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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 05.04.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 05.04.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Reizthema ESM Rettungsfonds

Beinahe täglich werde ich derzeit von Lesern nach meiner Meinung zum ESM befragt, dem europäischen Rettungsfonds, der ab Juli den EFSF als Rettungsfonds für überschuldete europäische Staaten ablösen soll und derzeit mit 700 Mrd. Euro ausgestattet werden soll. Schaffen wir uns dort ein Monster, das wir anschließend nicht mehr beherrschen können? Ist dies das Ende der Demokratie?

 

Bei den Tonnen von Dokumenten, die ich inzwischen gesichtet

habe, habe ich überwiegend den Eindruck, dass die Angst vor der

neu zu schaffenden Institution die treibende Kraft der Kritik

ist. Bei einigen anderen Kritikern würde ich reine politische

Taktik unterstellen. Um mir eine eigene Meinung zu bilden, die

ich hier im Heibel-Ticker vertreten kann, blieb mir nichts

anderes übrig, als mich selber durch den Vertragstext zu

kämpfen.

 

Bei meiner Analyse sind am Ende auch ein paar bedenkliche

Kritikpunkte übriggeblieben, die ich Ihnen nun erläutern

möchte.

 

Wir müssen zwischen zwei Gesichtspunkten unterscheiden: Zum

einen das finanzpolitische Ziel des ESM, die Stabilität im

Euroraum zu gewährleisten und instabilen Ländern zu helfen,

auch wenn einzelne Euroländer nicht gerne helfen würden und zum

anderen den Weg, um dieses Ziel mit den verschiedenen

Grundgesetzen und Verfassungen der einzelnen Euroländer zu

erreichen.

 

Das Ziel wird vielfach kritisiert. Überschuldete Euroländer

sollen dem Willen der Kritiker zufolge ihre Suppe selber

auslöffeln. Doch auch wenn wir in Deutschland es nicht

wahrhaben wollen, einer der großen Vorteile Europas auf den

internationalen Finanzmärkten ist eben genau die Solidarität,

die wir Euroländer füreinander aufbringen, um Euroland in

seiner heutigen Form zu erhalten. Nur so können auch die Club-

Med Länder in den Genuss der günstigen Zinsen kommen, und nur

damit können die Club-Med Länder mittelfristig einen gesunden

Wachstumspfad einschlagen, damit sie auch unseren

Wirtschaftsraum vergrößern helfen.

 

Ob Griechenland, Portugal, Spanien, Irland oder gar Italien,

die „Angriffe“ der Spekulanten gegen die jeweiligen

Staatsanleihen wurden aus zwei Gründen gefahren: Zum einen,

weil die Länder überschuldet sind und zum anderen, weil die

Handlungsfähigkeit und der Handlungswille der EU getestet

werden konnte.

 

Die Überschuldung der Länder ist Sache der einzelnen Länder.

Doch wenn wir füreinander einstehen sollen, dann müssen die

Länder sich an bestimmte Mindestregelungen halten, wie

beispielsweise die Schuldenbremse. So wurde zeitgleich mit dem

ESM auch die Schuldenbremse diskutiert, und sämtliche

Euroländer haben bereits den politischen Willen bekundet, die

Schuldenbremsen einzuführen.

 

Nachdem ein Euroland die Schuldenbremse nicht einhält und bevor

der ESM eingreifen muss, gibt es eine Reihe von

Eingriffsmöglichkeiten für die EU. Ein erster Schritt in

Richtung Fiskalunion. Und für ESM-Hilfen muss das überschuldete

Euroland tiefgreifende Eingriffe in die eigene Geldpolitik

zulassen, ein weiterer Schritt in Richtung Fiskalunion.

 

Lehnen wir uns einmal zurück und schauen wir uns den Stand der

EU einmal an: Seit 1992 gibt es die Kritik an der Euro-

Einführung: Eine Währungsunion ohne Fiskalunion (gemeinsame

Wirtschaftspolitik) sei zum Scheitern verurteilt. Und ja,

derzeit sieht es danach aus, als behielten die Kritiker Recht.

 

Doch wie soll die Fiskalunion aussehen? Wollen wir aus unserem

Wirtschaftsministerium einen zahnlosen Tiger wie die Bundesbank

machen, die hinter der EZB Kapitän zum Steuermann oder gar zum

Schiffsjungen degradiert wurde? Wollen wir die Fiskalpolitik

(Steuereintreibung, Subventionen, ...) nach Brüssel delegieren?

Ich für meinen Teil bin bei aller Europa-Begeisterung dazu nun

doch nicht bereit.

 

Also können wir Europa nicht nach dem Vorbild bestehender

Staaten bauen, auch nicht nach dem Vorbild der Vereinigten

Staaten von Amerika. Wir wollen ja ein Europa mit mündigen

Nationalstaaten und gleichzeitig mit der Sicherheit eines 400

Millionen Volkes.

 

So begibt sich die Politik auf Neuland und bildet den ESM in

Teilen als europäische kleine Schwester des weltweit agierenden

IWF, doch mit einigen Sonderrechten, die zunächst einmal

stutzig machen.

 

So darf der ESM das Nachschießen von Mitteln bei den

Mitgliedsstaaten einfordern, wenn der ESM dies für notwendig

erachtet. Der ESM kann also, wenn er will, theoretisch

unbegrenzt Mittel einfordern. Und wenn andere Mitglieds-staaten

nicht zahlen, dann erhöht sich die Zahlungspflicht der

verbleibenden Mitgliedsstaaten entsprechend. Klar, dass wir

Deutsche derzeit darin die Gefahr sehen, dass wir zuletzt ganz

Europa finanzieren müssen.

 

Dagegen kann sich Deutschland nicht wehren, denn der ESM kann

nicht verklagt werden, die Politik kann auch keinen Einfluss

auf die Entscheidungen im ESM nehmen. Der ESM ist, einmal

geschaffen, ein Monster, das uns alle in den Abgrund reißen

kann.

 

Doch ist diese Gefahr real? Ich glaube nein. Länder, die nicht

zahlen, dürfen im ESM auch nicht mehr abstimmen. Und so wird

die Entscheidung stets bei denen liegen, die noch zahlen

können. Es hilft, sich einmal die Zusammensetzung des ESM

anzuschauen.

 

Jedes Land entsendet einen Gouverneur in den ESM, der

entsprechend einer Kennziffer, die grob gesagt aus der

Wirtschaftskraft eines Landes errechnet wird, Stimmgewicht hat.

Wesentliche Entscheidungen müssen mindestens mit 85% Mehrheit

gefasst werden, und Deutschland hat heute ein Gewicht von 27%.

Gegen den Willen unseres Gouverneurs geht also gar nichts.

 

Doch der theoretischen Möglichkeit der unbegrenzten

Nachschusspflicht für das deutsche Volk erwächst die

Notwendigkeit, den ESM in Deutschland mit einer breiten

Mehrheit aus dem Volke zu untermauern. Derzeit versucht die CDU

einen Alleingang. Die Kritik aus der FDP wird durch eine

Partnerschaft mit der SPD in diesem Punkt übergangen. Wir

kommen somit zum zweiten Punkt, zum Weg zum ESM.

 

Die europäische Einigung ist alles andere als ein harmonischer

Prozess. Jedes Land verfolgt eigene Interessen im

Einigungsprozess und will sich hier und da ein paar Vorteile,

kulturelle Eigenarten oder ähnliches sichern. Bis heute konnte

man sich nicht auf eine europäische Verfassung einigen und

arbeitet daher behelfsweise auf der Basis der Verträge von

Lissabon.

 

Diese Basis ist ein kleinster Nenner, den die Politik umsetzen

konnte, ohne die breite Zustimmung der Völker einzuholen. Und

dieses dünne Brett führt bei jeder Gelegenheit zu weiterer

Kritik des Volkes am europäischen Einigungsprozess, so auch bei

der Schaffung des ESM.

 

Stellen Sie sich einmal vor das Volk stünde voll und ganz

hinter Europa, man würde natürlich sämtliche Schritte, die der

Einigung helfen, von der Regierung erwarten und unterstützen.

Doch das ist nicht der Fall, und so wird jede größere

Entscheidung wieder zum Anlass genommen, nach einem

Volksentscheid zu rufen, oder zumindest nach größer

parlamentarischer Beteiligung.

 

In dem Wust an verschiedenen Interessen gibt es also derzeit

einen Punkt, der  auch in meinen Augen kritikwürdig ist: Die

fehlende breite Unterstützung für den ESM, eine fehlende

Volksabstimmung oder breitere parlamentarische Beteiligung.

 

Derweil nimmt der Druck auf Italien und Spanien wieder zu.

Nachdem Europa im Dezember unter Leitung von Angela Merkel

Einigkeit und Handlungswillen demonstriert hat, haben sich die

Märkte beruhigt. Nun kommt es zur Umsetzung der damals

beschlossenen Schritte, und parallel zur aufkommenden Kritik

geraten auch die Finanzmärkte wieder unter Druck. Italien hat

eine grottenschlechte Staatsanleihenauktion vor zehn Tagen

hingelegt. Spanien ruft um Hilfe bei der EZB und spricht von

der Grenze der Leistungsfähigkeit. Die Renditen schnellen schon

wieder in die Höhe.

 

Die fehlende Fiskalunion ist seit 1992 bekannt. Und doch haben

es Generationen von Politikern nicht geschafft, diesen Fehler

auszubügeln. Wenn Sie sich anschauen, zu welchem Zeitpunkt

sinnvolle Entscheidungen aus Berlin und Brüssel getroffen

wurden, dann werden Sie vielleicht auch zu der Überzeugung

kommen, dass ohne Chaos keine tiefgreifenden Änderungen möglich

sind.

 

So nehme ich an, dass wir wieder ein wenig mehr Chaos bekommen

und dass der ESM gleichzeitig verteufelt und vielleicht sogar

vor das Verfassungsgericht gezerrt wird. Doch vielleicht ist

dies eine Situation, in der die europäische Union

vorangetrieben wird ohne die Zustimmung des Volkes, ohne die

Zustimmung des Parlamentes. Vielleicht wird man in zehn Jahren

Angela Merkel große Führungsqualitäten bescheinigen während wir

heute nur auf die Verfahrensfehler hinweisen.

 

Vielleicht aber wird es sich herausstellen, dass nur

zusammenwächst was zusammengehört, und Europa gehört eben noch

nicht zusammen. Wenn dem so ist, dann wird Europa ohnehin im

Chaos enden. So einfach lässt sich nun der Rückwärtsgang nicht

mehr einlegen.

 

Warum also nicht mit voller Kraft voraus und das Risiko

eingehen, dass das Verfassungsgericht anschließend

Nachbesserungen einfordert, die man dann eben noch einbindet –

nachträglich, während der Einigungsprozess in vielen

europäischen Ländern ungebremst fortschreitet. Die Finanzmärkte

lassen keine Bremse mehr zu.

 

Meine Kritik würde ich also anders formulieren: Dem ESM fehlt

die Basis einer europäischen Verfassung. Europäische Völker,

nicht nur wir Deutschen, fühlen sich in den europäischen

Einigungsprozess nicht eingebunden. Ein durchs Hintertürchen

abgeschlossener Staatsvertrag von Lissabon kann nicht die Basis

für ein vereintes Europa sein, die Europäer sind sich über ihre

Rechte und Pflichten nicht einig.

 

Es ist eine Kritik, die Europa letztlich zum Scheitern bringen

kann. Doch aus pragmatischer Sicht und als überzeugter Europäer

würde ich nicht den ESM zum Vehikel nehmen, diesen Malus nun

anzuprangern. Das würde zum vorzeitigen Ende Europas führen.

 

 

Schauen wir einmal, wie sich die einzelnen Indizes diese Woche

entwickelt haben:

 

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

 

INDIZES               12.04.12 DIFF

Dow Jones              12.987      -0,7%

DAX                     6.743      -0,6%

Nikkei                  9.638      -1,3%

Euro/US-Dollar          1,307      -0,6%

Euro/Yen             105,7635      -2,2%

10-Jahres-US-Anleihe     1,99%     -0,3

Umlaufrendite Dt         1,42%     -0,1

Feinunze Gold USD   $1.667,10       2,7%

Fass Brent Öl USD     $121,46      -1,5%

Kupfer in US$/to        7.990      -4,8%

Baltic Dry Shipping I     960       3,7%

 

 

SORGEN ÜBER CHINA

 

China wächst „nur“ noch mit 8,1%. Erwartet wurde ein Wachstum

von 8,4%, im Vorjahr waren es noch 8,9%. Eine Bruchlandung der

Wirtschaft in China wird nun befürchtet, dabei ist die Ziffer

in meinen Augen eher ein Beweis für den Erfolg der restriktiven

Geldpolitik Chinas und darüber hinaus das Signal, nun wieder

die Zügel zu lockern. Ich habe mich also über die „schlechtere“

Wachstumsziffer gefreut, denn ich möchte endlich weitere

geldpolitische Lockerungen in China sehen.

 

An den Märkten wurde überwiegend negativ auf die Zahl reagiert,

da man Angst hat, China könnte zu stark ausgebremst haben und

nun folgt eine Bruchlandung der Wirtschaft, was die

Weltkonjunktur in Mitleidenschaft ziehen würde.

 

Ich nehme an, dass China nunmehr so lange als Grund zur Sorge

herangezogen wird, wie das Wachstum unter 9% verbleibt. Meiner

optimistischen Erwartung zufolge sollten Lockerungsmaßnahmen

dazu führen, dass zum Ende des Jahres wieder Wachstumsraten

nördlich der 9% erreich werden. Bleibt das aus, dann haben wir

tatsächlich Probleme. Sinkt das Wachstum in den kommenden

Monaten weiter ab, dann werde auch ich besorgt.

 

Doch bis dahin bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass China

die Abkühlung der eigenen Wirtschaft gut im Griff hat.

 

Schauen wir einmal, wie sich die Stimmung unter Anlegern und

Analysten entwickelt:

 

SENTIMENTDATEN

 

Analysten

Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

 

Kaufen / Verkaufen

23.03.- 30.03. (229): 46% / 18%

30.03.- 05.04. (153): 47% / 12%

05.04.- 13.04. (159): 49% / 15%

 

Kaufempfehlungen der Analysten

Danone, BASF, Cisco

 

Verkaufsempfehlungen der Analysten

Nokia, Carrefour, Unilever

 

Privatanleger

13. KW: 70% Bullen (193 Stimmen)

14. KW: 65% Bullen (177 Stimmen)

15. KW: 66% Bullen (183 Stimmen)

 

Kaufempfehlungen der Privatanleger

Commerzbank, Electricite de France, SGL Carbon

 

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger

Supervalue, Coca Cola, CFAO

 

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise

erstellt:

http://www.sharewise.com?heibel

 

 

Hui, die Stimmung bleibt verhältnismäßig negativ. Die Bären

kommen aus ihren Höhlen und nisten sich so langsam auf dem

Börsenparkett ein.

 

 

TOP-ANALYSTENZIELE

 

Sie wollen wissen, was die Analysten im Einzelnen für Aussagen

treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie

ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den

höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach

an, wo das aktuelle Kursziel des Analysten prozentual am

meisten über dem aktuellen Kurs liegt:

 

Firma  Analyse vom  Kurs   Ziel  Upside

SKY Dtl.    12.04.  2,01€  4,25€ 111,44%

RHÖN-KLINIK 13.04. 13,95€ 22,00€  57,71%

PORSCHE     10.04. 42,70€ 66,00€  54,57%

BAUER AG    13.04. 19,80€ 28,00€  41,41%

LUFTHANSA   13.04.  9,96€ 14,00€  40,56%

Gigaset     10.04.  2,28€  3,20€  40,35%

CELESIO AG  13.04. 12,83€ 18,00€  40,30%

VOLKSWAGEN  13.04.129,06€180,00€  39,47%

KLOECKNER   12.04. 10,14€ 14,00€  38,07%

LANXESS AG  11.04. 58,61€ 80,00€  36,50%

 

Es handelt sich um Analysen aus dieser Woche. Bitte genießen

Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig

auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille

sorgen kann, weshalb Analysteneinschätzungen tendenziell

optimistischer ausfallen als es die Realität anschließend

erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber,

wo die Erwartungen mit dem aktuellen Kurs am weitesten

auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst

oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall

individuell zu beurteilen.

 

 

GOOGLE HEBT STRATEGIE ÜBER ZAHLEN

 

Gestern Abend hat Google seine Zahlen vorgelegt. Der Umsatz ist

stärker angewachsen als erwartet, doch der Gewinn blieb hinter

den Erwartungen zurück. Grund: Margenverfall bei der

Klickwerbung. Der durchschnittliche Klickpreis ging um 12%

zurück. Für ein Wachstumsunternehmen ist das nicht hinnehmbar,

es sei denn, es gibt nachvollziehbare Gründe dafür.

 

Doch diese Gründe lieferte Google nicht. Man verlor sich in

einer berauschenden Präsentation der Zukunftsstrategie, es

wurde auf die Vorteile von gründergeführten Unternehmen

verwiesen und gab einen Aktiensplitt im Verhältnis von 1:2

bekannt, wobei die neuen Aktien kein Stimmrecht erhalten

werden.

 

Die neuen Aktien sollen die Machtbasis des Gründerpaares

sichern, Akquisitionen sollen künftig mit stimmrechtslosen

Vorzugsaktien erfolgen.

 

Google hat ein KGV von 11, und alles, was ich gehört habe, hat

mich überzeugt. Bei einem KGV von inzwischen nur noch 11 kann

man eigentlich nichts kritisieren, schon gar nicht bei einer

erwarteten Wachstumsrate von 17% in den nächsten fünf Jahren!

Die Aktie ist billig.

 

Doch es fehlten mir genauere Angaben über die eingeschlagene

Strategie. Insbesondere Aussagen über die Art und Weise, wie

Motorola in den Konzern eingebunden werden soll,   das

Unternehmen wurde kürzlich gekauft.

 

Und auch wie die Strategie für das mobile Internet aussieht.

Eine entsprechende Frage in der anschließenden

Analystenkonferenz wurde wie folgt beantwortet: Wir wollen

Android weiter verbreiten, damit wir eine breite Plattform für

unser mobiles Internet haben und darüber Werbung ausliefern

können.

 

Doch die Werbung über das Mobilfunknetz hat wesentlich kleinere

Gewinnmargen als die heutige AdWords-Werbung. Mich würde

interessieren, wie die Mobilfunkwerbung im Bereich von AdWords

kanibalisiert werden soll, in welchem Zeitraum hier ein

wesentlicher Umstieg auf das Mobilfunknetz erfolgen soll. Doch

darüber wurde nichts gesagt.

 

Ist der rückläufige Klickpreis bereits die Folge der

Mobilfunkstrategie von Google? Keine Antwort.

 

Google setzt alles auf das mobile Internet, das wurde mehrfach

in der Analystenkonferenz betont. Doch wenn es ums Detail ging,

verwies man darauf, dass auch die Integration von YouTube Jahre

gedauert habe, bis heute endlich Geld abgeworfen wird. Und um

sich nicht die Macht nehmen zu lassen, hat Google nun für

weitere Übernahmen Vorzugsaktien geschaffen. Das Gründerpaar

wird also unbehelligt agieren können. Hoffen wir, dass sie

weiterhin ein gutes Händchen haben.

 

 

FACEBOOK: 1 MRD. USD FÜR 13 PERSONEN

 

Facebook hat Instagram für eine Milliarde US-Dollar gekauft.

Instagram beschäftigt 13 Mitarbeiter und bietet einen Photo-

Dienst an, über den man seine Photos mit der ganzen Welt teilen

kann – ein soziales Photonetz sozusagen.

 

Eine Milliarde US-Dollar für dreizehn Mitarbeiter. Hier sehen

wir, dass Facebook heute schon, also deutlich vor seinem

Börsengang, im Geld schwimmt und sich das zukaufen kann, was

ihm gefällt. Ist hier eine Blase in der Entstehung? Ich kann es

mir gut vorstellen. Sollten Sie daher die Finger von Facebook

und anderen Aktien der sozialen Netze lassen? Nein, noch nicht

– lassen Sie die Blase ruhig noch etwas größer werden.

 

 

AOL: 1 MRD. USD FÜR 800 PATENTE

 

AOL ist inzwischen nur noch 1,7 Mrd. USD wert gewesen, da kauft

Microsoft aus heiterem Himmel dem Unternehmen 800 Patente für

eine Mrd. USD ab. Ein „immaterieller“ Wert, der in der

Unternehmensbewertung von AOL nicht im geringsten

berücksichtigt wurde. Über Nacht sprang AOL auf eine

Marktkapitalisierung von 2,5 Mrd. USD.

 

Google kauft Motorola und schert sich kaum um dessen

Hardwaregeschäft. Facebook kauft Instagram und schert sich kaum

um deren dünne Personaldecke. Microsoft kauft gleich nur noch

direkt die Patente. Was geht da vor?

 

Wenn wir uns dann die Meldungen anschauen, dann stellen wir

fest, wie viele Klagen weltweit anhängig sind. Jeder verklagt

jeden, könnte man meinen, selbst seinen Kunden und seine

treuesten Lieferanten. Wer verklagt wird, holt in jedem Fall

zum Gegenschlag aus und klagt zurück. Meist enden die Klagen

dann mit einem Vergleich. Vereinfacht gesagt könnte ich mir

vorstellen, dass die Parteien sich wie folgt einigen: Du hast

fünf Kilo relevante Patente, ich habe 7 Kilo, also musst Du mir

ein paar hundert Millionen überweisen. Wer blickt sonst denn

noch durch das Patentgewirr hindurch?

 

Patentklagen sind inzwischen ein maßgeblicher Teil der

Geschäftspolitik, und ich fürchte, dass dieser Teil weiter

anwächst.

 

Keine Ahnung, wie wir Privatanleger von diesem Trend

profitieren können, doch zeigt das Beispiel von AOL, dass

einige alte Internetdinosaurier durchaus noch Patente halten,

die einiges wert sein könnten. Ich denke da insbesondere an

Yahoo!, die seit Jahren keine vernünftige Strategie mehr auf

die Beine stellen. Irgendwann wird bei Yahoo! nicht mehr das

Geschäft bewertet, sondern die Patente.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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