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Veröffentlicht von Redaktion "PortfolioJournal" am 17.01.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.01.2011:

Börsenbrief PortfolioJournal
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The Trend is your Friend

Die Welt befindet sich in einem Umbruch: Rasantes Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Energieknappheit gelten als die Themen von morgen. Schon heute können Anleger von diesen Megatrends profitieren. Die Investmentindustrie lock mit speziellen Fonds, die jedoch nicht unbedingt halten, was sie versprechen.

Deutschland ist nicht unbedingt repräsentativ für die Weltbevölkerung. Die Bundesbürger können sich im Durchschnitt nicht so recht mit dem Kinderkriegen anfreunden, so dass die Einwohnerzahl bis zur Mitte des Jahrhunderts schrumpfen wird. Doch in anderen Regionen verhält sich die Entwicklung ganz anders. Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um 80 Millionen Menschen an. 2050 sollen über neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, schätzt die Uno – momentan sind es 6,9 Milliarden. Fondsmanager haben die globale demographische Entwicklung als eine Art Meta-Trend ausgemacht, aus dem sich viele weitere Trends ableiten lassen. Naheliegend ist ein erhöhter Bedarf an Nahrungsmitteln. Gleichzeitig sinkt die verfügbare Ackerbaufläche aufgrund klimatischer Veränderungen und zunehmender Besiedlung tendentiell. Neben der Produktion von Nahrungsmitteln müssen zugleich die Erträge in der Landwirtschaft künftig erhöht werden. Unternehmen wie Syngenta, Monsanto und BASF arbeiten intensiv an entsprechenden Lösungen und Produkten. Die abzusehenden Trends sind jedoch weit komplexer: Über 90 Prozent des Bevölkerungszuwachses sollen aus den Schwellenländern kommen, wo sich eine immer größere Mittelschicht ihre Ernährungsgewohnheit ändert. Vor 20 Jahren aß der Otto-Normal- Chinese noch zehn Kilo Fleisch, heute sind es 52. Die erhöhte Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten treibt den Bedarf nach Agrarerzeugnissen weiter an – Kühe, Schweine und Hühner müssen schließlich auf ihr Schlachtgewicht gebracht werden. Zur Produktion von nur einem Kilo Rindfleisch sind 15.000 Liter Wasser und acht Kilo Getreide notwendig. Profiteure gibt es entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Der Burger- Bräter McDonald’s beispielsweise will die Zahl seiner Filialen im Land der Mitte bis 2013 auf 2000 annähernd verdoppeln. Die aufstrebende Mittelschicht in den Schwellenländern verändert ihr Verhalten nicht nur bei der Ernährung, sondern auch im Konsum und der Mobilität. VW beispielsweise verzeichnete 2010 in China einen Rekordabsatz. In immer mehr indischen Wohnzimmern stehen Fernseh- und Hifi-Geräte. Zusammen mit dem zu erwartenden Wirtschaftswachstum treibt das den Bedarf an Energie. Der soll bis 2030 gegenüber 2005 um 50 Prozent zulegen, errechnete das USEnergieministerium. Energieeffiziente Antriebe, alternative Energien und Biokraftstoffe werden dann gefragt sein. Der Marktanteil des Öls wird übrigens sukzessive zurückgehen. Die erhöhte Mobilität und der weiter steigende Welthandel setzen voraus, dass die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Schon jetzt kosten Mängel bei Häfen und Straßen Indien einen Prozentpunkt beim Wirtschaftswachstum pro Jahr. In den entwickelten Industrienationen müssen bereits existierende Strukturen erneuert werden – allein das Chaos bei der Bahn, Schlaglöcher auf den Straßen und marode Autobahnbrücken in Deutschland belegen dies. Der Megatrend Infrastruktur zieht selbstverständlich einen erhöhten Bedarf an Roh- und Baustoffen nach sich. Der Ur-Trend Demographie und seine zahlreichen Verästelungen ließen sich noch weiter fortführen – Biotechnologie, Medizin, Nachhaltigkeit, Globalisierung usw. Die Vielfalt der absehbaren Folgen zeigt aber auch ein zentrales Problem der Megatrend-Fonds auf: Worauf soll sich ein Fondsmanager konzentrieren? Alle Trends unter einen Hut zu bringen, ist fast unmöglich. Und der interessierte Anleger kann sich schließlich auch verschiedene Themenfonds zusammenkaufen. Von Infrastruktur bis Klimawandel ist schließlich alles im Angebot. Dementsprechend skeptisch sehen manche Experten dem Trend zum Megatrend. „Dass es viele neue Fonds mit diesem Label gibt, ist stark marketinggetrieben“, sagte Christian Michel von der Ratingagentur Feri der „FTD“. „Es fällt mir schwer, das Neuartige daran zu sehen.“ Ein Beispiel ist der Credit Suisse Solutions Megatrends, der im letzten Herbst aufgelegt wurde. Das Management setzt auf die Trends „Multipolare Welt“, „Demografie“ und „Nachhaltigkeit“. Das Produkt investiert nicht nur in Einzeltitel, sondern auch in andere Themenfonds, ETFs und Index Tracker. Zum Portfolio gehört beispielsweise ein Unternehmen wie der schweizer Lebensmittelproduzent Nestlé. Der Wert findet sich in vielen global orientierten Fonds wieder. Das Management des Credit Suisse Solutions Megatrends argumentiert, dass der Konzern von dem steigenden Bedarf in Schwellenländern profitiere. Michel sieht hier durchaus ein Problem: „Megatrendfonds sind nicht weit weg von anderen global investierenden Aktienfonds.“ Ein einheitlicher Trend bei den Fonds ist zudem nicht erkennbar. Der Deka Megatrends Garant, der auf Demografie , Schwellenländer und Klimawandel setzt, ist als Garantieprodukt konzipiert. Der Fonds der Sparkassentochter Deka investiert in Aktien, Zertifikate und Anleihen. Im letzten Jahr legte er allerdings nur eine Performance von rund sechs Prozent hin – Sicherheit hat ihren Preis. Der Universal Megatrends von Universal Investment hat ebenfalls Schwellenländer, aber auch Rohstoffe und alternative Energien im Fokus. Damit konnte er immerhin eine Performance von knapp 15 Prozent hinlegen. Der Champion des vergangenen Jahres ist der Pictet Global Megatrend Selection mit rund 26 Prozent. Auch dieser Fonds hat eine Besonderheit. Fondsmanager Hans-Peter Potner hat neun Trends identifiziert, die er im Porrtfolio jeweils gleich gewichtet. Dabei darf er sich aus den neun hauseigenen Themenfonds die Rosinen herauspicken. Insgesamt kommt so ein fast 500 Titel umfassendes Portfolio zusammen. Das Konzept, das bei Pictet „Pooling“ heißt, mag zwar ungewöhnlich sein, war zuletzt aber durchaus erfolgreich. Für Anleger gilt jedenfalls, sich die Fonds ganz genau anzugucken – gerade angesichts der Produktvielfalt. Da die Unterschiede zu global investierten Aktienfonds manchmal nur marginal sind, lohnt auch ein Blick auf die anfallenden Gebühren. In einigen Fällen fahren Investoren ohnehin besser, sich aus einzelnen Themenfonds ihr individuelles Trend-Portfolio zusammenzustellen. Genug Angebote gibt es ja.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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