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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 04.05.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.05.2016:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Regenerative Energien-Aktien - Quo Vadis?

Die Ergebnisse des Pariser Klimagipfels (langfristiger Übergang zu erneuerbaren Energien) wurde im Aktionärsbrief hinreichend diskutiert. Sie sind ein Trigger für einen Zeithorizont über fünf Jahre. Langfristig resultieren daraus exzellente Investmentchancen. Kurszfristig spielen aber andere Fakten eine Rolle, um die entsprechenden Aktien zu beurteilen. Kurzfristig stellt sich die Frage:

Wie verfahren die Regierungen mit ihren Subventionen? In Deutschland werden sie nach aktuellem Stand ab 2017 reduziert. Geplant ist   eine Umstellung von staatlich garantierten Einspeisevergütungen hin zu einem marktbasierten Auktionsmodell. Grund ist die Vorreiterrolle Deutschlands. Im zurückliegenden Jahr wurden bereits 30 % des Bruttostromverbrauchs aus regenerativen Energien generiert. Ziel bis 2015 sind 40 bis 45 %. 2010 waren es 20 %. Da man bereits sehr früh sehr gut unterwegs war, wird nun gedrosselt. Konkret:

Die Maßnahmen werden spürbar sein. Die maximale Zubaugrenze für Windenergie an Land soll drastisch auf 2,5 Gigawatt p. a. (derzeit rd. 3,7 Gigawatt) reduziert werden. Hinzu kommt die Einführung des Ausschreibungsverfahrens für Projektentwickler. Es darf davon ausgegangen werden, dass diese sich im Ausschreibungsverfahren hinsichtlich der Preise unterbieten. Letztlich geht es darum, mit wie viel Euro-Cent je Kilowattstunde die Projektierer sich zufrieden geben. Das hat Konsequenzen:

Die gesamte Wertschöpfungskette in Deutschland wird betroffen sein. Die Parkbetreiber haben bestimmte Renditeziele. Somit geraten die Projektentwickler unter Druck und wenden sich an die Turbinenhersteller. Sie drücken die Preise und setzen auf mehr Effizienz. Deshalb könnte 2017 bei der Windenergie das passieren, was 2011 den Solarsektor hart getroffen hat: Deutlich sinkende Preise bei fallendem Volumen. Was bedeutet dies für deutsche „Regenerative-Energien-Aktien?

Die Solarparkbetreiber sind zunächst nicht betroffen. Derzeit ist die Pipeline voll. Es sind reichlich attraktive Projekte am Markt. Deshalb muss man bei Titel wie Capital Stage (zuletzt durch eine Kapitalerhöhung unter Druck) oder 7C Solarparken keine Sorgen haben, zumal die bisherigen Einspeisevergütungen auf 20 Jahre gesichert sind. Das ist gesetzlich verankert. Eine Korrektur wie zuletzt bei Capital Stage ist deshalb ganz klar eine Chance. Das niedrige Zinsniveau treibt zudem die Margen. Die Zahlen zum ersten Quartal kommen am 31. Mai. Hier ist auch eine Prognoseerhöhung vorstellbar. Die Kursziele reichen bis mindestens 9,50 €.

Ab 2020 dürfte jedoch das Wachstum der Betreiber schwieriger werden. Denn mit der neuen Förderung wird die Anzahl der Projekte deutlich sinken. Gute Projekte mit hohen Renditen werden seltener und der Konkurrenzkampf um neue Parks dürfte deutlich zunehmen. Deshalb wird die Internationalisierung immer wichtiger. Letztlich ist auch deshalb eine Branchen-Konsolidierung zu erwarten. Wir glauben nicht, dass Betreiber wie 7C Solarparken oder Chorus Clean Energy 2020 noch eigenständig sind.

Bei den Geräteherstellern forciert NORDEX seine Internationalisierung. Mit der Übernahme von Acciona erhält man einen starken Zugang zu den lateinamerikanischen Märkten. Zudem startet Acciona demnächst eine Produktion im zukunftsträchtigen indischen Markt. Nordex hatte mit seinem Zahlenwerk per 2015 einen recht konservativen Margenausblick gegeben. Grund der vorsichtigen Haltung waren Vorsichtsmaßnahmen, was die Eingliederung der neu übernommenen Acciona betraf. Man darf davon ausgehen, dass diese Maßnahmen viel zu konservativ sind. Schon im ersten Quartal sollte sich herausstellen, dass Nordex exzellent unterwegs ist, zum einen hinsichtlich der Auftragseingänge, zum anderen hinsichtlich der Margen. Acconia wird ab April konsolidiert. Für 2016 plant Nordex mit einer EBITDA-Marge von 7,5 % bei einem Umsatz um 3,4 Mrd. €. Bis 2018 setzt man sich einen Umsatz zwischen 4,2 und 4,5 Mrd. € zum Ziel, was wenig gewagt erscheint. Die erwartete Absatzschwäche für Deutschland wurde hier bereits vom Management berücksichtigt. Dann soll die EBITDA-Marge bei 10 % liegen. 450 Mio. € EBITDA entsprechen einem 5,5-fachen EBITDA-Multipelleje Aktie verdienen. Das entspräche einem KGV von 13. Warburg Research geht davon aus, dass Nordex schon zum ersten Quartal die Margenerwartung von 7,5 % leicht anheben wird. Das Kursziel sehen die Analysten bei 32 €. Für den Markt wäre dies das Signal für die Aufholjagd.

Deutsche Titel mit großem Umsatzanteil in den USA profitieren. Dazu zählt vor allem im Solarsektor SMA Solar (WKN: A0D J6J; 45,24 €), wo fast 50 % der Umsätze in den USA generiert werden. Am 10. Mai liegt hier mit den Zahlen zum ersten Quartal auch
eine Prognoseerhöhung in der Luft. Vorsicht dagegen bedarf es bei der Neuemission Senvion. Im Gegensatz zu Nordex gibt es hier kaum Bestrebungen, sich außerhalb Europas zu positionieren. Das könnte 2017 zu Problemen führen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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