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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 23.03.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 23.03.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

RISC ON – RISC OFF

Manchmal sind die Märkte einfach heiß gelaufen und die nächste Meldung wird zum Anlass für einen Ausverkauf genommen. Diese Woche waren es Bemerkungen eines BHP-Managers im Rahmen einer australischen Rohstoffkonferenz, der betonte, dass die nachlassende Nachfrage nach Eisenerz seitens Chinas nicht das aggressive Investitionsprogramm des Unternehmens beeinträchtige. Veröffentlicht wurde die das Informationsmosaik, das die Nachfrage nach Eisenerz seitens Chinas nachlässt.

 

So haben die Marktteilnehmer diese Woche in diesem Jahr

erstmals ihre rosaroten Brillen abgenommen und schauten sich

sämtliche Meldungen wesentlich skeptischer an als in diesem

Jahr bislang üblich. Doch wer nun Erinnerungen an 2011 hat, der

liegt falsch.

 

Im Jahr 2011 wurde ein Ausverkauf wie diese Woche als Beginn

eines längeren Abwärtstrends gesehen und sehr schnell wurde

alles auf den Markt geworfen, was nicht niet- und nagelfest

war. Kleine Ausverkäufe wurden so verstärkt, vertrauen in den

Markt gab es so gut wie gar nicht. Und wichtiger noch, wer

kleine Korrekturen zum Kaufen nutzte musste kurze Zeit

feststellen, dass seine Position im Minus lag.

 

2012 ist das anders. Kleine Korrekturen werden tatsächlich zum

Einstieg genutzt und bislang lag man damit meist richtig. Die

Korrektur in dieser Woche hatte jedoch eine Besonderheit: Nicht

alle Titel gaben nach, Aktien in Sondersituationen konnten

steigen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum vergangenen

Jahr, als einfach nur alles verkauft wurde.

 

Ich hatte schon vor einigen Wochen auf den Unterschied

hingewiesen, dass im Jahr 2012 gute und schlechte Aktien

unterschiedlich laufen. Anders als zu Zeiten, als

„Finanzmarktprodukte“ die Richtung ganzer Branchen und Märkte

bestimmten schauen die Anleger nun auf Einzelaktien.

 

Erinnern Sie sich: Hatte früher jemand im Autohaus „Feuer“

gerufen, dann rannten alle Autoanleger zu den Ausgängen, egal

ob Daimler, BMW VW oder Toyota, General Motors oder Renault.

Ganz ähnlich lief es in der Bankenbranche oder auch im

Immobiliensektor. Und gleichermaßen wurden ganze Länder

ausverkauft, wenn jemand die Bonität des Landes in Frage

stellte.

 

2012 müssen diese Finanzmarktprodukte an Relevanz abgenommen

haben, denn diese Gruppendynamik gibt es nicht mehr. In unserer

Beobachtungsliste gibt es einige Aktien, die gegen den

Markttrend kräftig zulegen konnten. Und das beste Beispiel ist

die Aktie von MAN; die in dieser Woche um 1,6% zulegen konnte

während die anderen drei deutschen Automobilaktien mit 7,5-9%

im Minus stehen. Anleger unterscheiden wieder.

 

Unternehmensentwicklungen sind wieder relevant. Zum Glück. Und

so geht die Diskussion über „Risc On – Risc Off“ (Risiko an

oder aus) völlig an den neuen Entwicklungen des Jahres 2012

vorbei. Spekulanten hatten im vergangenen Jahr diese

Formulierung immer wieder über den Äther gerufen, um

Ausverkäufe ganzer Länder zu kommentieren. Doch in diesem Jahr

können sie ihren Satz nicht zu Ende formulieren, und schon

laufen einzelne Werte entgegen ihrer Aussage.

 

Ich würde für diese Jahr eine andere Formulierung wählen:

Deutschland und die USA oder der Rest der Welt.

 

Sämtliche Analysen der wirtschaftlichen Situation in Europa

sprechen von einer Liste von Problemen, Geldnot,

Investitionszurückhaltung, Sparzwang, ... doch stets mit der

Fußnote „außer in Deutschland“. Deutschland profitiert

tatsächlich vom verhältnismäßig günstigen Euro-Wechselkurs und

erzielt Exporterfolge. Für Deutschland könnte das Zinsniveau

der EZB deutlich höher stehen, doch das geht natürlich nicht,

weil sonst die anderen Länder zu stark leiden würden.

 

Also wird in Deutschland kräftig investiert, Pläne über

finanzierte Übernahmen ausländischer Wettbewerber sprießen aus

dem Boden und deutsche Produkte finden reißenden Absatz in den

Schwellenländern und in Osteuropa.

 

Und auch die USA erleben einen Aufschwung, wenngleich deren

Notenbankchef Ben Bernanke vorerst lieber noch in Bereitschaft

bleibt. Doch die Arbeitslosigkeit geht zurück, der Export der

USA ist kräftig angestiegen und, ohh Wunder, nach fünf Jahren

Crash und Depression am Immobilienmarkt steigen die

Immobilienpreise endlich wieder langsam an. Man spricht von

einer Erholung am Immobilienmarkt der USA, die auf die

Konjunktur des Landes Auswirkungen hat.

 

Auch für Japan könnte ich mir eine Rückkehr zum Wachstum

vorstellen, doch dazu ist der Yen noch zu stark und die

strukturellen Probleme nach der Katastrophe vor einem Jahr zu

groß. Doch Japan werde ich im Auge behalten.

 

China hingegen sollten wir differenziert betrachten: Das Land

hat sein Wachstum von 12 auf 7,5% gebremst. Dazu waren

drastische Schritte notwendig und diese Schritte wurden in der

Finanzwelt mit Besorgnis aufgenommen. Doch die 12% Wachstum,

die noch vor zwei Jahren erzielt wurden, hatten ebenfalls

überall Sorgenfalten auf die Stirn der Anleger gejagt: Von

Überhitzung und fehlenden Strukturen war die Rede.

 

Nun hat China die Wachstumsgeschwindigkeit erfolgreich

reduziert und diese schritte werden auch in China einiges

durcheinander würfeln. Chinesische Aktien sind in meinen Augen

noch immer kein Ort, wo Sie Ihr Geld anlegen können. Zu

politisch beeinflusst ist der dortige Finanzmarkt und zu jung

ist deren Öffnung für den Westen.

 

Aber bei all diesen Entwicklungen übersehen viele, dass China

nun noch immer mit 7,5% wächst. Davon träumen so ziemlich alle

Industrieländer. Und dieses Wachstum führt noch immer zu einer

steigenden Nachfrage nach Rohstoffen, wenngleich aufgrund der

Bremsspuren vorrübergehend einmal Wachstumspausen eintreten

können.

 

Und so halte ich den Ausverkauf vieler Rohstoffkonzerne in

dieser Woche für eine Kaufgelegenheit. Wir haben einen

Rohstoffkonzern bereits als volle Position zu diesen Preisen in

unserem Portfolio. Wer noch keinen Rohstoffkonzern im Portfolio

hat, der erhält nun die Gelegenheit, einzusteigen.

 

Die Zinsen sind weltweit niedrig. Wir kommen aus einer

mehrjährigen Krisenpolitik und in meinen Augen sind derzeit

alle Probleme bekannt. Klar, eine Überraschung ist genau das:

eine Überraschung. Doch derzeit wüsste ich nicht, was die

Finanzmärkte nun noch überraschen könnte.

 

Besonders Deutschland und die USA sind gestärkt aus den Krisen

hervorgegangen. deswegen halte ich Aktien von deutschen und US-

Unternehmen derzeit für besonders attraktiv.

 

Schauen wir einmal, wie sich die einzelnen Indizes diese Woche

entwickelt haben:

 

Wochenperformance der wichtigsten Indizes

 

INDIZES               22.03.12 Δ

Dow Jones              13.046      -1,6%

DAX                     6.981      -2,3%

Nikkei                 10.011      -1,2%

Euro/US-Dollar           1,326      1,4%

Euro/Yen              109,5636      0,3%

10-Jahre-US-Anleihe      2,28%      0,0

Umlaufrendite Dt         1,72%      0,2

Feinunze Gold USD    $1.651,00     -0,3%

Fass Brent Öl USD     $123,94       0,7%

Kupfer in US$/to        8.396      -1,8%

Baltic Dry Shipping I      902      4,2%

 

Der Goldpreis rutscht weiter ab und ich möchte Sie nochmals

darauf hinweisen, dass ich einen Depotanteil von 10-20% für

Gold für angemessen halte. Wenngleich die Aktienbörsen derzeit

eine Renaissance erleben mögen, so sind die Staatsschulden

dennoch auf Rekordhöhen und die Notenbankpressen laufen 24

Stunden am Tag. Die Probleme sind zwar in meinen Augen nicht

mehr erdrückend, doch wird das Gold als sicherer Hafen noch

einige Zeit gefragt bleiben.

 

Schauen wir einmal, wie sich die Stimmung unter Anlegern und

Analysten entwickelt:

 

Sentimentdaten

 

Analysten

Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

 

Kaufen / Verkaufen

02.03.- 09.03. (178): 54% / 11%

09.03.- 16.03. (171): 43% / 14%

16.03.- 23.03. (233): 53% / 13%

 

Kaufempfehlungen der Analysten

Apple, Dt. Post, K+S

 

Verkaufsempfehlungen der Analysten

Solarworld, Krones, Metro

 

Privatanleger

10. KW: 58% Bullen (147 Stimmen)

11. KW: 75% Bullen (132 Stimmen)

12. KW: 62% Bullen (152 Stimmen)

 

Kaufempfehlungen der Privatanleger

Daimler, Euromicron, Société Générale

 

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger

Krones, Artprice S.A., Douglas Hldg.

 

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise

erstellt:

http://www.sharewise.com?heibel

 

 

Wie eingangs angekündigt hier der Artikel befreundeten

Wettbewerbers, oder wie soll ich ihn nennen, Jochen Steffens,

der sehr schön veranschaulicht, wie aus einer bullischen

Begründung durch Bären ein Alarmsignal gemacht wird.

 

 

Das Haar in der Suppe seltsamer

Rohstoff-Nachrichten

von Jochen Steffens

http://www.stockstreet.de/

 

Dieses Mal ist nicht der Ölpreis schuld. Nein, dieses Mal soll

es eine Aussage von Ian Ashby gewesen sein, welche zunächst

australische Rohstoffaktien in den Keller schickte, denen dann

auf dem Fuße die asiatischen und schließlich auch die

europäischen Aktienmärkte folgten. Ian Ashby ist der Leiter der

Eisenerzsparte des australisch-britischen Rohstoffkonzerns BHP-

Billiton, neben Vale und Rio Tinto eines der drei größten

Rohstoffunternehmen der Welt.

 

Auswüchse der Nachrichtenübermittlung?

 

Es geht dabei um Aussagen, die am Rande einer in Perth

stattfindenden Erz-Konferenz australischer Minenbetreiber

getätigt wurden. Aussagen, die im Zusammenhang mit der Prognose

des chinesischen Premierministers Wen Jiabao beim 11.

Volkskongress stehen, dass sich das chinesische

Wirtschaftswachstum auf 7,5 Prozent abschwächen wird (wie auch

schon berichtet).

 

Und hier fangen die Auswüchse der Nachrichtenübermittlung an.

Die Nachricht, die um die Welt ging, war, dass Ian Ashby davon

ausgehe, die Eisenerznachfrage in China werde sich „stark

abschwächen“. Hört sich doch gefährlich an. Aber es ist schon

eine Dramatisierung. Bei genauerem Recherchieren findet man

etwas frühere Nachrichten, die schreiben, dass Ian Ashby

erwarte, dass das chinesische Nachfragewachstum in den

einstelligen Prozentbereich absacken werde oder schon auf

dieses Niveau zurückgegangen sei.

 

Das war geschehen

 

Schaut man sich die australischen Originalnachrichten an, hört

sich das alles schon wieder ganz anders an: Danach ist Ian

Ashby bei dieser Konferenz Spekulationen entgegengetreten,

konkrete Expansionspläne von BHP-Billiton seien aufgrund der

niedrigeren Wachstumsprognose in China in Frage gestellt. Laut

Ashby werden diese ganz im Gegenteil mit (Zitat) „Volldampf“

vorangetrieben. (Anm. d. Red.: Das allein hört sich schon kaum

noch pessimistisch an). Zudem weist er darauf hin, dass sich

die chinesische Stahlerzeugung in diesem Jahr im Bereich von 1

bis 1,1 Mrd. Tonnen bewegen werde. 2011 wurden hingegen „nur“

700 Mio. Tonnen Stahl produziert, nach 620 bzw. 672 im Jahr

2010 (je nach Veröffentlichung) – auch das ein deutlicher

Anstieg. Doch im weiteren Verlauf folgten die Aussagen, um die

es geht.

 

Die Originalzitate

 

Dazu die Originalzitate von Ian Ashby:

„The really high double-digit numbers of the last seven or

eight years…clearly, we don’t have those anymore," - Die

wirklich hohen zweistelligen Werte der vergangenen sieben oder

acht Jahre, die haben wir eindeutig nicht mehr.

 

"So you are getting into steel growth that is less than pure

GDP growth." - So gehen wir in ein Stahl-Wachstum über, das

geringer ist als das reine BIP-Wachstum.

 

"But the thing for us is that the size of the steel pie has

gotten so big, which translates into the iron ore demand, and

there is still plenty of opportunity to grow in that." - Aber

die Sache für uns ist doch die, dass der Stahlanteil so groß

geworden ist und dieser direkt die Eisenerznachfrage bedingt,

dass da noch sehr viel Platz für weiteres Wachstum ist.

 

Das klingt doch eigentlich sehr optimistisch. Vor allem, wenn

man sich zudem bewusst macht, dass ein jährlich zweistelliges

Wachstum einer Stahlproduktion rein mathematisch schon auf

Dauer nicht durchzuhalten ist.

 

Für Ian Ashby sind die Wachstumsraten Chinas im Stahl- und

damit im Eisenerzsektor zudem inzwischen eher zweitrangig.

China produziert mittlerweile rund 50 % der weltweiten

Stahlmenge. Dieser Anteil ist damit derart unvorstellbar groß,

dass allein mit der Befriedigung des dadurch bedingten

Eisenerzbedarfs die drei Großen (BHP Billiton, Vale, Rio Tinto)

genug Wachstumspotenzial sehen.

 

So wurde bei dieser „Stillen Post“ der Nachrichtenübermittlung

ganz nebenbei auch völlig ignoriert, dass sich zum Beispiel

David Joyce, zuständig für Expansionsprojekte bei Rio Tinto,

auf der gleichen Konferenz ebenfalls sehr optimistisch zeigte,

genauso wie die Teilnehmer dieser Konferenz insgesamt.

 

Das Haar in der Suppe

 

Ja, hier haben Anleger offensichtlich das Haar in der Suppe

gesucht und gefunden. Aber es ist ein schönes Beispiel dafür,

wie sich Nachrichten an den Börsen entwickeln. Es ist eines der

Probleme des Internetzeitalters, dass sich Nachrichten rasend

schnell verbreiten, ohne dass noch eine wirkliche Recherche

betrieben wird. Jeder schreibt von jedem ab und so entsteht

schnell dieses Stille-Post-Phänomen.

 

 

___Ende des Artikels von Jochen Steffens___

Vielen Dank an Jochen Steffens für die zur Verfügung Stellung

dieses Artikels.

 

 

Top Analystenziele

 

Sie wollen wissen, was die Analysten im Ein-zelnen für Aussagen

treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie

ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den

höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach

an, wo das aktuel-le Kursziel des Analysten prozentual am meis-

ten über dem aktuellen Kurs liegt:

 

Firma  Analyse vom  Kurs   Ziel  Upside

EPIGENOMICS 19.03  0,97€  5,50€  467,01%

SKY Dt. AG  21.03  2,14€  4,25€   98,60%

VW AG VZ    19.03   131€   237€   80,78%

ADIDAS AG   22.03 46,80€ 80,00€   70,94%

BMW AG      19.03 67,41€ 115,0€   70,60%

DEUTZ AG    19.03  4,96€  8,00€   61,29%

EUROMICRON  19.03 18,19€ 28,00€   53,93%

TUI AG      22.03  5,43€  8,30€   52,85%

 

Es handelt sich um Analysen aus dieser Wo-che. Bitte genießen

Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig

auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille

sorgen kann, weshalb Analystenein-schätzungen tendenziell

optimistischer ausfal-len als es die Realität anschließend

erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber,

wo die Erwartungen mit dem aktuel-len Kurs am weitesten

auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst

oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall

individuell zu beurteilen.

 

Wenngleich die Wunschanalyse zu EADS im übernächsten Kapitel

die Aktien als kaufenswert herausstellt so gibt es doch eine

andere Aktie der Flugzeugindustrie, die ich der Aktie von EADS

vorziehen würde. Mehr dazu im nächsten Kapitel.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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