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Veröffentlicht von Redaktion "ETFs kompakt" am 10.03.2009

Sichere Zinsen in unsicheren Zeiten mit dem EONIA

Sichere Zinsen in unsicheren Zeiten mit dem EONIA

Seit eineinhalb Jahren hat die weltweite Finanzkrise die Kapitalmärkte nunmehr schon im Griff. Doch wenn Aktienkurse immer tiefer fallen, die Rohstoffpreise ebenfalls eine rückläufige Entwicklung verzeichnen und selbst Anleihen nur noch magere Renditen erzielen, stellt sich die Frage, wo der Anleger sein Geld am besten parken kann.

Hier bietet der Geldmarkt eine interessante Anlagealternative, wenn man sein Kapital sicher angelegen will, es gleichzeitig täglich verfügbar und der Wertzuwachs transparent und nachvollziehbar sein soll. Kein Wunder also, dass sich gerade ETFs auf den Geldmarkt derzeit besonderer Beliebtheit bei institutionellen sowie privaten Investoren erfreuen und Rekorde bei den Mittelzuflüssen verzeichnen können. Genau wie herkömmliche Fonds stellen ETFs rechtlich ein Sondervermögen dar und sind somit im Falle der Insolvenz der jeweiligen Kapitalanlagegesellschaft (KAG) vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Weitere Vorteile der Geldmarkt-ETFs sind ihre hohe Flexibilität, denn sie sind über die Börse handelbar und weisen eine kleinstmögliche Stückelung auf. Vor allem aber ist die Kostenbelastung mit einer jährlichen Managementgebühr zwischen 0,10% und 0,15% geringer als bei herkömmlichen Geldmarktfonds. Auch wenn man diese zum Teil ohne Ausgabeaufschlag ordern kann, liegen die jährlichen Managementgebühren doch deutlich über jenen der ETFs, was bei dem geringeren Renditepotenzial am Geldmarkt am Ende stark ins Gewicht fallen kann. Zudem entfällt beim Kauf von Geldmarkt-ETFs über die Börse ebenfalls der Ausgabeaufschlag. Auch der Spread zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs ist mit 0,0% bzw. 0,01% bei den ETFAnbietern sehr günstig.


Der EONIA

Ihre Rendite erwirtschaften die Geldmarkt- ETFs, indem sie entsprechende Geldmarktindizes abbilden und sich täglich mit dem jeweils gültigen Zinssatz verzinsen. Für den europäischen Raum gilt der EONIA neben dem 3-Monats-Euribor (Euro Interbank Offered Rate) als wichtigster Geldmarktsatz und Benchmark. Der EONIA (Euro Over Night Index Average) ist ein von der Europäischen Zentralbank festgestellter, effektiver Tagesgeldsatz für „Übernacht-Anlagen“. Berechnet wird er täglich aus dem nach Umsatz gewichteten Schnitt der Übernacht-Ausleihungen im Interbankenhandel. Über den aktuellen EONIA-Satz können sich interessierte Anleger ganz einfach auf www.euribor.org informieren. Wegen der kürzeren Frist liegt der EONIA unter dem Euribor und notiert aktuell bei 1,28%. Allerdings sind auch Anlagen auf dem Geldmarkt Schwankungen unterworfen. Während der großen Misstrauensphase zwischen den Banken, die der Pleite von Lehman Brothers im September 2009 folgte, stieg der EONIA zwischenzeitlich auf über 4,40%. Außerdem sollten Anleger berücksichtigen, dass eine Senkung der Leitzinsen, an denen sich auch der EONIA orientiert, auch bei den Geldmarkt-ETFs zu einer geringeren Verzinsung führt. ETFs auf den US-Geldmarkt und die Tageszinsen in Großbritannien, die beide nahezu bei null und damit deutlich unter den europäischen Leitzinsen liegen, werden aus diesem Grund auch weniger stark nachgefragt. Dass die Geldmarkt- ETFs mit dem EONIA als Referenzindex das gleiche Schicksal ereilt, ist bis dato nicht zu befürchten. Zwar hat auch die europäische Wirtschaft schwer mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen, dennoch hat der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, einer Nullzinspolitik wie in den USA oder Japan eine Absage erteilt. Zugleich machte er aber deutlich, dass man sehen werde, was nötig ist. Was genau nötigt ist, zeigte die Europäische Zentralbank am Donnerstag, indem sie den Leitzins für den Euroraum um 50 Basispunkte von 2,0% auf nun historisch tiefe 1,5% senkte.


Verschiedene Anbieter, verschiedene Konditionen

Den Geldmarkt-ETFs der verschiedenen Anbieter liegt jeweils ein Index zugrunde, der sich am EONIA orientiert. Anleger erhalten also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Rendite, die dem Durchschnitts- EONIA abzüglich der Verwaltungsgebühr entspricht. So hat die Deutsche Bank auf den EONIA einen Total Return-Index entwickelt, welcher den täglichen Durchschnittszinssatz durch 360 teilt und addiert. So ergibt sich am Ende eines Jahres eine Indexperformance, die dem durchschnittlichen Jahres-EONIA entspricht. Neben dem db x-trackers II EONIA Total Return-Index- ETF, der inzwischen ein Vermögen von über 5,0 Mrd. Euro verwaltet und anfallende Zinseinnahmen thesauriert, bietet die Deutsche Bank auch eine ausschüttende Version des db x-trackers II EONIA Total Return-Index-ETF (ISIN: LU0335044896 ) an, welche sich gerade für diejenigen Anleger eignet, die auf Ausschüttungen angewiesen sind. Auch der EONIA-Index der Commerzbank bezieht sich auf den von der Europäischen Zentralbank berechneten EONIA-Tagesgeldzinssatz und wird an jedem Bankgeschäftstag von der Commerzbank berechnet.


Fazit

Geldmarkt-ETFs bieten Anlegern die Vorteile einer ständigen Handelbarkeit, hoher Transparenz, keiner Anlagebegrenzung und einem täglich angepassten Zinssatz. Das Geld ist täglich verfügbar und falls sich Lage an den Märkten wieder beruhigt, können schnell attraktivere Investmentchancen wahrgenommen werden. Trotz der vergleichweise sehr günstigen Kostenstruktur der ETFs sollten Anleger die Transaktionsgebühren beachten, die beim Kaufen und Verkaufen der ETF-Anteile über die Börse anfallen. Diese können durchaus bis zu 0,5% pro Order ausmachen und so die Rendite empfindlich schmälern. Dabei gilt: Je kurzfristiger die Anlage, desto stärker fallen die Spesen für die Orderabwicklung ins Gewicht. Um diese so gering wie möglich zu halten, sollten Anleger bei einem Kauf über Xetra ordern, um zumindest die Maklercourtage zu sparen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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