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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 12.03.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 12.03.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Vom vermeintlich fairen Kurswerten

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Lieber Bulle Unser Bulle ist diese Woche genau ein Jahr alt geworden. Alles Gute zum Geburtstag, lieber Bulle, mögest Du noch lange weiterlaufen. Als ich vor einem Jahr den Boden der Korrektur ausrief, obwohl Nouriel Roubini das Ende des Bankwesens prophezeite, erhielt ich heftige Kritik für meine vermeintliche Unverschämtheit. Ich würde sorglose Anleger in die gefährlichen Aktienmärkte treiben, warf man mir vor. Der eine oder andere von Ihnen hat seither recht gut verdient. Eine ganze Reihe jedoch hält sich noch immer aus Angst und Vorsicht von dem Aktienmarkt fern. Ein Jahr lang haben wir nun Moderatoren im Fernsehen gesehen, die vor einer Rückkehr zu den alten Tiefs warnen. Während ich für meine katastrophale Empfehlung, Thornburg Mortgage zu kaufen, ein gesundes Unternehmen, das wenig später den Kredithahn zugedreht bekam und dessen Kurs einbrach, heute noch Kritik von meinen Leser erhalte, gibt es niemanden, der diejenigen zur Rechenschaft zieht, die dafür verantwortlich sind, dass die Kleinanleger erst dann wieder in die Aktienbörse getrieben werden, wenn die Kurse weitere 50% höher stehen.

Kurz gefasst: Ich setze mich immer wieder und auch zwei Jahre danach noch mit meinen Kritikern und meinen Fehlern auseinander und scheue auch nicht davor zurück, diese zu veröffentlichen. Ich würde mir diese Vorgehensweise auch bei denen wünschen, die verhindern, dass Privatanleger durch Aktiengewinne ihre erlittenen Verluste ausgleichen. Am 21. März haben wir übrigens gleich den nächsten Feiertag: einen Todestag. Dann ist der Jahrhundertbulle, der in der Internetblase emporgestiegen kam, zehn Jahre tot. Die Internetblase platzte am 21. März 2000. Auch diesen Wendepunkt hatte ich damals sehr gut erkannt und in meinem damaligen Börsenbrief, dem iWatch, vehement zu Verkäufen geraten. Bevor Sie glauben, Sie könnten mir blind vertrauen, muss ich Sie darauf hinweisen, dass ich den Wendepunkt im Jahr 2007 erst sehr spät erkannt habe. Zu spät, da waren schon kräftig Verluste aufgelaufen. Und während der frühen Phase der Ausverkaufs hatte ich immer wieder einen weiteren Ausverkauf für unmöglich gehalten, bis ich verstanden hatte, dass nicht die fundamentalen Daten für den Ausverkauf verantwortlich waren, sondern umgekehrt der Ausverkauf die fundamentalen Daten ruinierte. Viele werden sich erinnern, dass ich ungedeckte Leerverkäufe sowie die Abschaffung der Uptick Rule für die Intensität des Ausverkaufs verantwortlich machte. Wissen Sie übrigens, was der griechische Staatschef Papandreou von US-Präsident Obama wollte? Er bat ihn, die Möglichkeit von ungedeckten Leerverkäufen bei Credit Default Swaps (CDS) auf seine Staatsanleihen zu untersagen. Papandreou zeigte Obama einen Weg auf, wie Hedgefonds gezielt die Refinanzierungsmöglichkeiten Griechenlands verschlechtern können, nur um einen kurzfristigen Spekulationserfolg zu erzielen. Das Argument der „freien“ Märkte war stets, dass es einen „fairen“, einen „effizienten“ Preis für solche CDS gibt und dass Leerverkäufe nur dafür sorgen, diesen fairen Preis schneller zu erreichen. Die jüngste Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass nicht immer ein „fairer“ oder „effizienter“ Preis am Ende von Leerverkäufen steht. Oder wollen Sie behaupten, die 30 größten DAX-Unternehmen sind heute um 70% mehr wert als vor einem Jahr? Warum hat dann ein Auto vor einem Jahr nicht 70% weniger gekostet als heute? Oder Immobilien? Weil Autos und Immobilien einen Wert besitzen, ungeachtet der Zahlungsbereitschaft potenzieller Kunden. Und so ist es auch bei DAX-Unternehmen mit einem weltweiten Netzwerk und mit gut ausgebildeten Mitarbeitern. Doch weil der Wert des Unternehmens dadurch extrapoliert wird, wie viel der letzte Anleger für ein Millionenstel des Unternehmens zu zahlen bereit war, sind hier Preisschwankungen heftiger und das ist ein gefundenes Fressen für Manipulationen. Heute ist die Krise vorbei, auch die Griechenlandkrise, und sowohl der Bankensektor als auch der Euro existieren noch. Die Issing-Kommission hat eine Reihe von Aufgaben definiert, die international abzuarbeiten sind, um solche destruktiven Entwicklungen, wie die jüngsten Krisen, künftig zu verhindern. Und der Aktienmarkt befindet sich noch immer auf dem Weg, ein „faires“ Bewertungsniveau zu finden. Nach einigen Monaten Verschnaufpause kommt nun wieder Bewegung in die Märkte. Und das, was wir auf dem Weg nach unten erleben konnten, erleben wir nun auf dem Weg nach oben: Die Rallye nährt sich selbst. Je höher die Kurse steigen, desto günstiger können Unternehmen frisches Kapital aufnehmen (Aktienzweitplatzierungen beispielsweise), desto günstiger können sie Investitionen finanzieren und desto mehr Arbeitsplätze werden geschaffen, was wiederum den positiven Trend verstärkt. Die Arbeitsmarktdaten in den USA werden zusehends besser. Die Griechenlandkrise hierzulande ist inzwischen vom Tisch und die weiteren „gefährdeten“ Staaten wie Portugal und Spanien arbeiten intensiv an Maßnahmen, um nicht in eine ähnliche Situation wie Griechenland zu kommen. Unternehmen vermelden wieder Gewinne, teilweise sogar schon wieder Rekordgewinne, und Kapitalmarktmaßnahmen finden am laufenden Band statt. Diese Woche hat beispielsweise Jenoptik 23 Mio. Euro frisches Kapital eingenommen, ohne überhaupt die Werbetrommeln zu rühren. Seit Anfang Februar steigen die Kurse nun schon. Schauen Sie sich die Performance dieser Woche an, und dann sollten wir uns überlegen, wann es an der Zeit ist, Gewinne mitzunehmen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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