Sorgen wiegen derzeit mehr als Fakten

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 17.08.2010
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Haben die Aktienmärkte also nur Angst oder eine echte Vorahnung? Angesichts des vorliegenden Zahlenmaterials lässt sich die hohe Skepsis nicht erklären. Allerdings kann man sich auch folgender Erkenntnis nicht entziehen:


Die Unternehmen gehen den Weg des geringsten Risikos. Sie betreiben solides operatives Geschäft, bei dem sich die Gewinnqualität durch rigides Kostenmanagement darstellt. Steigt dann noch der Umsatz, legt der Gewinn überproportional zu. Das ist gekonnt gemacht, begeistert aber nicht. Hinzu kommt: Organisches Wachstum wird nur durch kleine Zukäufe ergänzt. Es wird vertikal und horizontal integriert, um Produktpaletten abzurunden bzw. neue Chancen zu nutzen. Auch das ist solide, aber eben eine Politik der kleinen Schritte, die an den Kapitalmärkten keine Aufmerksamkeit heranzieht. Tatsache ist: Vor den großen Deals hat jeder Angst. Die meisten gehen schief und das Risiko ist größer als die Chance. Gleichzeitig müssen sich die Investmentbanken in ihrer Aktivität drosseln, weil sie nach der Finanzkrise nur eingeschränkt agieren dürfen. Damit fehlt eine wesentliche Triebfeder für Börsentendenzen, wie man sie in den letzten 15 Jahren gesehen hat. Private Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds verhalten sich ähnlich passiv. Erstens haben sie noch volle Unternehmensportfolios, sind also tendenziell auf der Verkäufer- und nicht auf der Käuferseite, und zweitens reduzieren die eingeschränkten Kreditmöglichkeiten den Gestaltungsspielraum für neues Geschäft. Gerade die Hedge-Fonds wirken ziemlich lahm und rennen der Performance deutlich hinterher. Also: Große Visionen gibt es keine. Es gibt weder den Aufhänger durch die Erschließung neuer Märkte noch durch neue Technologien. Darin lag die Besonderheit der letzten 15 Jahre. Somit fehlt den Aktienbörsen eine überzeugende Story, um Aktien trotz solider Zahlen eine wesentlich höhere Bewertung zuzusprechen. Ein Dilemma, mit dem wir uns in den nächsten Monaten beschäftigen müssen. Dagegen steht: Die Anleihemärkte bieten zwar verhältnismäßig niedrigere Renditen, aber noch geringeres Risiko. In dieser Welt kann sich ein Großteil der institutionellen Investoren besser bewegen als vermutet. Lieber auf Rendite zu verzichten, um das Risiko zu minimieren, ist natürlich eine Devise, die jeglicher positiver Tendenz an den Kapitalmärkten den Wind aus den Segeln nimmt. Fazit: Die Unternehmen machen alles richtig, stapeln tief, aber setzen überhaupt keine Akzente, um eine höhere Aktienkursbewertung zu erzielen. Selbst die Vorstände äußern sich zur Entwicklung ihres Aktienkurses überhaupt nicht, sondern geben bestenfalls Auskunft über die meist steigende Dividende.

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