Volumen – bigger is better

Veröffentlicht am 16.11.2009

Von professionellen Tradern ist immer wieder zu hören, dass sie auf moderne Indikatoren verzichten und stattdessen nur auf den Kurs selbst achten. Tatsächlich besagt eine Börsentheorie, dass alle Informationen bereits im Kurs verarbeitet sind. Ein Hilfsmittel, welches jedoch auch Profis immer wieder anführen, ist die Stückzahl, mit der eine Aktie gehandelt wurde: das Volumen.


Hierzu gleich ein Tipp: Wer bei seinem CFD-Broker keine Volumenanzeige bekommt, der kann andere Charts als Hilfsmittel hinzuziehen. Die einfache Regel scheint nun zu lauten, dass ein Ausbruch in eine Richtung – sagen wir nach oben – von einem hohen Volumen begleitet werden muss, um die zukünftige Richtung zu weisen. Ein einfacher und verlässlicher Indikator also, der nicht erst umständlich berechnet werden muss. Es sollte also nichts leichter sein als Beispiele im Aktienmarkt zu finden. Wer sich jedoch die Mühe macht, Aktiencharts einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, der wird sehr bald vom Glauben an die Unfehlbarkeit des Volumens als ultimativer Indikator abfallen. Denn das Volumen schwankt oft von Tag zu Tag, ohne dass erkennbar ein neuer Trend eingeläutet wird. Selbst wenn man diese Schwankungen ausfiltert und nur die wirklich herausragenden Volumen betrachtet, so sind diese meist nicht am Anfang eines neuen Trends zu finden.


Volumenschub

Tatsächlich zeigen Charts, dass ein hohes Volumen oft am Ende eines Trends zu beobachten ist. Und das ist gar nicht so unerklärlich. Zu Beginn einer neuen Bewegung ist diese als solche noch nicht erkennbar. Nur wenige entschließen sich also, den ersten Schritt zu tun und die Aktie zu kaufen. Je länger der Trend läuft, desto klarer ist er zu erkennen. Mehr und mehr Beobachter ärgern sich nun, nicht investiert zu sein und springen auf den fahrenden Zug auf. Hinzu kommen solche Trader, die auf eine Gegenbewegung gesetzt haben. Sie werden zunehmend nervös, denn sie machen Verlust. Doch die Anzahl der Käufer ist nicht unbegrenzt, und die Nachfrage kann nicht unendlich weitergehen. An einem Punkt verlieren die Beobachter die Nerven. Die gierigen, die bisher zugeschaut haben, können sich nicht länger zurückhalten und steigen viel zu spät ein. Diejenigen, die bisher auf die falsche Richtung gesetzt haben, schichten ebenfalls um. Die Gruppe, die von Anfang an richtig lag, löst ihre Positionen auf. Alle drei tragen zu einem Volumenschub bei, der sich im Chart ablesen lässt. Danach ist die Balance von Angebot und Nachfrage wieder hergestellt und der Trend zu Ende.


Volumen als Ausstiegssignal

Im Prinzip ist all dies nichts Neues. Doch die Kombination aus menschlicher Psyche und zeitlicher Verzögerung führt zu einem Volumenausschlag, der keine Einstiegssondern Ausstiegssignale erzeugt. Steigt eine Aktie und nach vier oder mehr Kerzen in eine Richtung entsteht plötzlich ein auffälliger Ausschlag beim Volumen, so sollte dies eine Warnung für diejenigen sein, die gerade investiert sind. Der Trend ist nun bald vorbei. Das System funktioniert dann besonders gut, wenn die Bewegung schnell und effizient war. Stottert die Aktie dagegen im Zickzackkurs eher zufällig hinauf oder hinunter, so ist in der Regel kein solcher Paukenschlag zu beobachten. Auch beliebte Volumenindikatoren wie das „On Balance Volume“ oder die „Accumulation/ Distribution Line“ können nur das Offensichtliche dokumentieren, ohne einen wirklichen Mehrwert für Einstiegssignale zu liefern. Trader sind daher gut beraten, das Volumen in Aktiencharts nicht als heiligen Gral zu betrachten.  

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