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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 10.10.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 10.10.2014:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

United Internet: Eine deutsche Erfolgsgeschichte im Internet

Im Zuge des Zusammenschlusses des sharewise Börsenbriefs mit dem Heibel-Ticker Börsenbrief werde ich Ihnen in Zukunft an dieser Stelle alle zwei Wochen eine Aktie vorstellen, die nach dem Prinzip der „Weisheit der Vielen" von sharewise-Nutzern ausgesucht wird. Wir greifen dafür auf die Aktien zu, die von den erfolgreichsten sharewise-Kunden empfohlen werden. Dabei handelt es sich heute um die Aktie des deutschen Internetkonzerns United Internet AG.

UNTERNEHMENGESCHICHTE UND -PROFIL

Die United Internet AG bezeichnet sich selbst, mit ihren weltweit rund 14,5 Mio. Kunden, als führenden europäischen Internetspezialisten. Als Keimzelle des Unternehmens gilt dabei die bereits im Jahr 1988 in Montabaur gegründete 1&1 Internet AG, die bis heute den größten Teil zum Konzernumsatz beiträgt. Das operative Geschäft der United Internet AG ist in die beiden Geschäftsfelder Access (Internetzugang) und Applications (Dienste) unterteilt, in welche die zahlreichen Marken des Konzerns eingegliedert werden. Während das Segment Access Schmalband-, Breitband- und Mobile-Access-Produkte umfasst, werden im Segment Applications verschiedene Dienste angeboten, die durch Abonnementen oder Werbung finanziert werden. Neben Deutschland (90% Umsatzanteil) ist der Konzern heute bereits in elf Ländern geschäftlich aktiv und betreut so Kunden aus der ganzen Welt.

Infolgedessen gelang es der Gesellschaft unter der Führung von Gründer, CEO und Großaktionär Ralph Dommermuth (42,27% der Anteile) in den letzten Jahren regelmäßig sowohl ihren Umsatz als auch Gewinn kräftig zu steigern. So erzielten die Westerwälder im Geschäftsjahr 2013 bereits zum fünften Mal in Folge ein Konzernergebnis in dreistelliger Millionenhöhe. Aus dieser Position der Stärke heraus übernahm man daher zuletzt den Konkurrenten Versatel vollständig (durch Übernahme der restlichen Anteile vom Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR)) und beteiligte sich überdies kurz vor dem Börsengang am Internet-Inkubator der Samwer-Brüder, der Rocket Internet AG mit 8,18% des Aktienkapitals. Wie Vorstandschef Ralph Dommermuth zuletzt gegenüber dem Manager-Magazin ausführte, stehen jedoch in nächster Zeit durchaus noch einige weitere, wenngleich kleinere, Übernahmen auf der Wunschliste, um so das eigene Breitbandnetz weiter auszubauen. Nach Angaben von Dommermuth ist die United Internet AG durch die erfolgreiche Akquisition von Versatel ohnehin bereits zum zweitgrößten Glasfasernetzbetreiber in Deutschland aufgestiegen.

2013 investierte das Unternehmen weiterhin viel Geld in Wachstumsmärkte wie das Cloud-Computing, die rechtssichere De-Mail oder das Mobile Internet und trieb auch seine Internationalisierung weiter voran. Dabei fielen 67,3% (nach 66,2% im Vorjahr) des Konzernumsatzes auf das Internetzugangsgeschäft sowie 32,7% (nach 33,8% im Vorjahr) des Konzernumsatzes auf das Applikationsgeschäft. Im deutschen Breitbandmarkt zählt United Internet zu den drei führenden Unternehmen und reklamiert im Bereich Cloud- und Hosting-Applikationen sogar die Marktführerschaft für sich.


DAS APPLIKATIONSGESCHÄFT

Zu den Diensten gehören z.B. Anwendungen für das Personal Information Management (wie Adressbücher, Aufgaben- und Terminplaner oder eMail), eShops, Groupwork, Homepages, Office-Applikationen oder Online-Storage. Die entsprechende zielgruppenspezifische Vermarktung erfolgt dann über Marken wie 1&1, Fasthosts, GMX, InterNetX, United-Domains, Web.de sowie seit 2013 Arsys. Ergänzt wird dieses Geschäft durch affilinet und Sedo, die erfolgsbasierte Vertriebs- und Werbeplattformen im Internet abbilden.


DAS INTERNETZUGANGSGESCHÄFT

Mit ihrem Internetzugangsgeschäft (inkl. Voice-over-IP und Video-on-Demand) fokussiert sich das Unternehmen hingegen ausschließlich auf den deutschen Markt. In diesem Segment setzen sich die Erlöse einerseits aus der Bereitstellung der Zugänge sowie etwaigen Zusatzleistungen zusammen. So besteht der Umsatz zum einen aus festen Grundgebühren sowie darüber hinaus variablen Nutzungsentgelten. Dabei agiert man netzunabhängig und kauft von verschiedenen Anbietern standardisierte Netzleistungen zu. Diese werden anschließend mit Endgeräten und selbst entwickelten Applikationen und Services ergänzt. Die Vermarktung dieser Produkte erfolgt dabei über bekannte Marken wie 1&1, GMX oder Web.de.


GESCHÄFTSENTWICKLUNG ZULETZT

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013 wuchsen die Umsätze im Segment Applications um 7,0% auf 867,0 Mio. Euro. Das Auslandsgeschäft wuchs dabei um 11,2% auf 296,9 Mio. Euro und somit stärker als das Deutschlandgeschäft. So lag der Anteil des Auslandsgeschäfts bei 34,2% nach 32,9% im Vorjahr. Trotz Anlaufverlusten beim Aufbau neuer Geschäftsfelder wie der 1&1 Do-It-Yourself Homepage, der Entwicklung von De-Mail oder der Einführung neuer Top-Level-Domains verbesserte sich das Betriebsergebnis in diesem Segment um 27,7% auf 168,7 Mio. Euro und das EBIT um 52,2% auf 102,1 Mio. Euro.

Im Segment Access wuchs der Umsatz um 12,7% auf 1,79 Mrd. Euro. Treiber des Geschäfts waren hier kostenpflichtige Verträge, die um 17% auf über 5,5 Mio, zulegen konnten. So erzielte der Konzern in diesem Segment letztlich ein EBITDA in Höhe von 245,4 Mio. Euro (+27,9%). Noch besser entwickelte sich das EBIT mit +32,3% auf 217,4 Mio. Euro. Somit verbesserte sich die EBIT-Marge von 10,4% auf 12,2%, was nicht zuletzt am mobilen Internet gelegen haben dürfte.

Insgesamt steigerte die Gesellschaft im Geschäftsjahr 2013 ihren Jahresumsatz um 10,8% auf das Rekordniveau von 2,66 Mrd. Euro. Die Umsatzkosten stiegen hingegen etwas weniger stark um 10,6% auf 1,74 Mrd. Euro. Auch die Vertriebskosten legten nur leicht um 1,5% auf 468,6 Mio. Euro zu. Deutlicher wuchs jedoch der Verwaltungsaufwand um 7,5% auf 120,5 Mio. Euro. Alles in allem steigerte der Konzern somit sein EBITDA um 24,9% auf 407,2 Mio. Euro. Somit belief sich das Ergebnis je Aktie sodann auf 1,07 Euro (+50,7%). Die Gesellschaft hob die Dividende von 0,30 Euro je Aktie um ein Drittel auf 0,40 Euro je Aktie an.


TREND ZUM MOBILEN INTERNET BEFEUERT KURZFRISTIGES WACHSTUM

Mit einem Umsatzanteil von gut 2/3 am gesamten Konzernumsatz ist das Access-Geschäft das wichtigere. Gerade in diesem Geschäftsfeld muss das Unternehmen aber gut aufpassen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Denn zur Zeit sehen wir einen fundamentalen Wandel in der Telekommunikationsbranche – immer mehr weg vom stationären Internet und hin in Richtung mobiles Internet. Diesen Wandel scheint die United Internet jedoch mit zu vollziehen, wie ein Blick auf die Kundenentwicklung verdeutlicht.

So verfügte die Gesellschaft Ende 2013 noch über 3,56 Mio. Breitband- und nur 1,98 Mio. Mobile-Kunden. Ende des ersten Quartals 2014 waren es dann 3,63 Mio. Breitband- und 2,09 Mio. Mobile-Kunden und Ende des zweiten Quartals 2014 schließlich 3,68 Mio. Breitband- und 2,23 Mio. Mobile-Kunden. Das Geschäft im Bereich Mobile-Access wächst also knapp 4x so stark (12,63% mehr Kunden im 1. Halbjahr 2014) wie im Breitband-Bereich (nur +3,37% mehr Kunden im 1. Halbjahr 2014).

Aktuell (Ende 1. Halbjahr 2014) liegt das Verhältnis Breitband- zu Mobile-Kunden noch in etwa im Verhältnis 62:38. Schon Ende dieses Jahres dürfte das Verhältnis jedoch auf knapp unter 60:40 gefallen sein und bis Mitte 2016 ein ausgeglichenes Verhältnis (50:50) erreichen. Zur Zeit erzielen die Unternehmen im Mobile-Access-Geschäft allgemein noch höhere Margen als im stationären Bereich was sich jedoch aufgrund des zunehmenden Konkurrenzkampfes relativiert. Alles in allem gehe ich daher davon aus, dass das Unternehmen nicht zum großen Gewinner des Trends zum mobilen Internet wird, aber doch seine starke Marktposition weiter verteidigen können wird. Zumindest kurzfristig feuert das Mobile-Access-Geschäft das Umsatz- und Gewinnwachstum an.


UMSATZ- UND GEWINNPROGNOSEN FÜR 2014

Für das laufende Geschäftsjahr 2014 möchte der Konzern seinen Umsatz um ca. 10% auf über 2,9 Mrd. Euro steigern. Zugleich peilt man eine Steigerung des EBITDA von zuletzt 407 Mio. Euro auf 520 Mio. Euro an. Auch das Ergebnis je Aktie soll kräftig weiter gesteigert werden, von zuletzt 1,07 Euro je Aktie auf nunmehr 1,40 bis 1,50 Euro je Aktie.

Ich gehe davon aus, dass insbesondere der Zusammenschluss von E-Plus und O2 zu einer Konsolidierung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt führt, die es United Internet ermöglichen wird, die eigenen Prognosen leicht zu übertreffen. Denn schließlich wurde dieser Zusammenschluss von E-Plus und O2 vom Kartellamt nur unter Auflagen genehmigt, die Serviceprovidern wie der United Internet AG in die Karten spielen. Hinzu kommt dann noch der kurzfristig vorteilhafte Trend zum mobilen Internet mit den damit verbundenen höheren Margen.


GÜNSTIGE BEWERTUNG: UNTER 28,00 EURO KAUFENSWERT

Auf dem aktuellen Kursniveau von 30,34 Euro (Xetra 16:23 Uhr) liegt die Marktkapitalisierung des Konzerns bei 6,22 Mrd. Euro. Dabei weist die Aktie ein KGV 2014e von 20 auf. Angesichts des Umsatz- und Gewinnwachstums (+10% und +30% resp.) ließe sich jedoch problemlos ein KGV von bis zu 25 rechtfertigen. Demnach läge der fundamental faire Wert der Aktie schon heute bei bis zu 25x 1,50 Euro und somit 37,50 Euro. Allerdings gehe ich davon aus, dass der Konzern die Gewinnschätzungen noch toppen kann. Darüber hinaus schaut die Börse bei der Bewertung eines Unternehmens immer in die Zukunft und 2015e und 2016e dürfte die Gesellschaft Umsatz und Gewinn noch weiter steigern. So kalkuliere ich für 2015e und 2016e mit einem Gewinnwachstum (auf Basis des Gewinns je Aktie) in Höhe von jeweils ca. 10% auf zunächst 1,67 Euro (2015e) und 1,85 Euro (2016e).

Wenngleich durch diese etwas geringeren Wachstumsraten sodann nur noch ein KGV von 20 angesetzt werden sollte, läge der fundamentale faire Wert (auf Basis der Gewinnschätzung für 2016e und damit auf Sicht eines Jahres) bei 20x 1,85 Euro und damit immer noch bei 37,00 Euro. Dies entspräche beim aktuellen Aktienkurs somit einem Kurspotenzial in Höhe von mehr als 20%, wobei die Wartezeit noch mit einer kleinen Dividende versüßt wird.


FAZIT: NOCH NICHT SOFORT KAUFEN

Die United Internet AG ist so etwas wie das absolute Vorzeige-Unternehmen der deutschen Internetbranche und Gründer, CEO und Großaktionär Ralph Dommermuth demzufolge eine Art deutscher Bill Gates oder besser Jeff Bezos. Anders als viele Luftnummern, die seinerzeit an den Neuen Markt kamen und im Zuge der platzenden „Dotcom Bubble" genauso schnell wieder verschwanden, gelang es United Internet das Geschäft zwar langsam, aber dafür nachhaltig immer weiter zu entwickeln. So wurde Unternehmensgründer Ralph Dommermuth letztlich zu einem der fünfzig reichsten Deutschen. Nichtsdestotrotz führt er sein Unternehmen bis heute nach den Prinzipien eines umsichtigen hanseatischen Kaufmanns. Insofern kam die Beteiligung an Rocket Internet der eher schillernden Samwer-Brüder auch etwas überraschend und ist vielleicht das einzige größere Risiko, dass Dommermuth einzugehen bereit war. Doch das Risiko ist bei einem Investment in Höhe von 435 Mio. Euro überschaubar und immerhin bietet diese Beteiligung ja auch Chancen.

Alles in allem halte ich die Aktie der United Internet AG daher prinzipiell für kaufenswert. Allerdings sind Internet- bzw. Technologiewerte im gegenwärtigen Marktumfeld nicht sonderlich gefragt, sodass kurzfristig vielleicht das Tief noch nicht gesehen wurde. Aus charttechnischer Sicht jedenfalls könnte die Aktie ihre Korrekturbewegung noch bis in den Bereich der sehr starken Unterstützung zwischen 27,00 und 28,00 Euro weiter fortsetzen.


Risikohinweis: Spezielle Risiken durch Ralph Dommermuth

Zum guten Schluss möchte ich an dieser Stelle noch kurz auf spezielle Risiken der Aktie hinweisen. Ganz davon abgesehen, dass die Aktie der United Internet AG als Internet- und Technologiewert generell ein spekulatives Papier ist, hängt die weitere Entwicklung des Unternehmens nämlich in vielerlei Hinsicht eng an der Person des Unternehmensgründers Ralph Dommermuth.

Zwar ist Herr Dommermuth zur Zeit erst 50 Jahre alt und kann seinen Job somit noch einige Zeit ausüben, ewig wird er ihn aber nicht machen wollen. Daher wäre es sehr wichtig, langsam aber sicher einen geeigneten Nachfolger aufzubauen, wovon bisher leider noch nichts zu sehen ist.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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