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Veröffentlicht von Redaktion "PortfolioJournal" am 10.09.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 10.09.2010:

Börsenbrief PortfolioJournal
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SCHWELLENLÄNDERANLEIHEFONDS: EMERGING MARKETS PROFITIEREN VON DER SCHULDENKRISE IN EUROPA

Die Staatsschuldenkrise in Europa hat die Ordnung im Anlageuniversum für Anleihen kräftig durcheinander gewirbelt: Schuldtitel mancher europäischer Länder, die vor we - ni gen Monaten noch als sicher galten, werden nun als Wackelkandidaten gehandelt, denen immer weniger zugetraut wird, ihre Schulden zu bedienen. Zugleich steigt die Nachfrage nach Anleihen aus sogenannten Emerging Markets (EMMA) weiter an. In der Vergangenheit waren solche Papiere wegen ihres höher taxierten Risikos von vielen Anlegern gemieden worden.

BONITÄT VIELER EMMAS DEUTLICH GESTIEGEN Doch während sich die Bonität einiger Länder auf dem alten Kontinent dramatisch verschlechterte, ist die Kredit würdigkeit vieler aufstrebender Länder in Asien, Lateinamerika und Osteuropa deutlich gestiegen. Die gesamtwirtschaftlichen Daten von Schwellenländern wie Indonesien, Türkei, Brasilien und Kolumbien haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert: Sie glänzen mit kräftigem Wirtschaftswachstum, moderater Inflation und gestiegenen Währungsreserven im Kielwasser von Exportüberschüssen. Das erlaubte nicht wenigen Staaten ihre Verschuldung zu senken. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt sie heute in vielen EMMAs niedriger als in manchen entwickelten Industrieländern und unter der 60-Prozent-Schuldengrenze der europäischen Währungsunion. Einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge wird die durchschnittliche Schuldenquote in den 20 bedeutendsten Industrieländern bis 2014 auf rund 110 Prozent ansteigen. In den 20 EMMAs mit der höchsten Wirtschaftsleistung werde die Staatsverschuldung dagegen zurückgehen und im Durchschnitt bei lediglich 40 Prozent des BIP liegen. Entsprechend niedrig fällt auch die Nettoneuverschuldung in den aufstrebenden Ländern aus: In Brasilien wird sie laut IWF 2010 etwa drei Prozent betragen. WACHSENDER ANLEIHE-MARKT IN LANDESWÄHRUNGEN Angesichts dieser Verschiebungen bei wichtigen Stabilitätsindikatoren ist es nicht weiter erstaunlich, dass sich Schuldtitel aus EMMAs bei Investoren wachsender Beliebtheit erfreuen. Während die meisten dieser festverzinslichen Papiere in den 1990er-Jahren noch in „harten“ Währungen wie US-Dollar emittiert wurden, werden heute sogenannte Emerging-Market-Debts (EMD) bevorzugt in den jeweiligen Landeswährungen (LC) ausgegeben. Von den derzeit ausstehenden EMMA-Krediten an Staaten und Unter nehmen in Höhe von 7,6 Billionen US-Dollar wurden 85 Prozent in lokalen Währungen ausgereicht. Für Anleger aus dem Euroraum bietet diese Entwicklung neue Chancen: Sie können nicht nur von attraktiven Zinszahlungen, sondern auch von Währungsaufwertungen profitieren. Denn das höhe re Wirtschaftswachstum in den EMMAs lockt einen stetig zunehmenden Kapitalstrom in diese Länder. In der Folge werten die lokalen Währungen in der Regel auf. Ent - sprechend hoch ist der Anteil, den Wechselkursgewinne zur Gesamtrendite bei Investitionen in die EMMA-Kreditmärkte beitragen können. Zwischen 2002 und 2009 lag er bei etwa 33 Prozent. HÖHERE RENDITEERWARTUNGEN BEI LÄNGER LAUFENDEN STAATSANLEIHEN Anleger können zwischen zwei Segmenten im globalen EMD-LC-Markt wählen: Zwischen dem Geldmarkt und länger laufenden Anleihen. Bei Geldmarktinstrumenten handelt es sich in der Regel um Papiere mit kurzen Laufzeiten zwischen einem und drei Monaten. Dieses Anlagesegment wird vom Emerging Local Markets Index + (ELMI+) abgebildet, der 24 Schwellenländer enthält. Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr repräsentiert beispielsweise der Government Bond Index EM Global Diversified (GBI-EM GD). Er deckt 14 Länder ab, wobei die Regionen Asien, Lateinamerika und Osteuropa mit jeweils rund 30 Prozent nahezu gleich gewichtet sind. Zwischen 2003 und 2009 erzielte der Staatsanleihen-Index auf USDollar- Basis eine durchschnittliche Rendite von 12,5 Prozent pro Jahr, während ein Geldmarktinvestment in den ELMI+ im selben Zeitraum 9,3 Prozent brachte. Die höheren Erträge von Staatsanleihen mit längerer Laufzeit liegen in der Natur der Märkte, die das höhere Risiko von Lang läu - fern in der Regel mit Renditeaufschlägen belohnen. Dafür schwanken die Kurse dieser Papiere allerdings auch stärker als Geldmarktinstrumente. Denn je länger die Laufzeit von Anleihen, desto sensibler reagieren sie beispielsweise auf Zinsänderungen und veränderte Inflationserwartungen. UNTERBEWERTUNGEN AKTIV NUTZEN Während sich die lokalen Geldmärkte in vielen Schwellen - län dern bereits vor Jahren etablierten und eine hohe Liqui - dität bieten, sind die Märkte für Staatsanleihen in lokaler Währung noch relativ jung. Das geringere Handels volumen erhöht die Wahrscheinlichkeit von Über- und Unterbewer - tun gen in einzelnen Ländern. „Das können aktive Bonds- Manager ausnutzen und höhere Renditen als der Markt durch schnitt erzielen“, konstatiert Raoul Luttik, Senior Portfolio Manager im EM-Debt-Team von ING Invest ment Management. Mit dem im Februar 2010 neu aufgelegten ING (L) Renta Fund - Emerging Markets Local Bond hat der global agierende Vermögensverwalter einen auf EMStaats anleihen fokussierten neuen Schwellen län der an lei - he fonds und somit ein drittes erfolgreiches EMD-Produkt gelauncht, das von solchen Marktanomalien profitieren kann. Der Fonds investiert 85 bis 100 Prozent seines Ver - mö gens in mittel- bis langfristig laufende EMMA-Bonds. Benchmark ist der GBI-EM GD. GELDFLUSS IN LOKALE BONDMÄRKTE WIRD WEITER ZUNEHMEN Mit dem neuen EMMA-Anleihe-Fonds, der ein längeres und breites Laufzeitenspektrum als der Geldmarkt bietet, können Investoren nun auch von Investmentstrategien entlang der Zinsstrukturkurve partizipieren. Auf Portfolio-Ebene tra gen EMMA-Bonds in lokalen Währungen zur Risiko - streu ung bei, weil sie nur gering mit den Märkten der In dus - trie nationen korrelieren. Auch innerhalb der Anlage klasse ist der Gleichlauf gering, da die Wertentwicklung der einzelnen Anleihen unter anderem von den lokalen Zins- und Inflationsentwicklungen in den jeweiligen Ländern ab hän - gen. Und: „Mit fortschreitender Reife der Schwellen län der wird der Geldfluss in die lokalen Anleihemärkte weiter wachs en“, prognostiziert Senior-Portfolio-Manager Luttik. Anleger dürften demnach weiterhin von steigenden Kursen bei Anleihen, Währungsgewinnen und einer sich verbessernden Kreditqualität profitieren.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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