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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 23.03.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 23.03.2016:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Schlagen Sie mit „Smart Beta“-Investments der Volatilität ein Schnippchen

Der Beginn des Börsenjahres 2016 war denkbar schlecht. Der Aktienmarkt ging um rund 20 % in die Knie, womit der DAX den schlechtesten Jahresbeginn seit über 25 Jahren hinter sich gebracht hat. Das weckt Erinnerungen an ähnlich schwache Marktphasen, wie z.B. nach dem Platzen der Internetblase oder der Pleite von Lehman Brothers. Sind solche Abwärtstrends dynamisch und/oder dauern sie nur lange genug, stecken viele Anleger in der Bredouille, da sie kaum mehr Möglichkeit haben, durch Nachkäufe die Einstandspreise ihrer Positionen zu verbilligen. Entweder, weil sie nicht mehr genügend liquides Kapital haben, oder - was insbesondere für institutionelle Anleger zutrifft -, weil ihre Risikobudgets durch den Kurseinbruch weitgehend aufgebraucht sind. Das hat die Suche nach Strategien befeuert, mit denen das Ertrag-Risiko-Profi l der Portfolios verbessert werden kann.

Bereits 2003, also zwei Jahre nach dem 9/11-Crash, reagierte Standard & Poor‘s und brachte in den USA den „S&P 500 Equal Weight“-Index heraus. Im herkömmlichen S&P 500 werden die einzelnen Werte entsprechend ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Das bringt Nachteile mit sich. Aktien, die besonderes stark zulegen, gewinnen durch ihre dann ebenfalls höhere Marktkapitalisierung an Einfl uss im Index, was zu Überbewertungen führen kann. Beim „Equal Weight“- Ansatz wird die Gewichtung aller Indexwerte gleich gehalten, indem die Gewichtung der einzelnen Aktien in regelmäßigen Abständen auf das ursprüngliche Niveau korrigiert wird. Auf diese Weise können sich keine „Wasserköpfe“ bilden, die dann die Entwicklung des gesamten Indexes überdurchschnittlich beeinflussen.

Der „S&P 500 Equal Weight“- Index wird in den USA seit April 2003 von Guggenheim in Form eines Exchange Traded Funds (ETF) abgebildet. Dieser Zeitpunkt gilt als Geburtsstunde intelligenter Index- Varianten, die seit einigen Jahren auch unter dem Oberbegriff „Smart Beta“ zusammengefasst werden. Die neuen Indexkonzepte sollen den Anlegern ein besseres Chance-/Risiko-Profi l als herkömmliche Indizes bieten.

Nach der Finanzkrise 2008 sind Smart Beta-Produkte verstärkt von Vermögensverwaltern eingesetzt worden. Laut Daten von Bloomberg sind mittlerweile weltweit über 400 Mrd. $ in Smart Beta-Produkte investiert worden. Das entspricht einem Anteil von 13 % am Gesamtvolumen von ETFs, ETCs und ETNs (Exchange Traded Notes). Der Ansatz ist besonders in den USA weit verbreitet. Alleine hier sind über 240 Mrd. $ in entsprechende Produkte investiert worden. Europa hinkt dagegen deutlich hinterher. Aber auch diesseits des Atlantiks wird dieser Investitionsansatz immer populärer: 2015 ist das in Smart Beta-ETFs verwaltete Vermögen im Vergleich zum Vorjahr um 49 % auf 15,1 Mrd. € gestiegen.

Die Performance vieler Smart Beta-ETFs kann sich sehen lassen. Besonders eindrucksvoll zeigt dies das Paradevehikel der Branche, der „S&P 500 Equal Weight“-ETF von Guggenheim. Seit Februar 2006 hat der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 6,7 % erzielt, während der S&P 500 nur eine durchschnittliche Wertsteigerung von 6,1 % p.a. vorweisen konnte. Die Volatilität, und damit das Risiko lagen rund 2,5 Prozentpunkte unter der des Standardwerte-Index.

Auch deutsche Anleger können kostengünstig in den gleichgewichteten S&P 500 investieren. Im November 2011 hat die Deutsche Asset & Wealth Management den DB X-Trackers ETF auf den S&P 500 Equal Weight (ISIN: LU0659579493) ins Leben gerufen. Seit Aufl egung erzielte er eine durchschnittliche jährliche Rendite von gut 19 %. Betrachtet man nur die zurückliegenden drei Jahre, vollbrachte der Fonds sogar einen Wertzuwachs von durchschnittlich 23,9 % p.a.

Auch passive Indexfonds, die auf Aktien mit einer nachhaltigen, überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite setzen, haben sich bewährt. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase sind solche Produkte mittlerweile zu einer Alternative für Anleihen geworden. Allein in Deutschland gibt es rund 30 börsengehandelte Indexfonds, die Aktien mit einer hohen Dividendenrendite abbilden. Zieht man das verwaltete Volumen als Referenzgröße heran, ist der von State Street Global Advisors verwaltete ETF auf den S&P Aristocrats (ISIN: IE00B6YX5D40) das populärste Produkt. Der Index enthält nur Unternehmen, die ihre Dividende in den vergangenen ein bis zwei Jahrzehnten kontinuierlich erhöht haben. In den letzten drei Jahren lag die durchschnittliche Rendite bei 17 % p.a. Dazu kommt noch eine Ausschüttungsrendite in Höhe von 2,1 % pro Jahr. Für europäische Dividendenwerte gibt es darüber hinaus den „SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats ETF“ (ISIN: IE00B5M1WJ87). Er erzielte in den letzten drei Jahren eine durchschnittliche Performance von 8,4 % p.a. zuzüglich einer Dividendenrendite von 3,1 %.

Auch Low-Volatilitäts- und Minimum-Varianz-ETFs erfreuen sich großer Beliebtheit. Beispielsweise wurde der iShares S&P 500 Minimum Volatility Ucits ETF (ISIN: DE000A1KB2E7) aufgelegt. In den letzten 12 Monaten verzeichnete er einen Wertzuwachs von 4,5 %, während über die letzten drei Jahre die durchschnittliche Rendite bei 19,7 % p.a. lag.

Smart-Beta-Produkte erheben aber nicht den Anspruch, in jeder Marktphase Überrenditen zu erzielen. Das ließe sich nur mit gleichzeitig höheren Risiken bewerkstelligen. Smart Beta-ETFs können aber eine Entwicklung mit geringerer Volatilität oder eine deutlich niedrigere Korrelation gegenüber traditionellen Anlageprodukten bieten. Nicht der schlechteste Ansatz in einer Zeit, in der die Märkte immer wildere Bocksprünge vollführen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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