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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Spiegel" am 13.06.2009

Strategische Überlegungen

Strategische Überlegungen

Hinter einer solchen Überschrift kann sich eine Menge verbergen. Was ich versuchen möchte, ist eine kurze Analyse, welche Handlungsmöglichkeiten China und die USA in Bezug auf Gold und den Dollar haben. Die eine Partei besitzt massenhaft grüne Zettel und will mehr Gold, die andere muss sich laufend mehr gutgläubige „Gläubiger“ suchen und will nicht, dass Gold abfließt.

Im letzten Morgan Report war Folgendes zu lesen: „Richard Fisher, Chef der Dallas Federal Reserve Bank“, sagte, „ Wichtige Mitglieder der chinesischen Regierung haben mich regelrecht ausgequetscht, ob wir nun die Aktionen unserer Legislaturperiode monetisieren oder nicht.“ Mit monetisieren ist natürlich der Ankauf von Anleihen durch die FED gemeint, im Volksmund „Geld drucken“ genannt. Da die Chinesen nicht naiv sind, wollten sie mit dieser Frage sicher nur Druck auf die USA ausüben und das Thema in der Öffentlichkeit halten, denn die Frage ist ja längst mit JA beantwortet. China kann und will ganz offensichtlich nicht die 2 Billionen USD Währungsguthaben ruckartig abstoßen. Sie könnten davon nur einen Bruchteil realisieren, denn der Dollar fiele sofort ins Bodenlose. Die USA nähmen das zudem als Kriegserklärung auf und würden sofort massive protektionistische Maßnahmen gegen China verhängen, vielleicht sogar die im Ausland gehaltenen Guthaben der Gläubiger abwerten, d.h. einen gespaltenen Dollar einführen und ggf. sogar einen Krieg provozieren.

Also der schnelle Abverkauf ist für China keine Option. Außerdem sind die USA für China als Absatzmarkt noch viel zu wichtig, auch wenn die Exporte im Mai um 16,9% gegenüber dem Vorjahr einbrachen. Das Unruhepotential im Landesinneren Chinas ist beträchtlich, also muss die Wirtschaft einigermaßen laufen. Eine weitere theoretische Option wäre der umfangreiche Kauf von Comex Goldfutures mit Auslieferung, aber darauf gehe ich weiter unten ein.

Am harmlosesten ist das Weiterreichen dieser Dollars, z.B. über Anteilserwerbe an Rohstoffunternehmen und Rohstoffkäufeund genau das sehen wir schon seit Monaten. Das Motto heißt also: Dollars loswerden und Gold akkumulieren, ohne viel Aufsehen zu erregen. Wenn man Aufsehen nicht vermeiden kann, dann nur bei verhältnismäßig unbedeutenden Industrierohstoffen wie Zink, Blei und Kupfer und partiell Öl. Seitens der Unternehmensbeteiligungen sind die Investitionen in Arafura und Lynas strategisch raffiniert, aber wertmäßig marginal. Selbst der Erwerb des Großteils von OZ Minerals für 1,4 Mrd. USD kann aus der Portokasse bezahlt werden und schon damit gelangt China in den Besitz der weltweit zweitgrößten Zinkmine. Es gilt, hunderte Milliarden USD loszuwerden!

Ein großer Wurf sollte mit dem Einstieg bei Rio Tinto gelingen, doch dieser wurde jetzt verhindert. Chinalco wollte 20 Mrd. USD investieren. Den Chinesen wird langsam dämmern, dass sie gut genug sind, grüne Zettel zu erwerben, sie es aber bei den strategisch wichtigen Rohstoffen bzw. Währungen Gold und Öl schwer haben. Es zeichnet sich also ab, dass China im Einflussbereich der USA (besonders Nord- und Mittelamerika, West-Mittel-Europa) kaum große Würfe wird machen können, in Australien nur bedingt. Kanada ist noch eine Option für Beteiligungen und verfügt besonders an der Westküste über eine starke chinesische Bevölkerung. Aktuell wird eine Übernahme von Addax Petroleum für 8 Mrd. USD kolportiert.

Gute Chance für China bieten sich in Südamerika, Osteuropa, Afrika und natürlich Asien. Brasilien als rohstoffreiches und nicht US-höriges Land hat schon zahlreiche Abkommen mit China geschlossen und beide Länder wollen verstärkt den Yuan für den Handel nutzen. Zur Sicherung der Ölversorgung wird China an Russland, Brasilien, Venezuela und Kasachstan 49 Mrd. USD Kredite vergeben und dafür langjährige Ölkontrakte abschließen. In Afrika investieren chinesische Unternehmen 9 Mrd. USD in die Infrastruktur des Kongos und sichern sich dafür langfristig Rohstoffe aus dem Land. Mit Angola hat man für 2 Mrd. USD ein ähnliches Abkommen geschlossen und auch in Somalia sind die Chinesen tätig. Der Kongo (DRC) ist besonders reich an Gold, Kupfer, Kobalt und anderen Rohstoffen.

Was Gold angeht, so hat China nur drei Möglichkeiten: Die heimische Produktion massiv steigern (z.B. Sino Gold) und dieses Gold vollständig aufkaufen (das passiert und damit gelang die Erhöhung der eigenen Goldreserven seit 2003 auf jetzt 1.054 t) und Goldminen und Gold im wohlgesonnenen Ausland kaufen. Der Golderwerb an westlichen Märkten wie Comex oder Liffe ist nur eine theoretische Option, denn hier griffe man die USA selbst an und ließe die Maske fallen. Also doch besser Goldminen in Australien, Südamerika und Afrika kaufen, dazu noch Gold in den arabischen Staaten erwerben. So gräbt man indirekt den Nachschub des Westens ab und kann seine Hände in Unschuld waschen. Ich rechne in naher Zukunft mit mehreren Übernahmeangeboten für Goldunternehmen mit Projekten in den genannten Gebieten!  

Jetzt zu den Möglichkeiten der Amerikaner. Fakt ist, das Angebot an US-Dollars steigt massiv und untergräbt den Wert des Geldes. Man kann den Kampf gegen Gold nicht gewinnen, nur verzögern. Wie seit vielen Jahren bedienen sich die am Goldmarkt eingreifenden Parteien der USA (FED, Bullion Banken, IWF) sämtlicher Mittel des Tarnens und Täuschens und des Aufbürdens von Verlusten auf andere. Um China niederzuhalten, kann man zunächst die „befreundeten“ Regierungen anweisen, keine strategischen Beteiligungen an Firmen bzw. Rohstoffprojekten zuzulassen. Das passierte bei Rio Tinto. Man muss weiterhin die Tatsachen der US-Ökonomie verschleiern und den Anschein der relativen Stärke erwecken. Das verhindert einen zu starken Abverkauf des Dollars. Unterstützend dazu nötigt man die westlichen Notenbanken, USD zu kaufen und Gold an strategischen Chartmarken abzuladen. Die Nachfrage nach Dollars muß hoch bleiben, weswegen man den Handel wichtiger Rohstoffe in anderen Währungen unbedingt verhindern muss.

Zur Schwächung anderer Währungen eignen sich zudem noch subtile Aktionen, z.B. das Schüren von Spannungen innerhalb der Eurozone, die auf einen Zerfall des Euros zulaufen. Man kann auch riesige Summen aus renitenten Ländern schlagartig abziehen und so diese Länder gefügig machen und versuchen, sich ihren Kapitalstock anzueignen, Beispiel Russland- oder Asienkrise, Argentinienkrise. Motto des ganzen Spiels ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Eigene Schwächen verbergen und die Realität positiv umlügen, andere bis zur letzten Sekunde aussaugen und gegeneinander ausspielen, Geschäftsusancen nach Bedarf ändern, potentielle Gegner politisch und militärisch bedrohen und von Zeit zu Zeit Strafaktionen durchführen (Irak, Iranfrage etc.). All das läuft vor unseren Augen ab.

Schon über Jahre verkaufen die Notenbanken Gold im Auftrag der Amerikaner, besonders offenkundig war die Bank von England. Den Schaden haben ja andere. Die eigenen systemrelevanten Großbanken kontrolliert und subventioniert man und hält sie an, massive Shortpositionen am preissetzenden Markt, der Comex, einzugehen. Wenn keiner sonst short geht, dann müssen die treuesten Verteidiger des verrottenden Systems her. Ihre Verluste trägt in unbegrenzter Höhe sowieso der US-Steuerzahler (auf den die eigene Regierung auch nie Rücksicht genommen hat, abgesehen von den oberen 10.000, die sich die Taschen füllen dürfen). Falls jetzt uneinsichtige Marktteilnehmer doch einmal in beträchtlicher Höhe Auslieferung dieser Kontrakte verlangen, ändert man die Konditionen und verweigert die Auslieferung. Bis zu diesem Tage konnte man das Gold am Abheben hindern. Dieses Ereignis wird in naher Zukunft passieren und den Dollar begraben. Bis dahin verändert man die Lieferbedingungen vorsichtig, damit nur wenig Gold aus den Terminbörsen abfließt. Wer partout Gold haben will, dem preist man die Vorzüge von ETFs oder anderer sehr liquider Ersatzmedien für reales Gold an, denn hier ergeben sich nette Manipulationsmöglichkeiten. China beschwichtigt man weiter und kann als Untermauerung Unterstützung in der Taiwan-Frage zusagen. Aber nur bei Wohlverhalten. In anderen uneinsichtigen Staaten kann man auch innere Unruhen unter dem Deckmantel des Kampfes für Demokratie anzetteln. Im Ernstfall hat die Sicherung der öffentlichen Ordnung gewiss Vorrang vor der Lieferung einiger Millionen Unzen Gold. Das eigene Gold bleibt bei den ganzen Spielchen absolut unangetastet, denn ohne das hätten die USA keine Chance für eine neue Währung nach dem Zusammenbruch des aktuellen Papierdollars. Wichtig ist auch, dass eigene Goldminen nicht in  ausländische Hände geraten und dass das Gold ausländischer Notenbanken in den USA gelagert bleibt. Von größter Bedeutung ist die gute Zusammenarbeit mit korrupten Regimen überall auf der Welt. Bestes Beispiel Saudi Arabien, das als Haupt-Recycler von US-Dollars fungiert und andere arabische Staaten von Dummheiten abhält.

All diese Maßnahmen sind Aktionen ohne jede Moral, die das Unvermeidliche nur hinauszögern. Sie sorgen auch dafür, dass sich die Reputation der USA im Ausland weiter drastisch verschlechtert. Eine völlige Zerstörung des Dollars und damit der Verlust des Status als Weltmacht ist keine Frage von Wahrscheinlichkeiten mehr, das ist ein sichereres zukünftiges Ereignis. Das wissen auch alle, die offiziell das Gegenteil behaupten. Die Bewohner der betroffenen Völker werden in der Masse keine Chance haben, der totalen Enteignung zu entgehen. Also lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Risiken (COT) verunsichern. Die Zeit arbeitet für die Goldanleger. Lachen wir also gemeinsam über die Schuldenbremse und bereiten uns vor.


Über den Autor

Der studierte Dipl. Kaufmann Jan Kneist beschäftigt sich seit 1994 mit den Edelmetallmärkten und analysiert seit einigen Jahren Minenunternehmen. Sein Spezialgebiet sind kanadische Explorationsunternehmen.


Hier können Sie die gesamte Ausgabe des Rohstoff-Spiegels downloaden: http://www.rohstoff-spiegel.de/count.php?url=rs_2009-12.pdf

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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