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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 19.10.2010

Recht vertraulich: Wo findet das Endspiel der Schuldenkrise statt?

Recht vertraulich: Wo findet das Endspiel der Schuldenkrise statt?

Wie rette ich mein Geld? Mit diesen Schlagzeilen macht aktuell das schweizerische Hirt Institut für Geldseminare aufmerksam. Wir wissen zwar nicht, welche Antwort man auf diesen Seminaren gibt, aber mit der Fragestellung wird das aktuelle Szenario (Deflation, Inflation, Währungsreform?) sehr treffend auf den Punkt gebracht. Und wir geben insoweit auch eine klare Antwort: Das Endspiel findet zwischen Gläubigern und Schuldnern statt!

Hyper-Inflation und/oder Schuldenschnitt: Damit möchten wir uns zunächst einmal von der aktuell durchaus gängigen These abgrenzen, dass die staatlich verordnete weltweite Geldschwemme zwangsläufig auf eine Hyper-Inflation hinausläuft. Natürlich ist man, historisch bedingt, insbesondere in Deutschland für solche Horrorszenarien sensibel und empfänglich. Aber die damaligen Ursachen und Umstände (insbesondere horrende Kriegslasten) sind nun einmal mit den aktuellen globalen Wirtschaftsmechanismen nicht (mehr) zu vergleichen. Fakt ist und bleibt, dass Gelddruckern wie den USA (das zeigt nun einmal das Beispiel Japan seit nunmehr 20 Jahren) eher eine japanische Deflationsfalle droht. Wenn hohe Inflation ein realistisches Szenario mit einer grossen Eintrittswahrscheinlichkeit wäre, dann müssten aktuell (die Kapitalmärkte sind nun einmal vorausschauend) die nominalen Zinsen viel höher sein und eben nicht gen Null tendieren. Vereinfacht gesagt bedeutet dieses: Das Szenario an den Kapitalmärkten (und die sind nun einmal von Profis gesteuert) ist ohne Wenn und Aber dahin zu deuten, dass derzeit nach wie vor die Deflationsrisiken weitaus höher gesehen werden als mögliche Inflationsrisiken. Insoweit sollte man sich auch nicht von aktuell weit verbreiteter Werbung („Monstrum: Hyperinflation. Nur hier: Erfahren Sie, wie Sie Ihr Geld retten etc.“) insbesondere von einem Verlag in Bonn irreführen lassen. Solche Werbung ist schlicht und einfach unverantwortliche Panikmache. Staatliches Interesse an hoher Inflation?: Letztlich ist nur bedingt richtig, dass Staaten an hohen Inflationsraten ein Interesse haben müssen, weil sie so ihre Schulden mit inflationiertem Geld, also preiswerter, zurückzahlen können. Hierbei wird übersehen, dass sich damit zwangsläufig auch ständig die Konditionen für die Neuaufnahme von staatlichen Krediten verschlechtern, die staatlichen Einnahmen (Steuern) immer weniger wert werden etc. Insoweit besteht also zumindest kein einseitiges staatliches Interesse daran, dass Schulden durch (Hyper-) Inflation öffentlich zu Lasten aller entwertet werden. Zurück zum Endspiel: Wo Schulden sind, gibt es einen Gläubiger und einen Schuldner. Und zwischen eben diesen findet das Endspiel statt. Nicht pauschal, jeder gegen jeden, sondern zwischen den jeweiligen Schuldnern und jeweiligen Gläubigern – weltweit (siehe auch Geldbrief 11/2010: Euro-Schwäche). Je nach Überschuldung werden die Staaten weltweit einen geordneten Staatsbankrott durch Schuldenschnitt („Hair-Cut“) zwischen 30 bis 50 % vornehmen. Das geht schnell und notfalls über Nacht – schneller kann man seine Schulden (nicht einmal durch Inflation) loswerden. Was bedeutet: Die aktuelle Phase ist dadurch gekennzeichnet, den „schwarzen Peter“ in Form von faulen Staatskrediten auf möglichst viele Körbe zu verteilen. Und genau genommen ist es ja auch nur richtig und konsequent, dass die Gläubiger von Staatsanleihen das bewusst eingegangene Ausfallrisiko tragen, und eben nicht diejenigen Kapitalanleger, die bewusst auf das Risiko angeblich sicherer Staatsanleihen verzichtet haben. Was konkret bedeutet: Bei dem von uns erwarteten Szenario sind Kapitalanleger, und damit verkünden wir an dieser Stelle nichts Neues, am besten mit Investitionen in „Hard-Assets“ (Aktien, Gold und Immobilien) aufgehoben. Es kann überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass Staatsanleihen mit Verzinsungen um 2 % auch nicht ansatzweise mehr das damit verbundene Risiko (Schuldenschnitt) widerspiegeln. Es ist geradezu paradox, dass sich die Staaten angesichts der exorbitanten Risiken mit billigem Geld zu solchen Mini-Zinsen refinanzieren können. Und was die viel gescholtenen Aktien betrifft: Hier werden die mit Aktienbesitz verbundenen Risiken – historisch bedingt – aktuell (immer noch) völlig überbewertet. Dabei sind substanzstarke international tätige Unternehmen, mit Dividendenrenditen von teilweise weit über 3 %, aktuell das weitaus geringere Risiko als Staatsanleihen. Apropos unterbewertete Aktien: In Deutschland ist gerade das Gejammere gross, dass der deutsche Baukonzern Hochtief durch die spanische ACS geschluckt werden könnte, wo doch allein die Hochtief-Beteiligung an der Tochtergesellschaft Leighton schon fast so viel wert sei wie die gesamte Börsenbewertung von Hochtief. Ja eben, weil deutsche Aktien wie Hochtief und andere Substanzwerte schlicht und einfach (vor dem Hintergrund weltweit überbordender Liquidität) „nach alten Kriterien“ viel zu tief bewertet sind. Wenn es so weitergeht, wird es bald tatsächlich so sein, dass die Deutsche Bank den Scheichs von Dubai, TUI und die Wadan-Werften den Russen, Daimler, Porsche, Thyssen-Krupp den Scheichs von Abu Dhabi, Escada den Indern usw. gehört. Ohne dass es die Schweizer wissen: die UBS scheint ohnehin schon vom Ausland „geschluckt“ worden sein. Auch dies wären dann zwangsläufig die Folgen weltweiter Liquidität in Folge Gelddruckens: Den westlichen Industriestaaten würden absolute Substanzperlen zu Tiefstpreisen weggekauft. Insoweit könnte es somit neben dem derzeit beschworenen „Krieg der Währungen“ einen weltweiten Krieg um Vermeidung feindlicher Übernahmen nationaler Industrieunternehmen geben. Den Aktienkursen weltweit wird auch das nicht schaden – ganz im Gegenteil!

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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