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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.03.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.03.2016:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

So tickt die Börse: Baisse ist überstanden

Anfang Januar habe ich sechs Themen genannt, die sich zum besseren entwickeln mussten, damit die Baisse ein Ende finden kann. Über mehrere Wochen sah es so aus, als gebe es keinerlei Lösungsmöglichkeit für irgendeinen dieser Punkte, bis in den vergangenen Tagen auf einmal Lichter am Ende des Tunnels sichtbar wurden. Entsprechend haben wir seither eine Reihe von Käufen getätigt.

1. Die US-Notenbank muss von ihrer Absicht abrücken, den Leitzins im Jahr 2016 viermal anzuheben.


Während die Fed-Chefin Janet Yellen noch Mitte Februar explizit an ihrem Vorhaben festhielt, kamen seither einige Notenbankmitglieder zu Wort, die vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Konjunktur eine Überprüfung des Vorhabens erkennen ließen. Damit ist die Zinsanhebung im März zwar noch nicht vom Tisch, allerdings werden die Signale als klarer Hinweis gedeutet, dass damit nicht zu rechnen ist.

James Bullard hatte sich bereits in der Vorwoche zu Wort gemeldet. Diese Woche sagte William Dudley folgendes: "Ich bin ein wenig weniger überzeugt von der Verfassung unserer Konjunktur als zuvor Unsicherheit über die künftige Entwicklung hat sich vergrößert, Abwärtsrisiken sind grösser. Die jüngste Zinserhöhung könnte einen größeren negativen Einfluss gehabt haben, als man erwartet hatte".

Während also Mitte Februar noch alles auf ein dogmatisches Festhalten der Fed deutete, wurde diese Betrachtungsweise seither ad acta gelegt.
 

2. Der Ölpreis muss sich stabilisieren


Noch Mitte Februar machte Saudi Arabien klar, dass eine Drosselung der täglichen Fördermenge nicht in ihrem Interesse sei. Sowohl der Iran, als auch die USA stehen bereit, aufgegebene Marktanteile zu erobern. Auch Russland, das zweitgrößte Ölförderland, hat aufgrund der Sanktionen große Überkapazitäten und würde Marktanteile von Saudi Arabien übernehmen. Die OPEC alleine hätte also nicht gehandelt, zumal die beiden größten Ölförderländer Saudi Arabien und Russland in Syrien praktisch gegeneinander Krieg führten.

Dann kamen zunächst Gerüchte auf und schließlich der Vorschlag, ausgearbeitet von Saudi Arabien und Russland, dass man die Fördermenge auf dem Stand von Januar einfriere. Der Iran konnte zwar nicht für dieses Vorhaben gewonnen werden, aber an den Märkten nahm man das Signal positiv auf, dass die beiden größten Ölförderländer trotz des Krieges in Syrien miteinander sprachen. Der Ölpreis ist seither von 27 auf 35 USD/Fass WTI emporgeschossen.
 

3. Chinas Finanzmärkte müssen sich stabilisieren


Ich hatte die Bedingung wohl überlegt auf Chinas Finanzmärkte und nicht auf die Konjunktur bezogen. Immerhin hatten neue Finanzmarktregeln (automatische Handelsaussetzung bei zu großen Kursverlusten) zum Jahresbeginn zum Crash an den chinesischen Finanzmärkten geführt.

Mitte Februar blieb die chinesische Börse aufgrund des chinesischen Neujahrsfests für eine Woche geschlossen. Im Anschluss konnte sich der Shanghai-Index behaupten und drehte schnell ins Plus, obwohl die Weltmärkte in der Woche deutlich abgegeben hatten. Sodann folgten die niedrigsten Produktionszahlen seit 7 Jahren, vor 7 Jahren hat China daraufhin ein großes Konjunkturprogramm verabschiedet. Dennoch schloss der chinesische Aktienindex an jedem dieser Tage im Plus.

Wenn Aktienkurse trotz schlechter Meldungen steigen, dann ist das ein Zeichen für einen Boden.
 

4. Geopolitische Unruhen müssen gelöst werden


Insbesondere der Krieg in Syrien steht auf der Sorgenliste. Dort hören wir nun seit einigen Tagen, dass sich fast alle an die Waffenruhe halten. Einzelne Scharmützel werden nicht als Brechen der Waffenruhe interpretiert, und nach dem heftigen Einsteigen Russlands scheint nun vorerst Ruhe einzukehren.

Derweil ist die Situation in der Ukraine nach wie vor ungelöst. Und in Nord Korea wurden heute die Nuklearwaffen scharf geschaltet. Mag sein, dass man sich an die unbefriedigende Situation in der Ukraine gewöhnt hat, und auch ein wütender Diktator Kim Jong Un wird offensichtlich nicht mehr ernst genommen. Doch ich fürchte, dass diese beiden Konflikte nochmals an Schärfe zulegen werden.
 

5. Der US-Dollar muss seine Stärke ablegen


Der Wechselkurs war unterwegs in Richtung Parität (1:1 USD/EUR), und dann hätten Spekulanten den Abgesang für den Euro angestimmt. Gleichzeitig hätte die US-Wirtschaft einen Exporteinbruch erlebt, was den US-Aufschwung in Frage gestellt hätte. Mit der abnehmenden Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinsanhebung seitens der US-Notenbank verlor auch der US-Dollar an Stärke. Bereits Anfang Februar sprang der Wechselkurs von 1,08 auf 1,13 USD/EUR. Seither hat EZB-Chef Supermario erneut seine Liquiditätsrhetorik verschärft und dadurch den Euro wieder in Richtung 1,09 USD/EUR gedrückt.

Wenngleich somit also die Gegenbewegung fast schon wieder zurückgenommen wurde, so ist doch ein Lauf in Richtung der Parität derzeit mehr als unwahrscheinlich.


6. Sentiment ohne Panik


Am stärksten überrascht hatte mich für einige Wochen das erstaunlich positive Sentiment der Anleger, trotz des heftigen Ausverkaufs an den Aktienmärkten. Doch auch hier haben wir in der vergangenen Woche endlich eine konstruktive Entwicklung gesehen: Trotz starker Kursanstiege zog große Verwirrung und Verunsicherung ein, was vor dem Hintergrund der fehlenden Panik am Boden nun eine nachträgliche Bereinigung mit sich führt. Details dazu lesen Sie im Kapitel 03.
 

Fazit: drei Punkte erledigt, drei Punkte auf gutem Weg


Der fallende Ölpreis, die instabilen chinesischen Finanzmärkte sowie der superstarke US-Dollar sind Geschichte. Die Fed-Zinserhöhung wird in zwei Wochen aller Voraussicht nach nicht erfolgen, die geopolitischen Spannungen nehmen ab, und das Sentiment arbeitet anstelle von Panik durch große Verunsicherung nachträglich die letzten Perma-Bullen ab. Die Basis für einen anhaltenden Börsenaufschwung ist gegeben.

Das darf jedoch nicht über die Risiken hinweg täuschen, die noch immer bestehen: Die EZB wird aller Voraussicht nach auf ihrer kommenden Sitzung weitere Liquiditätsmaßnahmen verkünden. Wie viel Munition hat sie noch? Wird die Liquidität auch ihr Ziel, eine stärkere Kreditvergabe für Investitionen, erreichen? Oder versickert die zusätzliche Liquidität in den Bilanzen des Finanzsektors? Die Konjunktur zeigt erste Schwäche. Was, wenn die EZB die Konjunktur nicht ankurbeln kann? Sollte uns tatsächlich eine Rezession drohen, dann ist das aktuelle Kursniveau im DAX noch immer viel zu hoch.

Die Eurozone ist im Februar bereits in eine Deflation gerutscht. Senkt die EZB nun den Einlagenzins für Banken von derzeit -0,3 weiter auf bspw. -0,4%, dann werden Banken eher nicht mehr Risiken aufnehmen und mehr Kredite vergeben, sondern vielleicht eher den Kreditzins erhöhen, um für die Kosten der Einlagen aufzukommen. Was also, wenn die EZB keine Wirkung mehr entfalten kann?

Im Juni werden die Briten über den Verbleib in der EU abstimmen. Im Vorfeld wird es noch hoch hergehen. Verschiedene Berechnungen werden Kosten und Nutzen gegenüberstellen, Verlierer- und Gewinnerbranchen identifizieren. Vor diesem Hintergrund kann ich mir derzeit nur schwer eine nachhaltige Rallye vorstellen.

Schauen wir nun einmal, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich entwickelt haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

Mit +7% ist der Kupferpreis Wochengewinner unserer kleinen Übersicht. Dr. Copper, wie der Konjunkturindikator häufig auch genannt wird, deutet also auf eine Erholung der Wirtschaft. Auch das Öl ist mit +4,8% weiterhin kräftig angestiegen. Und sogar der Baltic Dry Verschiffungsindex stieg mit +5,2% zum dritten Mal in Folge an und deutet damit auf ein Ende des Export-Import-Stillstands in China.

An den Aktienbörsen verzeichnen diejenigen Börsen die größten Pluszeichen, die zuvor am meisten verloren haben: der Dow Jones daher "nur" mit einem Plus von 1,5% während DAX (+4,5%), Nikkei (+5,4%) und Shanghai A Index (+4,3%) deutlich nach oben zogen.

Die Währungs- und Anleihemärkte hingegen zeigten sich weitgehend unverändert.

Schauen wir einmal, wie sich das Sentiment entwickelt hat.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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