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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 20.04.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.04.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Spekulanten kreischen "Ole"

„Olé“ rufen die internationalen Hedgefondsmanager und Daytrader dem spanischen Finanzminister Cristóbal Montoro zu. Die Arena ist voll von Spekulanten. Geschickt hatte der Torero gestern nach dem erfolgreichen Platzieren der 10-Jahre laufenden Staatsanleihe Spaniens eine Banderilla (Spieß) platziert: Die ganze Arena kann und wird nun jede spanische Auktion von Staatspapiere verfolgen.

 

Drei solcher Banderillas werden Spekulanten Spanien anheften,

bevor der Matador die Arena betritt, der Stiertöter. Die zweite

Banderilla wird den Titel „spanische Banken“ tragen und die

dritte könnte dann „Arbeitslosigkeit“ oder „anhaltender

Immobiliencrash“ heißen. So angeschlagen wird sodann der

Matador in Frage stellen, ob der EFSF oder dann der ESM

überhaupt in der Lage ist, Spanien aufzufangen.

 

Ein böses Spiel, bei dem man kaum weiß, ob man Mitleid mit dem

armen Stier oder Angst vor dem moralischen Verfall bei den

Toreros haben soll. Doch bei keinem Berufsstand darf man auf

die Einsicht der Beteiligten setzen, sie haben eine harte

Ausbildung durchlaufen und wollen ihr Können nun unter Beweis

stellen.

 

Ich will mal hoffen, dass sich Spanien ein Beispiel an den

Stierkämpfen in Portugal nimmt – dort werden seit vielen

Jahrzehnten keine Stiere mehr getötet, es wird nur „gespielt“.

 

Sie und ich wissen, dass anders als im vergangenen August heute

ein Arsenal an Mitteln bereitsteht, um Spanien zu helfen: Die

EZB könnte weiter Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt

aufkaufen und damit spanischen Banken indirekt den Druck

nehmen, Spanien selbst kann Irland und Italien zum Vorbild

nehmen um zu sehen, wie man notwendige Reformen durchsetzt. Der

EFSF, später der ESM stehen bereit, und der IWF ist inzwischen

auch auf der Seite der Europäer. So leicht wird es der Matador

nicht haben.

 

Doch darum geht es ja auch gar nicht. Griechenland wurde

letztlich auch gerettet, und Spekulanten haben an der ganzen

Geschichte prächtig verdient. Es geht darum, nun ein paar

Wochen, vielleicht Monate, für Chaos zu sorgen, für

Verunsicherung, um in dieser Zeit mit kurzfristigen

Spekulationen gut zu verdienen und sich mittel- und langfristig

gut zu positionieren.

 

Die Rhetorik der Finanzpresse ist schon ziemlich harsch

geworden. Nachdem ich in englischsprachigen Finanzmedien in der

Vorwoche schon Artikel gelesen habe, in denen nicht mehr über

den Kollaps Spaniens spekuliert wurde, sondern dieser als

unausweichlich vorausgesetzt wurde, habe ich diese Woche auch

schon Artikel gelesen, die ähnliches über den Euro selbst

schrieben.

 

Außerhalb Spaniens hat man sich an den Druck der Finanzmärkte

gewöhnt, der Euro verharrt über der 1,30 USD/EUR Marke. Und

auch der DAX gibt sich diesmal offensichtlich mit einer 10%-

Korrektur zufrieden. Während Spanien also wutschnaubend durch

die Arena prescht, vertrauen Anleger auf die oben

angesprochenen Abwehrmittel, die ein Übergreifen auf Europa

verhindern sollen. Welch ein Unterschied zum vergangenen

August, als der DAX wegen Griechenland um 20% einbrach!

 

Schauen wir einmal, wie sich die einzelnen Indizes diese Woche

entwickelt haben:

 

 

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

 

INDIZES               12.04.12 DIFF

Dow Jones              12.964      -0,2%

DAX                     6.671      -1,1%

Nikkei                  9.561      -0,8%

Euro/US-Dollar          1,313       0,4%

Euro/Yen             107,1905       1,3%

10-Jahres-US-Anleihe     1,95%      0,0

Umlaufrendite Dt         1,41%      0,0

Feinunze Gold USD   $1.642,75      -1,5%

Fass Brent Öl USD     $118,23      -2,7%

Kupfer in US$/to        8.057       0,8%

Baltic Dry Shipping I   1.028       7,1%

 

Auch der Goldpreis spricht mit einem leichten Rückgang eher

dafür, dass Anleger nicht in Panik verfallen, sondern die

Turbulenzen der Arena als Spiel in einer abgeschirmten Arena

wahrnehmen.

 

Optimistisch stimmen mich die Preisentwicklungen des Öls

(rückläufig), des Kupfers und des Verschiffungsindexes Baltic

Dry (Anstieg). Der Ölpreis notiert auf einem so hohen Niveau,

dass dadurch die Wirtschaft und Konjunktur geschädigt wird. Ein

Preisrückgang ist hier nicht als Zeichen für eine schwächere

Konjunktur zu deuten, sondern als Erleichterung für die

Wirtschaft.

 

Der Kupferpreis steigt an, und auch die Verschiffungsraten

steigen an, was von einer anziehenden wirtschaftlichen

Aktivität kündet. Ich habe hier insbesondere China im Auge, da

von dort neue Wachstumsimpulse erwartet werden.

 

 

Schauen wir einmal, wie sich die Stimmung unter Anlegern und

Analysten entwickelt:

 

 

SENTIMENTDATEN ÜBERRASCHEND BULLISCH

 

Analysten

Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

 

Kaufen / Verkaufen

30.03.- 05.04. (153): 47% / 12%

05.04.- 13.04. (159): 49% / 15%

13.04.- 20.04. ( 94): 52% /  6%

 

Kaufempfehlungen der Analysten

SAP, Rio Tinto, Danone

 

Verkaufsempfehlungen der Analysten

Carrefour S.A., Nokia, Infosys

 

Privatanleger

14. KW: 65% Bullen (177 Stimmen)

15. KW: 66% Bullen (183 Stimmen)

16. KW: 63% Bullen (192 Stimmen)

 

Kaufempfehlungen der Privatanleger

Société Générale, BNP Paribas, Archos

 

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger

Conergy, eBay

 

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise

erstellt:

http://www.sharewise.com?heibel

 

 

EBAY: 1, 2, 3, MEINS – ZAHLUNGSABWICKLUNG PAYPAL

 

Im Juni 2009 hatte ich die gewagte Behauptung aufgestellt, dass

Ebay mit Paypal ein Juwel im Portfolio hält und dass die Aktie,

damals bei 17 Euro, durchaus auf 30 Euro steigen könnte. Raten

Sie mal, wo die Aktie heute steht: bei 31 Euro. Okay, es hat

fast drei Jahre gedauert, doch dafür sehen die Chancen heute

wesentlich besser aus als damals.

 

Heute verfügt Ebay über ein wachsendes Auktionsgeschäft und

gleichzeitig mit Paypal über die Pole-Position bei Online-

Bezahlsystemen. Und gerade bei Paypal spielt die Musik.

 

Der Umsatz wuchs um 29%, der Gewinn wuchs um 20% an. Paypal

erzielt inzwischen 40% des Umsatzes von Ebay und wächst mit 32%

p.a., deutlich also schneller als das Auktionsgeschäft. Doch

das KGV 12e von Ebay steht aktuell nur bei 16.

 

In der Analystenkonferenz sprach CEO John Donahoe von dem

Schwenk seines Unternehmens von der Defensive in die Offensive.

Er habe viel Arbeit in die Verfeinerung der Online-Shops auf

Ebay gesteckt, damit sowohl Kunden als auch Geschäftspartner

ein reibungsloses und intuitives Shopping-Erlebnis haben. Die

Überarbeitung sei nun abgeschlossen, und nun mache Ebay wieder

Werbung, was sich sofort auszahle.

 

Mit anderen Worten: Es handelte sich nicht nur um einen

einmaligen Sondereffekt bei Auktionen und den Ebay

Marktplätzen, sondern um einen von langer Hand vorbereiteten

Sturm auf Amazon – und derzeit mit Erfolg.

 

Gleichzeitig hat Paypal Versuche in Baumärkten unternommen,

Kunden dort mit Paypal zahlen zu lassen. Hierbei handelt es

sich um einen ersten Schritt weg vom Internet, während

Mastercard und Visa vehement aus der Offline-Welt ins Internet

streben.

 

Ich denke, es wird künftig drei wesentliche Zahlungssysteme

geben: Paypal, Mastercard und Visa. Die beiden

Kreditkartenunternehmen nehmen höhere Gebühren und sind noch

lange nicht so unkompliziert bei der Einbindung ihres Dienstes

in Webseiten. Das Wachstum des Einzelhandels über das Internet

landet zu einem großen Teil bei Paypal.

 

Gestern ist die Aktie von Ebay um 14% angesprungen. Ich denke,

dass ein solcher Kurssprung eine Konsolidierungsphase nach sich

ziehen wird. Doch aus Sicht der Bewertung ist noch viel Luft

nach oben für Ebay, und ich kann mir gut vorstellen, dass die

jüngsten Quartalzahlen erst der Startschuss für eine wesentlich

aggressivere Gangart bei Ebay waren.

 

 

TOP ANALYSTENZIELE

 

Sie wollen wissen, was die Analysten im Einzelnen für Aussagen

treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie

ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den

höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach

an, wo das aktuelle Kursziel des Analysten prozentual am

meisten über dem aktuellen Kurs liegt:

 

Firma  Analyse vom  Kurs   Ziel   Upside

SKY Dtl.    12.04.  2,01€  4,25€ 111,44%

RHÖN-KLINIK 13.04. 13,95€ 22,00€  57,71%

PORSCHE     10.04. 42,70€ 66,00€  54,57%

BAUER AG    13.04. 19,80€ 28,00€  41,41%

LUFTHANSA   13.04.  9,96€ 14,00€  40,56%

Gigaset     10.04.  2,28€  3,20€  40,35%

CELESIO AG  13.04. 12,83€ 18,00€  40,30%

VOLKSWAGEN  13.04.129,06€180,00€  39,47%

KLOECKNER   12.04. 10,14€ 14,00€  38,07%

LANXESS AG  11.04. 58,61€ 80,00€  36,50%

 

Es handelt sich um Analysen aus dieser Woche. Bitte genießen

Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig

auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille

sorgen kann, weshalb Analysteneinschätzungen tendenziell

optimistischer ausfallen als es die Realität anschließend

erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber,

wo die Erwartungen mit dem aktuellen Kurs am weitesten

auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst

oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall

individuell zu beurteilen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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