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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 31.05.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 31.05.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Trotz Zinstief: Tagesgeldkonten bleiben attraktiv

Die Zinsen für Tagesgeld befinden sich derzeit im Sinkflug. Doch für Anleger, die Wert auf Sicherheit und Flexibilität legen, sind Tagesgeldkonten unverändert interessant. Immer noch gibt es attraktive Angebote. Ein Vergleich der Anbieter lohnt daher. Insbesondere die Konditionen sollten beachtet werden, denn manche Offerten gelten dabei nur für Neukunden oder ab einer bestimmten Anlagesumme.

Ausgehend von zum Teil nicht einheitlichen Konjunkturindikatoren in den USA und in Europa befinden sich die Zins- und Aktienmärkte seit zwei Wochen in einer Phase sehr starker Tagesschwankungen. Die Volatilität auf dem Kapitalmarkt ist vergleichsweise hoch. Das ist Ausdruck der derzeitigen Verunsicherung über den tatsächlichen Verlauf der Wirtschaftskrise. Während die Auswirkungen der Krise auf die nationalen Haushalte und Arbeitsmärkte gerade erst anfangen sich zu zeigen, deuten Frühindikatoren schon auf eine Stabilisierung der Weltkonjunktur auf Sicht 2010 hin. Zeitgleich werden aber negative Nachrichten von den Konjunkturpessimisten als Einstiegschance am Anleihemarkt genutzt. Die Zentralbanken haben ihr Pulver praktisch verschossen, so hat die EZB den Leitzins inzwischen auf ein Prozent gesenkt. Man beachte, dass der Leitzins im Juli 2008 noch bei 4,25 Prozent stand.


Inflationsgespenst passé?

Jüngste Meldungen über die Inflationsrate sorgen für Aufsehen. Die Preissteigerungsrate ist in Deutschland zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren auf Null gerutscht. Das bedeutet, der zugrunde liegende Warenkorb kostet heute genauso viel wie vor einem Jahr. Aber das muss und wird wahrscheinlich nicht auf Dauer so bleiben, zumal insbesondere der Rückgang des Ölpreises für die niedrige Teuerungsrate verantwortlich ist. Verhält es sich mit der Entwicklung der Zinsen ähnlich – ziehen diese bald wieder an oder verharren sie auf niedrigstem Level? Marc Meier-Wahl, Bereichsleiter Produktmanagement bei der comdirect bank AG, erwartet auf kurzfristige Sicht kein Anheben des Zinssatzes. Auf ihrem Weg nach unten scheinen die Zinsen für Tagesgeld somit vorerst nicht aufzuhalten zu sein. Aber Anleger sollten nicht verzweifeln: Denn gemessen an der niedrigen Inflationsrate haben sie derzeit mehr in der Tasche als noch im Sommer 2008.


Vergleich mit Argusaugen

Beim Blick auf ihre Tagesgeldkonten dürften manche Sparer augenblicklich verzweifeln: Wo vor einigen Monaten bei einigen Anbietern noch eine Fünf vor dem Komma stand, findet sich jetzt im positiven Fall eine Drei. Laut der unabhängigen Frankfurter Finanzberatung FMH, die sich auf den Vergleich von Sparkonditionen fokussiert, sind die Zinsen für Tagesgeldkonten in den vergangenen Wochen noch ein weiteres Mal gesunken. Die Charts der FMH-Finanzberatung signalisieren eine eindeutige Sprache. So weist der täglich aktualisierte FMH-Index für Fest- und Tagesgeld seit geraumer Zeit nach unten. Der ermittelte Durchschnitt beträgt für eine Anlagesumme von 5.000 Euro 1,84 Prozent – ein Rekordtief seit mehreren Jahren (bei einer Anlagesumme von 50.000 Euro liegt der Zinssatz etwas höher). Die Spanne reicht dabei von 0,35 Prozent bis zu Top- Konditionen von 4,00 Prozent. Auch hier lohnt sich ein genauer Blick.


Auf Details achten

Gänzlich verzweifeln müssen Anleger aber nicht. Denn auch wenn die Zinserträge auf den ersten Blick sehr mager aussehen, können mitunter noch Renditeschnäppchen getätigt werden. Der Grund dafür ist einerseits die erwähnt niedrige Inflationsrate, andererseits die Konditionen bei Neukundenakquise mancher Anbieter. Vergegenwärtigt man sich, dass der Durchschnittszins für Tagesgeld im letzten Jahr zwar bei rund 3,3 Prozent lag, allerdings die Inflationsrate ebenso hoch, macht mancher Anleger momentan noch einen Schnitt. Der Wettbewerb zwischen Onlinebanken, vor allem solchen, die auch als Broker auftreten, ist dabei traditionell hart. Platzhirsche konzentrieren sich oftmals auf hochverzinste Tagesgeldkonten und Girokonten mit weltweit kostenloser Bargeldversorgung. Die comdirect bank wartete bis zum 28. Mai mit einem befristeten Tagesgeld PLUS Angebot auf, das noch vier Prozent versprach. Allerdings nur für Neukunden. Zu berücksichtigen gilt prinzipiell, dass die Kontoeröffnung mitunter bis zu 14 Tagen in Anspruch nehmen kann. Etwas niedriger notieren die aktuellen Neukundenangebote der 1822direkt oder beispielsweise der Santander Direkt Bank. 1822direkt, die Online- Tochter der Frankfurter Sparkasse, zahlt ihren Kunden derzeit 3,25 Prozent Zinsen (Gültigkeit zwei Monate), Santander bietet 3,1 Prozent (bei 10.000 Euro Anlage). Ebenfalls 3,25 Prozent bietet Cortal Consors. Hier erstreckt sich die Gültigkeit des gewährten Zinssatzes auf den maximalen Anlagebetrag von 20.000 Euro immerhin schon auf sechs Monate.  Am oberen Ende rangiert noch das seit April gültige Angebot der Royal Bank of Scotland mit einer Verzinsung von 3,80 Prozent. Gleiches gilt für die NIBC Direct und mit Abschlägen für die GarantiBank (3,30 Prozent). Aber die Absicherung des Anlagebetrages ist hierbei vergleichsweise gering. Die ING-DiBa bietet magere 1,5 Prozent für Neuanlagen an. Hier sollte erwähnt werden, dass dieser Anbieter für Neueinlagen ab dem 01.01.2009 für den Zeitraum vom 01.02.2009 - 30.04.2009 eine Verzinsung von vier Prozent angeboten hat.


Kein Ende des Zinssinkfluges in Sicht

Ein Ende des Zinssinkfluges sehen viele Marktbeobachter nicht. Die Geldhäuser haben vermehrt wieder ein Interesse daran, die Kunden langfristig zu binden. Darum wird vermutet, dass der Abschwung beim Festgeld nicht ganz so stark ausfallen wird wie bei den Tagesgeldkonten. Dass ein Vergleich lohnt, liegt auf der Hand. Auch wenn die Zinsen aktuell im Keller sind, müssen sich Anleger nicht per se mit Minirenditen begnügen. Mit den richtigen Produkten und beim passenden Anbieter lässt sich der Ertrag steigern. Allerdings ist ein gewiefter Blick erforderlich, der über den bloßen Zinssatz hinausgeht. Einlagensicherung (in Deutschland besteht eine gesetzliche Einlagensicherung von 20.000 Euro, jedoch kann es insbesondere bei Banken mit Hauptsitz im Ausland Abweichungen geben), Fälligkeit der Zinsen, geknüpfte Bedingungen an den Zinssatz und maximale Höhe des eingesetzten Kapitals sind einige Schlagwörter. Ein Beispiel soll diese Gemengelage verdeutlichen. Cortal Consors bietet vier Prozent für bis zu 25.000 Euro auf ein Jahr an. Das Angebot ist aber an die Bedingung geknüpft, dass der Anleger mit einem vorhandenen Wertpapierdepot wechselt und das Depotvolumen bis zum Ablauf der Sonderverzinsung (zwölf Monate) mindestens 6.000 Euro beträgt.


FAZIT

Trotz allem bieten einige Institute immer noch anständige Zinsen. Wer die Konditionen genau vergleicht und den richtigen Anbieter wählt, kann unter dem Strich mehr herausholen. Indes raten auch Finanzexperten zu einem Tagesgeldkonto. Geld, das als stille Reserve gedacht ist, liegt dort relativ sicher und ist jederzeit verfügbar. Das betont auch Marc Meier-Wahl von der comdirect bank: „Ein entscheidender Vorteil ist die Flexibilität“, so der Experte. Der Anleger kann vom Tagesgeldkonto Beträge jeder Höhe abbuchen. Speziell in unsicheren Finanzmarktzeiten setzen auch viele aktive Investoren vermehrt auf Tagesgeld: Wer ein erfolgreiches Aktiengeschäft getätigt hat, kann das Geld auf dem Konto parken und sich über die Verzinsung freuen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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