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Veröffentlicht von Redaktion "Actien-Börse" am 03.12.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.12.2010:

Börsenbrief Actien-Börse
Actien-Börse

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1963

THYSSENKRUPP ist die berühmteste deutsche Industrie-Aktie der Old Economy

Zudem mit dem geringsten Auslands- und dem größten Inlandsgeschäft. Dafür steht dieser Stahl-Industriekonzern für die Qualität und den Trend der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Wir hatten die Frage in der AB-Daily am Dienstag bereits gestellt.

Wenn die deutsche Konjunktur boomt, hat THYSSENKRUPP dann eine Chance, jene Geschäftsergebnisse und die Bewertungen wieder zu erreichen, die vor 3 1/2 Jahren galten? Das wären 46,92 € Spitzenkurs in 2007 und somit rd. 50 % Potenzial für die Aktie. Es geht also nicht um einen THYSSEN-Trade oder eine kurze Rally, sondern um eine Investmentperspektive in der genannten Zeit. Im Schnitt rd. 24 Monate, also inklusive 2011 und 2012. THYSSENKRUPP arbeitet künftig ähnlich wie E.ON und BAYER unter einem neuen und jüngeren bzw. branchenfremden Chef. Das deutet auf eine strategische Neuausrichtung hin, in der eine gute Portion Phantasie steckt. Die Ausgangslage dafür lautet: 22,3 % Stahl, 10 % Rostfrei/Edelstahl, 13 % Aufzüge/ Treppen, 26 % Technologie (Anlagebau, Werften, Autozulieferer), und 28 % Service/Handel. Das kann man entweder als Konglomerate oder als breit aufgestellte Industriekonzerne bezeichnen. Ob diese Aufstellung richtig ist, ist seit Jahren umstritten, obwohl inzwischen wesentliche Bereinigungen vorgenommen worden sind, die die Ertragsqualität deutlich verbessert haben. Aber der große Wurf gelang bisher nicht. Das Stahlwerk in Brasilien und das Walzwerk in Alabama sind richtig, aber die Schwachstelle ist der Sektor Industrie! Zielumsatz für 2011/2012 kann man im Mittelwert mit knapp 50 Mrd € annehmen. Dazu gehören Verkäufe und Käufe kleinerer Betriebsteile. Das Ziel für den Cash flow wird mit 3,7 bis 3,8 Mrd € angegeben. Zyklisch bedingt können es auch etwas weniger als 4 Mrd € werden. Der Verschuldungsgrad ist mit etwa 2,8fachem Cash flow anzusetzen. Die EK-Quote ist mit weniger als 20 % dünn. THYSSEN arbeitet deshalb weiterhin mit einem relativ hohen negativen Zinssaldo, der sich nachhaltig kaum unter 500 Mio € bewegen kann. Er ist damit entschieden zu hoch. Die höchste Bewertung von THYSSENKRUPP lag bei 19,7 Mrd € in 2007. Damals lag der Umsatz bei 51 zu 53 Mrd € (Querschnitt wegen des Geschäftsjahres zum 30.09.), bei einem Cash flow zwischen 3,3 und 3,6 Mrd € und einem Verschuldungsgrad von 1,5. Deutlich verbessert hat sich die Kapital- und Umsatzrentabilität. Der Gewinn je Aktie ist aus unserer Sicht nicht sehr wichtig, weil er manipuliert ist. THYSSENKRUPP muss entweder die einzelnen Geschäftsfelder deutlich und akquisitorisch erweitern oder aber weiterhin konzentrieren. Darin liegt der Charme der Erwartung einer deutlich höheren Bewertung. Es ist eine Frage der neuen Spitze mit einem Industriekaufmann aus dem Hause SIEMENS. In Essen ist umstritten, wie man aus einem typischen Ruhrkonzern einen weltweiten Industriekonzern bastelt. Denn gut 30 oder 40 % des Denkens ist ruhrpott-lastig. Der Aufsichtsrat ist ähnlich besetzt. Unser Urteil: Wir geben der THYSSEN-Aktie ein Zwischenziel bis zunächst 38 € für 6 bis 9 Monate. Bis dahin wird sichtbar sein, wie der neue CEO die Weichen stellt und mit welchen Resultaten. Vergleichbar gilt dies zum Fall BAYER, wie vor 8 Tagen dargelegt. Im Übrigen auch für E.ON, wie gleichfalls erläutert. SALZGITTER profitiert davon nur indirekt, hat aber die interessantere markttechnische Konstellation. Die Gründe: Deutlich weniger Schulden, Verschuldungsgrad Null, bei einer EK-Quote von 48 %, Cash flow allerdings schwer schätzbar, weil stark schwankend und stärker inlandslastig mit nur 51 % Auslandsgeschäft. 4 Mrd € Börsenwert sind für einen Schnittumsatz um 9 bis 10 Mrd € im kommenden Jahr eine untere Grenze. Eine Baustelle ist noch offen. SALZGITTER hält 25 % an AURUBIS, dem weltgrößten Kupferrecycler, aber traut sich nicht, ihn voll zu integrieren. Das erscheint rätselhaft oder feige, denn: SALZGITTER und AURUBIS nebst KLÖCKNER WERKE ergeben zwar auch keine in sich ganz stimmige Industriegruppe, aber einen neuen Wertansatz. Ergebnis für das Ranking: THYSSENKRUPP ist ein Langfristinvestment, SALZGITTER kann eines werden. Deshalb ist SALZGITTER eine 6- bis 9-Monats-Spekulation mit allerdings größerem Potenzial.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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