TESLA MOTORS (WKN: A1C X3T; 145 $) - gnadenlos überbewertet oder weiteres Potenzial?

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 14.08.2013
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Kursverdreifachung seit Jahresbeginn, knapp 16 Mrd. $ Börsenwert. Als im Mai die Zahlen zum ersten Quartal kamen und Tesla erstmals mit einem Gewinn von 11 Mio. € bei einem Umsatz von 562 Mio. $ (+ 83 %) schwarze Zahlen vermeldete, kannte die Aktie kein Halten mehr. Damit wird Tesla so hoch bewertet wie Peugeot und Fiat zusammen. Ist dieser Bewertungsansatz für den Hersteller von Elektroautos gerechtfertigt? Teilweise werden auf dem Börsenparkett schon Kursziele oberhalb von 400 $ herumgereicht. Träumerei oder reelle Chance?


Teslas ganzer Stolz ist das 416 PS starke 4-türige Tesla-Model S. Das Modell gilt als echter Hit und ist praktisch „ausverkauft“. Mehrere Tausend Dollar oder Euro Reservierungsgebühr muss ein Interessent derzeit zahlen, um überhaupt auf die Lieferliste gesetzt zu werden. Das Auto genießt den Ruf, die beste Autoinnovation aller Zeiten zu sein: Eine Reichweite von bis zu ca. 480 Kilometer pro Batterie Aufladung und 0 - 100 km/h in nur 4,4 Sekunden. Damit lässt der Tesla S jeden Porsche alt aussehen. Das Verbraucherschutzmagazin „Consumer Reports“ gab dem E-Mobil 99 von 100 Punkten. Damit hängt es den 7er BMW und den Audi A8 locker ab. „Motortrend“ bestimmte das Modell sogar zum Auto des Jahres. In Deutschland kostet das Auto zwischen 71.400 und 109.150 €.

Seit Januar gingen 15.000 Bestellungen ein. Für 2013 ist der Wagen ausverkauft. Allerdings will sich Tesla nicht auf das eine Modell verlassen. 2014 ist die Erscheinung einer hochbeinigen, flügeltürigen Model-X-Version (SUV) geplant. Für 2016 arbeitet Tesla an einem „Volks- E-Mobile“. Das hört sich alles fast perfekt an. Aber:

Die Gewinnzahlen von Tesla sind kaum transparent. Einen großen Teil seines Umsatzes generiert Tesla mit dem Verkauf von Emissionszertifikaten an die Automobilindustrie und hier an diejenigen, die die gesetzlichen CO2-Grenzen überschreiten. Allein 250 Mio. $ wird man im laufenden Jahr durch den Abgashandel einnehmen. Mit dem Tesla S wurden im ersten Quartal sogar rund 5 Mio. € Verlust eingefahren.

Zukunft der Branche. Das Wachstum Teslas hängt in erster Linie an der generellen Zukunft der Branche. Die aktuellste Studie kommt hier von der US-amerikanischen Marktforschungsgesellschaft Pike Research. Demzufolge wird sich das weltweite Absatzvolumen für hybrid- und reinelektrische Personenkraftfahrzeuge bis 2020 auf 3,8 Mio. Einheiten ausdehnen. Obwohl der Verkauf von Elektrofahrzeugen in Nordamerika, Westeuropa und dem asiatisch-pazifischen Raum bislang nicht den Erwartungen von Industrie und Politik entsprochen hat, sollte der Markt dennoch stetig wachsen, weil die Treibstoffpreise hoch bleiben und sich Verbraucher zunehmend nach Alternativen zu Verbrennungsmotoren umsehen. Während der Verkauf von batteriegetriebenen Fahrzeugen bis 2020 um kumuliert fast 40 bis 50 % gegenüber 2012 zulegen soll, wächst der gesamte globale Automobilmarkt nur um 16 bis 20 %.

16 Mrd. $ Börsenwert für Tesla reichen in die Nähe des Börsenwertes von Porsche vor der Übernahme durch VW. Es wird mindestens bis 2018 dauern, bis Tesla in die Größenordnung von Porsche vordringen kann. Autos dieser Preisklasse bieten kaum einen Massenmarkt und es ist längst nicht ausgemachte Sache, dass das geplante neue Volks-E-Mobil den gleichen Erfolg haben wird wie der Tesla S, der sich in der Nische sicherlich gut verkaufen lässt. Stellen wir eine andere Rechnung auf:

10 % Performance jährlich. Angenommen, Sie planen langfristig. Ihr Investment in der Tesla- Aktie soll ihnen über 30 Jahre 10 % Rendite jährlich bringen. Dann würde der Börsenwert am Ende über 250 Mrd. $ liegen, was wiederum rund 8 Mrd. $ Profit für Tesla p. a. erfordern würde, um die Bewertung halbwegs zu rechtfertigen. Ist das realistisch? Wir meinen nein. Das hat bislang weltweit kein einziger Autohersteller geschafft.

Trotz der offensichtlich signifikanten Überbewertung, kann die Aktie in den nächsten Monaten dennoch weiterlaufen. Die Deutsche Bank rät weiter zum Kauf und hat das Kursziel auf 160 $ festgelegt. Sie könnte damit sogar richtig liegen. Der Nachrichtenfl uss in den nächsten Monaten dürfte positiv bleiben. Nachdem man im ersten Quartal 2012 noch einen Auftragseingang von annualisiert 12.000 Bestellungen melden konnte, lag er im gleichen Zeitraum 2013 schon bei 20.000 Stück. Gerade am Beginn eines solchen Trends ist die Auftragsdynamik besonders hoch. Das sollte sich in den nächsten Quartalen so fortsetzen, da die Ausgangsbasis relativ niedrig ist. Dazu kommt:

Ein zweiter Meilenstein in der Tesla-Börsenstory, neben den schwarzen Zahlen im ersten Quartal, wurde erst vor wenigen Wochen erreicht: Tesla wurde in den US-Technologieindex Nasdaq 100 aufgenommen, den Olymp der High-Tech-Giganten. Nun erwacht auch das Interesse der Fonds, die für zusätzliche Nachfrage sorgen. Fidelity hält inzwischen über 14 % der Anteile. Aber auch Daimler ist mit von der Partie und hat sich 5 % an Tesla gesichert. Inzwischen dürfte sich Daimler über einen hohen Kursgewinn dieser Investition freuen.

Fazit: Für Momentumtrader und kurzfristig agierende Anleger könnte sich ein Kauf durchaus auszahlen. Die Kursziele der namhaften Analysten reichen bis 230 $ je Aktie. Allerdings muss jedem Anleger bewusst sein, dass die Bewertung abenteuerlich ist. Dazu kommt, dass Tesla immer noch als überschuldet gilt. Mit Kapitalerhöhungen muss jederzeit gerechnet werden. Spekulanten dürfen mitspielen. Alle anderen lassen die Finger davon.

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