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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 20.08.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.08.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Saftige Aufpreise bei Übernahmen

BHP greift nach Düngemittelhersteller Potash „Der Markt hat immer Recht“ ist ein Ausspruch von Vertretern der technischen Analyse, den ich nicht mehr hören kann. „Der Börsenkurs ist der faire Preis, der sich unter Berücksichtigung aller derzeit verfügbaren Informationen gebildet hat“ ist die wissenschaftliche Erklärung dafür, die in meinen Augen nicht weniger falsch ist als obige. Meine Sicht der Dinge ist etwas anders. Die Börsenkurse werden von institutionellen Anlegern bestimmt, Fonds-Managern und ETFs. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, welches Thema gerade in aller Munde ist. Wenn beispielsweise in Russland Weizenfelder abbrennen, in Indien und Pakistan Hochwasser die halbe Ernte vernichtet und in China ebenfalls schlechtes Wetter für schlechte Ernteaussichten sorgt, dann suchen diese Anleger Möglichkeiten, um von dem bevorstehenden Weizenpreisanstieg zu profitieren. Je teurer das Weizen, tschuldigung, der Weizen wird, desto mehr Weizen wollen Bauern auf ihren verfügbaren Feldern anbauen. Sie werden Düngemittel kaufen, um den Ertrag zu steigern. K+S und Potash werden also ein gutes Geschäft machen. Im Zeitalter der ETF-Investments stecken Anleger nun ihre Gelder in Agrar-ETFs. In diesen ETFs stecken nach festgelegtem Schlüssel Aktien aus verschiedenen Bereichen des Agrarsektors. So ist dort sicherlich auch Monsanto vertreten, ein Unternehmen, das derzeit stark unter Beschuss steht, mit unfairen Mitteln seinen Marktanteil auszubauen. Wenn ich Agrarboom höre, möchte ich beispielsweise nicht gerade in Monsanto investieren.

Doch ETF-Investoren haben diese Wahl nicht, sie stecken das Geld in einen Agrar-ETF und dieser verteilt das Geld auf die darin enthaltenen Agraraktien, ungeachtet der jüngsten Entwicklungen und aktuellen Aussichten. Dem Umstand, dass beispielsweise Potash als Düngemittelanbieter wesentlich stärker auf die aktuelle Weizenknappheit reagieren wird als Monsanto, wird bei dieser Form des Investierens keine Rechnung getragen. Der weltgrößte Rohstoffkonzern BHP Billiton hingegen hat diesen Umstand für sich genutzt. Potash passt wunderbar ins eigene Portfolio und BHP möchte Potash gerne kaufen. Diese Woche wurde ein Übernahmeangebot an Potash gegeben, das einen Kursaufschlag von 30% zum aktuellen Kurs beinhaltete. Dieser Preisaufschlag spiegelt wider, was Potash wirklich wert sein könnte. ETF-Investoren sind für solche Gedanken nicht offen. Im Gegenteil, sie wissen häufig garnicht, welche Einzelaktien tatsächlich im ETF enthalten sind. Potash ist der weltgrößte Düngemittelanbieter (Kali) und unterliegt als solcher den Schwankungen der Agrarmärkte. Weizenfelder müssen nicht jedes Jahr gedüngt werden, so ist das Geschäft mit dem Dünger starken Schwankungen unterlegen. Erst wenn sich eine Situation der absoluten Knappheit abzeichnet, wie derzeit, dann werden Bauern aktiv und düngen was das Zeug hält. Einmal gedüngt, sind die Felder wieder für mehrere Erntesaisons gut mit Mineralstoffen bestückt. Für den Bauer lohnt es sich erst bei der nächsten weltweiten Knappheit wieder, tief in die Tasche für Düngemittel zu greifen. Kali wird untertage abgebaut, Potash und K+S sind daher Minenunternehmen. BHP Billiton ist der weltweit größte Minenbetreiber und unterliegt mit seinen Rohstoffen, viel Eisenerz und Kupfer, den Schwankungen der Weltkonjunktur. Ich habe die Kursverläufe von Potash und BHP einmal einander gegenübergestellt und deren Korrelation ausgerechnet. Auf Tagesbasis für die letzten fünf Jahre ergibt sich eine Korrelation von -0,11. Man kann also sagen, die beiden Geschäftsverläufe haben überhaupt garnichts miteinander zu tun. Ein Gigant wie BHP möchte natürlich zu starke Geschäfts- und Kursschwankungen ausgleichen. Im Rahmen der Finanzkrise fiel der Aktienkurs von BHP im Herbst 2008 von 100 auf 30 USD. 70% des Börsenwertes, also knapp 175 Mrd. USD, waren binnen 6 Monaten vernichtet. Das hält kein Aktionär und auch kein Manager aus. Ein wenig mehr Diversifikation ist also auch für ein so großes Unternehmen sinnvoll. Da ist es naheliegend, das vorhandene Minen-Know-how auf den Agrarsektor auszuweiten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen hat BHP Billiton also einen Preis für Potash errechnet, den man zu zahlen bereit wäre. Dieser Preis liegt, ich habe es eingangs gesagt, um mindestens 30% höher als der aktuelle Marktwert, gebildet durch ETFs und Fondsmanager, wiedergibt. BHP sagt somit: Schaut, ihr Investoren, ihr wisst garnicht, was dieses Unternehmen wirklich wert ist. Und wissen Sie, was das Management von Potash darauf geantwortet hat? Die Antwort kam sehr schnell: „Und wir von Potash denken, dass 30% Aufschlag noch viel zu wenig ist“. Ist das nun ein Pokerspiel zwischen BHP und Potash? Oder werden hier die unrealistischen Marktpreise korrigiert? Ich für meinen Teil vertraue den Brancheninsidern eher als den Mathematikgenies, die mit Zahlenmodellen jonglieren können. BHP hat nun wiederum geantwortet, dass man auch eine feindliche Übernahme in Betracht ziehe. Sie können sich nun also auf einen Bieterwettlauf einstellen. Mal sehen, wohin die Reise noch geht. Doch auf der Welt gibt es nicht nur den weltgrößten Minenbetreiber aus Australien (BHP) und den weltgrößten Düngemittelanbieter aus den USA (Potash), sondern auch in Deutschland gibt es Unternehmen, die in diesem Markt mitspielen: K+S. Der Aktienkurs von K+S war vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Weizenknappheit von 37 auf 41 Euro angestiegen. Die Übernahmeschlacht hat nun nochmals einen Sprung über 44 Euro nach sich gezogen. Es ist in meinen Augen nur eine Frage der Zeit, bis auch K+S in diesem Übernahmekarussell gehandelt wird. Doch ist dies ein Einzelfall? Intel kauft Sicherheitssoftwareanbieter Mc Affee 50% Aufschlag auf den aktuellen Marktwert bietet Intel für die Aktien von McAffee! Sie alle kennen den Anbieter von Anti- Virussoftware, Firewalls und Schutz gegen Trojaner. Still und leise hat McAffee über Jahre die eigene Produktpalette ausgebaut und qualitativ verbessert. Das Unternehmen ist schuldenfrei und verfügt über Barreserven von 800 Mio. USD. Intel wird 7,68 Mrd. USD für das Unternehmen bezahlen. Damit erhält Intel 2 Mrd. USD Jahresumsatz mit hoher Gewinnmarge sowie Know-how im Bereich der Sicherheitssoftware. Auch hier teilt uns Intel durch diese Übernahme mit: „Liebe Investoren, McAffee ist wesentlich mehr wert als ihr über ETFs und Fondsmanager dafür bezahlt“. Strategisch sieht auch diese Übernahme sehr sinnvoll aus. Intel hat Probleme, seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der Chips zu behaupten. Smartphones nutzen überwiegend andere Hersteller. Reine Hardwareanbieter gibt es inzwischen wie Sand am Meer und hochqualitative Produkte können die alle anbieten. Die Absetzung vom Wettbewerb muss über andere Mehrwerte erfolgen, beispielsweise über auf dem Chip integrierte Sicherheitsmerkmale. Und dabei kann McAffee Intel helfen. Heute zahlen Sie Ihre Reise über das Internet, kaufen Ihre Büroartikel, Bücher und Kleidung Online oder beziehen einige kostenpflichtige Informationsdienste (bspw. den Heibel-Ticker :-). Dank Firewall, Spionageabwehr und Antivirus als Software mit regelmäßigen Aktualisierungen brauchen Sie sich kaum Sorgen über einen etwaigen Missbrauch zu machen. Die Performance Ihres Rechners geht dadurch jedoch ganz schön in die Knie. Diese Schutzmechanismen in den Chip einzubauen, wäre ein Quantensprung, der auch Smartphones, Netbooks und die vielen anderen kleinen WLAN-Geräte sicher macht, ohne die Performance aufzugeben. Das ist das Ziel, das hinter dieser Übernahme steckt. Mit 18 Mrd. USD Barreserven kann sich Intel die Übernahme locker leisten. In meinen Augen ist die Übernahme auch sinnvoll. Und als Investor nehme ich den Hinweis entgegen, dass die Softwarebude McAffee um 50% unterbewertet war. Bedeutung für den Markt Seit Wochen schon hören wir täglich warnende Stimmen über Konjunkturprobleme insbesondere in den USA. Seit Wochen hören wir auch warnende Stimmen über einen enttäuschenden Aufschwung in Europa mit Ausnahme Deutschlands. Und seit Wochen hören wir Zweifel an der Nachhaltigkeit des chinesischen Aufschwungs. Doch nun schauen Sie einmal auf die Quartalsberichte der vergangenen sechs Wochen zurück: Gab es ein Unternehmen, das wirklich ein schlechtes Ergebnis abgeliefert hat? Fast alle Ergebnisse lagen zumindest im Rahmen der Erwartungen, wenn nicht häufig sogar darüber. Die Enttäuschungen lassen sich an einer Hand abzählen. Zwischen Konjunktursorgen und Geschäftsentwicklung der Unternehmen gibt es offensichtlich eine Diskrepanz und erste Unternehmen wie BHP und Intel sagen, dass die Diskrepanz zulasten der Konjunktursorgen gehen wird – sprich, die Sorgen sind übertrieben.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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