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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 09.08.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 09.08.2013:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Tesla ist nicht überbewertet

Wissen Sie, was verrückt ist? Das Bewertungsniveau von Tesla: Ein KGV 2014e von 119, eine PEG-Ratio (KGV im Verhältnis zur Wachstumsgeschwindigkeit) von 77, ich halte eine PEG-Ratio von 1 für vernünftig und bin bereit bis zu 2 zu zahlen. 77 liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft. Und ein Kurs/Umsatz-Verhältnis von 19, auch hier würde ich lieber eine 1 sehen.

Wissen Sie, was noch verrückter ist?

Ich halte Tesla NICHT für überbewertet. Okay, günstig ist Tesla nicht gerade. Die Bewertung ist exorbitant hoch. Aber es gibt eine Vielzahl von Gründen, die zur Rechtfertigung dieses Bewertungsniveaus angeführt werden können. Bären, die auf einen starken Kursverfall bei Tesla setzen, könnten sich meiner Einschätzung nach die Finger verbrennen. Denn wenn alles so läuft, wie es CEO Elon Musk erwartet, dann wird das Geschäft von Tesla sehr schnell in das heutige Bewertungsniveau hineinwachsen.

Vor zehn Jahren hat Elon Musk das von ihm mitbegründete Paypal an Ebay verkauft. Anschließend begann er mit Tesla die Revolution zum Elektro-Auto anzuführen. Und unter Elektro-Auto versteht Musk eben ein reines Elektro-Auto, nicht Hybrid und auch nicht Nischenfahrzeuge, sondern eben das Elektroauto für den Massenmarkt.

Zunächst wurde auf Basis der Lotus Elise ein Elektro-Sportwagen gebaut. Knapp 2.250 davon verkaufte Tesla, bis Lotus die Elise einstellte. 300 davon sollen in Deutschland herumfahren.

Die Einstellung der Elise war ein Rückschlag für Tesla, ein neues Konzept musste her. Mit den Erfahrungen aus der Elise fühlte sich Musk bereit, ein alltagstaugliches Fahrzeug für Familien zu entwerfen. Die Reichweite wurde von 300 km auf bis zu 480 km erhöht, sieben Sitze finden im Fahrzeug Platz, und die Limousine kann somit fast alle Bedürfnisse einer kleinen Familie befriedigen. Längere Strecken werden heutzutage ohnehin geflogen.

Die einfache aber effiziente Idee von Tesla

Es werden normale Laptop-Batterien verwendet. Lithium-Batterien, die ohnehin schon in Massenproduktion gefertigt werden. Die meisten Autobauer forschen an Batterien, die spezielle Eigenschaften für die Autos haben sollen. Das katapultiert die Kosten in die Höhe. Mit der Entscheidung, auf das bereits Verfügbare zuzugreifen, hat Tesla die Kosten gut im Griff.

Darauf aufbauend werden dann auftretende Probleme gelöst. So sind die Batterien beispielsweise temperaturanfällig. Tesla verfügt über eine Klimatisierung im Motor, die zunächst die Batterie auf die notwendige Betriebstemperatur bringt, damit möglichst die volle Leistung erzielt wird.

Zudem sorgen sich die Fahrer darüber, dass sie ihr Auto nicht schnell genug aufladen können, wenn sie mal längere Strecken fahren müssen. Tesla baut ein Netzwerk von sogenannten "Schnellladestationen" auf, an denen innerhalb von 20 Minuten 60% der Batterieladung kostenfrei von Tesla-Kunden abgerufen werden können. Klar, das Netzwerk befindet sich noch im Aufbau. Die Planung sieht jedoch eine recht schnelle Erschließung Deutschlands innerhalb der nächsten zwei Jahre vor.

"Model S" heißt der Kassenschlager, und Tesla hat keine Probleme mit Kunden, sondern eher mit Lieferanten. Das Auto kann nicht schnell genug gebaut werden, um die große Nachfrage zu befriedigen.

Das klingt nun alles recht schön, aber was, wenn die Schwergewichte wie General Motors, BMW oder Volkswagen einmal mit voller Kraft den Elektrofahrzeugmarkt angehen?

Meine ehrliche Meinung? Sie werden scheitern

Die Technologieführerschaft, die Daimler einmal innehatte, wurde an Tesla verloren. Das sportliche Image, das BMW seinen Kunden verkauft, wurde an Tesla verloren. Mit dem kürzlich vorgestellten i3 Elektrofahrzeug erzielt BMW eine Reichweite von traurigen 100 km. Zu wenig für den Preis.

Und der Massenmarkt von General Motors / Volkswagen / Toyota? Nun, in zwei Jahren möchte Tesla ein Fahrzeug mit gleicher Reichweite von 480 km zum halben Preis von den heutigen 72.000 EUR auf den Markt bringen.

CEO Elon Musk möchte nicht den Markt der Elektrofahrzeuge für Tesla allein erobern. Er möchte ein nennenswerter Mitspieler sein, und das dürfte ihm gelingen. In der gestrigen Analystenkonferenz begrüßte er explizit jeden anderen Automobilhersteller, der Elektrofahrzeuge anbieten möchte. Konkurrenz belebt das Geschäft, je mehr mitmachen, desto mehr Nachfrage wird geschaffen und desto schneller fallen die Preise. Tesla ist nunmehr der Marktführer und wird davon profitieren.

Warum Musk keine Angst vor den ach so großen Autobauern hat?

IBM hat die Computerdominanz an Appel und die Wintel-Allianz verloren, weil IBM bei Neuentwicklungen auch an die Bestandskunden denken musste. Radikale Schritte blieben aus. Personal Computer (PCs) waren völlig neuartige Produkte mit völlig neuartigen Kunden. Nokia hat den Smartphonemarkt an Apple und Samsung verloren, weil das Smartphone keine Weiterentwicklung des Handys ist, sondern ein völlig neues Produkt mit völlig neuen Kunden.

Und so halte ich es auch für sehr wahrscheinlich, dass Tesla mit innovativen Ansätzen wie Schnelladestationen, mobilem Kundendienst (er kommt nach Hause mit einem Austauschfahrzeug und bringt das Fahrzeug nach der Inspektion / Reparatur wieder zurück) und einem Familienfahrzeug, das den hohen Preis rechtfertigt (eben nicht ein kleiner Stadtflitzer mit beschränkter Nutzbarkeit zum Preis einer S-Klasse) weiterhin die Entwicklung im Markt der puren Elektroautos anführen wird.

Im Q2 hat Tesla 5.150 Model S Fahrzeuge gebaut. Das Jahresziel von 15.000 Fahrzeugen scheint nun leicht erreichbar. Es ist Jahr 1 für Teslas Model S und der Verkauf außerhalb der USA beginnt gerade. In Norwegen und anschließend auch in Deutschland werden nun Vertriebsnetze und Kundendienst aufgebaut.

Es gibt keinen etablierten Hersteller, der mit voller Kraft auf die Elektromobilität setzt. Selbst der "revolutionäre" i3 von BMW enthält die Option, durch einen Verbrennungsmotor die Batterie unterwegs aufzuladen, um die magere Reichweite zu vergrößern. BMW zieht sich also lieber auf altbewährte Technologien zurück als voll auf die Zukunft zu setzen.

Den Erfolg des Model S können Sie auch an den weiteren Aussagen von CEO Musk in der gestrigen Analystenkonferenz ablesen: Bislang musste Tesla um jeden Lieferanten buhlen, bitten und betteln, dass die Versorgungskette zuverlässig sichergestellt wurde. Lieferanten machten nur kurzfristige Zusagen, da man nicht sicher war, ob Tesla in einem halben Jahr noch existieren würde.

Jetzt nimmt sich Tesla die Lieferantenliste vor und verhandelt die Verträge neu, längerfristig und verbindlich. Wer kürzlich noch aus Gnade Tesla beliefert hatte, muss nunmehr fast schon einen Kniefall machen, um auf die Lieferantenliste zu kommen. Ein Umstand, der sich nicht nur in der Zuverlässigkeit, sondern insbesondere auch in der Kalkulation bei Tesla positiv auswirken wird.

Noch im vergangenen Jahr hat Elon Musk Städte und Gemeinden aufgefordert, die Infrastruktur für Ladestationen voranzutreiben. Seinen gestrigen Äußerungen, dass Tesla-Ingenieure gerne beim Ausbau der Infrastruktur mit ihrem Know-how zur Verfügung stehen, war zu entnehmen, dass der Ausbau so langsam zu Prestige-Projekten avanciert. Nicht mehr Tesla muss bitten, sondern Tesla wird um Hilfe gebeten.

Klar, Daimler, BMW und Volkswagen werden auch in 10 Jahren noch Millionen Autos bauen. Auch IBM ist heute noch ein mächtiges Unternehmen, und auch Nokia hat noch seinen Massenmarkt. Ob jedoch Innovationen dann noch immer aus dem Hause Daimler kommen, ist fraglich. Derzeit sieht es danach aus, das Tesla den Ton angibt. Und diese Technologieführerschaft ist nicht mit herkömmlichen Bewertungsmaßstäben zu messen. Die Aktie wird weiter ansteigen, solange Tesla mit immer neuen positiven Überraschungen an die Öffentlichkeit kommt. Mit CEO Elon Musk an der Spitze dürfte das noch lange so bleiben.

Schauen wir einmal, wie sich die wichtigsten Indizes in der abgelaufenen Woche entwickelt haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


Um -5,9% ist der japanische Nikkei eingebrochen. Der Grund dafür ist einfach: Die Notenbanksitzung der Bank of Japan hat keine weitere Steigerung der Liquiditätsflutung hervorgebracht. Die japanische Regierung hatte kürzlich gigantische staatliche Investitionsprogramme verkündet. Die japanische Notenbank hat kürzlich eine Unterstützung dieser Programme durch reichlich Liquidität zugesagt. Mehr geht kaum noch.

Doch der drogenabhängige, ehm Entschuldigung: liquiditätsabhängige japanische Anleger kann nicht genug von dem berauschenden Stoff bekommen und ist nach der ereignislosen Sitzung nun zunächst enttäuscht. Daher das heftige Minus. Entsprechend hat der Yen gleichzeitig gegenüber dem Euro ein wenig zugelegt (um 1,7%).

Dies mag ein kleiner Grund für die schlechte Performance der Aktienindizes in der abgelaufenen Woche gewesen sein. Ein weitaus gewichtigerer Grund waren die Bemerkungen von Notenbankmitgliedern der US-Notenbank Fed. Diese Woche wurde nämlich von einzelnen Notenbankmitgliedern offen diskutiert, wie eine Rückführung der Liquiditätsflutung noch in diesem Jahr, gegebenenfalls "sogar bereits im September", aussehen könnte. Richard Fisher (Dallas), Dennis Lockhart (Atlanta) und Charles Evans (Chicago) haben sich in Interviews entsprechend geäußert.

Es ist eine gefährliche Phase für die Fed

Chef Ben Bernanke ist offenkundig amtsmüde, er hatte vor vier Jahren nur durch die Überredungskunst Obamas einer weitere Amtszeit zugestimmt. Anfang 2014 wird seine zweite Amtszeit enden und einen klaren Nachfolger gibt es noch nicht.

Ben Bernanke, oder auch Helikopter Ben, hat die schwerste Wirtschaftskrise der USA durch Liquiditätsflutung gelöst und der Politik damit Handlungsspielraum verschafft. In der aktuellen Verfassung der Wirtschaft wird die Politik vermutlich einen Nachfolger auswählen, der für eine ähnlich lockere Geldpolitik steht. Entsprechend ist es nicht überraschend, dass gerade die Tauben (Aphorismus für lockere Geldpolitik) derzeit lautstark ihre Meinung präsentieren. Und es ist aufgrund der fehlenden Nachfolgeregelung auch nicht überraschend, dass die Antwort-suchenden Medien auf jede Aussage eines Fed-Mitglieds aufspringen.

Ben Bernanke verliert seine starke Führungsrolle in seinen letzten Tagen als Chef. Doch es ist noch unklar, wer der nächste starke Fed-Chef werden wird. Entsprechend sorgen jegliche Aussagen von Fed-Mitgliedern derzeit eher für Verunsicherung als für Klarheit.

Japan, USA, ... fehlt noch China

Von dort kommen gute Meldungen: Die Produktionstätigkeit ist kräftig angestiegen. Es wird deutlich mehr ex- und importiert als Analysten erwartet hatten. Die Anzeichen für eine erfolgreiche Bodenbildung mehren sich.

Bleibt noch Europa. Auch bei uns gab es überwiegend positive Meldungen - aber weniger von der Konjunkturfront als vielmehr von Unternehmen. Die Deutsche Telekom, die Deutsche Post, Beiersdorf und allen voran die Commerzbank haben mit ihren Quartalszahlen Analysten positiv überrascht. Lanxess, Adidas und die Münchener Rück hingegen konnten mit ihren Zahlen nicht überzeugen. Eine gemischte Stimmung also, die aufgrund der großen Kursgewinne der Vorwochen nicht ausreichte, um den DAX weiter anzufeuern.

Insbesondere die Zahlen der Commerzbank haben Anleger gefreut, der Aktienkurs ist um 14% angesprungen. Wir haben die Commerzbank in unserem Portfolio, und ich habe in Kapitel 07 ausführlich erklärt, welche Zahl für die Euphorie in erster Linie verantwortlich war.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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