunft? Umfragen unter der Bevölkerung melden eigentlich das Gegenteil, zumindest in Deutschland. Sparen ist so wenig angesagt, dass schon bald die Sorge berechtigt ist, ob die Deutschen für ihre Alterssicherung genügend tun.

Man hat auch schon den Zentralbanken vorgeworfen, sie hätten durch ihre Niedrigzinspolitik die Renditen bei Anleihen so weit nach unten manipuliert. Doch dieser Vorwurf ist unberechtigt. Zunächst einmal mussten die Zentralbanken eingreifen, um wieder Vertrauen an den Anleihemärkten herzustellen. Angst vor Staatspleiten in Spanien, Portugal und Italien hätten an der Börse zu Panikreaktionen führen können. Als die Anleihezinsen in diesen Ländern dann wieder fielen, waren weiterhin niedrige Leitzinsen dringend nötig. Denn  wenn die Renditen der Anleihen unter die Renditen der kurzfristigen Geldmarktzinsen fallen, so wie es 2007/2008 der Fall war, ist eine Rezession (Schrumpfung der Konjunktur) fast unausweichlich. Das haben wir 2009 erlebt. Und zum Glück haben die Zentralbanken seither weitsichtig gehandelt und die Geldmenge erhöht.

Solange die Inflationsraten und im Gefolge auch die Anleihezinsen nicht steigen, müssen Anleger keine Befürchtung haben, dass der Aktienmarkt von seinem derzeitigen Niveau einbrechen könnte, zumal er weltweit gesehen im historischen Vergleich noch eher unterbewertet ist. Und nachdem auch statistisch gesehen die Wintermonate (November bis April) weit besser für den Aktienmarkt laufen als die Sommermonate (Mai bis Oktober), sollten Anleger zumindest für die kommenden sechs Monate ihre Investitionen am Aktienmarkt verstärken.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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